Agility: 1.000 Digit 5 stehen hinter Aufträgen von mehr als 300 Mio. Dollar

Agility Robotics Digit 5, humanoider Roboter für Industrie und Logistik
Digit 5 von Agility Robotics. Bild: Agility Robotics

Agility Robotics hat erstmals detaillierter offengelegt, wie das Geschäftsmodell hinter seinem humanoiden Roboter Digit 5 aussehen soll. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über mehrjährige Aufträge im Wert von mehr als 300 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 268 Millionen Euro, die sich auf insgesamt 1.000 Digit-5-Roboter beziehen.

Die Zahl stammt allerdings nicht aus neu abgeschlossenen Verträgen im Oktober. Der Auftragsbestand bestand bereits im Mai 2026 und wurde nun beim Analyst & Investor Day detaillierter erläutert. Die Verträge sind an Bedingungen und Meilensteine gekoppelt und entsprechen nicht bereits realisiertem Umsatz.

Agility veröffentlichte gleichzeitig erstmals konkrete Zahlen zu Produktionskosten, Robot-as-a-Service-Modellen und den erwarteten Einnahmen über die Lebensdauer eines Roboters.

1.000 Digit 5 unter mehrjährigen RaaS-Verträgen

Die mehr als 300 Millionen Dollar an sogenannten committed orders beziehen sich laut Agility auf 1.000 Digit 5 unter dreijährigen Robot-as-a-Service-Verträgen.

Dabei kaufen Kunden den Roboter nicht zwingend direkt. Im RaaS-Modell stellt Agility Digit gegen wiederkehrende Gebühren bereit und übernimmt zusätzlich Software und Wartung.

Über eine angenommene Nutzungsdauer von fünf Jahren kalkuliert das Unternehmen im RaaS-Modell mit insgesamt rund 500.000 Dollar, etwa 446.000 Euro, Umsatz pro Roboter. Für Kunden entspräche das nach Agilitys Modell ungefähr 100.000 Dollar pro Jahr.

Alternativ soll Digit 5 auch direkt gekauft werden können. Einschließlich Software und Wartung kalkuliert Agility dabei über fünf Jahre mit etwa 400.000 Dollar beziehungsweise rund 357.000 Euro Umsatz pro Roboter.

Bei diesen Zahlen handelt es sich ausdrücklich um Modellrechnungen des Unternehmens. Sie beruhen auf Annahmen zu Preisen, Nutzungsdauer, Wartung und zukünftigen Kosten und sind keine bereits erzielten Ergebnisse.

Digit 4 kostet in der Herstellung noch rund 125.000 Dollar

Besonders interessant sind die erstmals veröffentlichten Angaben zu den Produktionskosten.

Agility beziffert die aktuelle Bill of Materials, also die reinen Material- und Komponenten-kosten eines Digit 4, auf rund 125.000 Dollar. Das entspricht aktuell etwa 112.000 Euro.

Für Digit 5 erwartet das Unternehmen deutlich niedrigere Kosten, wenn die Produktion steigt. Konkrete endgültige Stückkosten nennt Agility jedoch nicht.

Die geplanten Einsparungen sollen unter anderem aus weniger Komponenten, einer reiferen Lieferkette, Designänderungen und höheren Stückzahlen kommen. Rund 75 Prozent der Komponenten von Digit stammen nach Angaben des Unternehmens bereits aus den USA.

Damit wird sichtbar, wie stark die Wirtschaftlichkeit humanoider Roboter bislang noch von Skaleneffekten abhängt. Ein hoher Verkaufspreis allein reicht nicht aus, wenn Hardware, Service und Wartung dauerhaft teuer bleiben.

RoboFab kann bis zu 10.000 Roboter pro Jahr produzieren

Agility betreibt im US-Bundesstaat Oregon bereits die sogenannte RoboFab. Die Fabrik ist für eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 10.000 Robotern ausgelegt.

Auch diese Zahl ist jedoch zunächst eine Kapazitätsangabe.

Agility weist in seinen Unterlagen selbst darauf hin, dass nicht garantiert ist, dass diese Produktionsmenge tatsächlich erreicht wird. Die bisherige kommerzielle Basis ist deutlich kleiner: Das Unternehmen nennt aktuell neun zugesagte Kundenstandorte und mehr als 65.000 Betriebsstunden seiner Roboter.

Digit 5 selbst ist zudem noch nicht allgemein verfügbar.

Für bestehende Partner plant Agility einen ersten Rollout in der ersten Jahreshälfte 2027. Der Zugang in der EU und Großbritannien ist ebenfalls für 2027 vorgesehen, hängt dort aber unter anderem von der CE-Kennzeichnung und weiteren regulatorischen Freigaben ab. Die allgemeine Verfügbarkeit soll nach aktuellem Plan bis Ende 2027 folgen.

Sinkende Kosten sollen das RaaS-Modell profitabler machen

Agility verbindet seine Produktionsstrategie direkt mit dem Geschäftsmodell.

Nach internen Modellrechnungen würde es beim Start von Digit 5 etwa eineinhalb Jahre dauern, bis die RaaS-Einnahmen die Materialkosten des Roboters übersteigen. Bei einer Produktion von 1.000 Einheiten pro Jahr soll dieser Zeitraum auf unter ein Jahr sinken, bei 10.000 Einheiten auf weniger als sechs Monate.

Auch hierbei handelt es sich um Prognosen des Unternehmens und nicht um Ergebnisse aus einem bereits laufenden Digit-5-Großbetrieb.

Gerade darin liegt aber die interessanteste Information des Investor Day. Agility versucht nicht nur zu zeigen, dass Digit technisch arbeiten kann. Das Unternehmen legt erstmals konkreter dar, unter welchen Kosten- und Auslastungsannahmen ein Humanoid wirtschaftlich betrieben werden könnte.

Auftrag ist noch kein Umsatz

Die mehr als 300 Millionen Dollar Auftragsvolumen sind deshalb eine wichtige Kennzahl, sollten aber nicht mit bereits sicherem Umsatz gleichgesetzt werden.

Agility selbst weist darauf hin, dass die Verträge von technologischen und vertraglichen Meilensteinen abhängen und möglicherweise nicht vollständig in Umsatz umgewandelt werden. Auch die geplanten Kostensenkungen, Produktionsmengen und Margen sind noch nicht bewiesen.

Für die Humanoid-Branche sind die Zahlen trotzdem ungewöhnlich konkret.

Während viele Hersteller bislang vor allem Produktionsziele, Stückzahlen oder Pilotprojekte kommunizieren, liefert Agility erstmals einen detaillierteren Blick darauf, wie Hardwarekosten, wiederkehrende Softwareeinnahmen, Wartung und Robot-as-a-Service zusammenkommen sollen.

Ob dieses Modell funktioniert, entscheidet sich deshalb nicht an der Kapazität von 10.000 Robotern. Entscheidend wird sein, wie viele Digit tatsächlich ausgeliefert werden, wie zuverlässig sie über Jahre arbeiten und ob Kunden nach den ersten Einsätzen ihre Flotten tatsächlich vergrößern.