Mitsubishi Electric verbindet Humanoide mit CNC-Maschinen – Marktreife für 2030 geplant

Technische Darstellung des Mitsubishi-Electric-Systems, das einen humanoiden Roboter, eine CNC-Werkzeugmaschine und einen KI-Aufgabenplaner verbindet.
Mitsubishi Electric hat ein System zur Koordination humanoider Roboter mit CNC-Werkzeugmaschinen entwickelt. Die Grafik zeigt die Aufgabenteilung zwischen KI-Planer, Maschine und Roboter. Grafik: Mitsubishi Electric.

Mitsubishi Electric hat am 21. Oktober 2026 ein neues System vorgestellt, das humanoide Roboter und CNC-Werkzeugmaschinen über Physical AI miteinander verbinden soll. Ein Bediener gibt eine Arbeitsanweisung in natürlicher Sprache. Anschließend erstellt ein KI-System einen Ablaufplan und verteilt die erforderlichen Schritte auf die Werkzeugmaschine und den Roboter.

Die Lösung richtet sich an Fertigungsbetriebe, in denen Beschäftigte noch zahlreiche Arbeiten rund um die eigentliche Bearbeitung übernehmen müssen: Werkstücke einlegen, Maschinen reinigen, fertige Teile entnehmen, transportieren oder kontrollieren.

Mitsubishi Electric will das System erstmals ab dem 26. Oktober auf der Fachmesse JIMTOF 2026 in Tokio demonstrieren. Die kommerzielle Einführung ist für 2030 vorgesehen. Eine bereits erfolgte Serieninstallation bei Industriekunden wurde nicht bekannt gegeben.

Drei Komponenten für die automatisierte Bearbeitung

Das System kombiniert drei Elemente: einen KI-basierten Aufgabenplaner, eine mit Physical AI ausgestattete CNC-Werkzeugmaschine und einen humanoiden Roboter.

Der sogenannte AI Machining Task Planner verarbeitet natürlichsprachliche Anweisungen des Bedieners. Aus zuvor registrierten Aufgaben stellt er einen Ablaufplan zusammen und weist die einzelnen Schritte der Werkzeugmaschine beziehungsweise dem Roboter zu.

Die CNC-Maschine übernimmt die eigentliche Bearbeitung des Werkstücks. Der Humanoid soll unterstützende Tätigkeiten übernehmen, beispielsweise das Einlegen von Teilen, den Transport, die Reinigung oder die Prüfung.

Für den Aufgabenplaner und die CNC-Steuerung verwendet Mitsubishi Electric eigene KI-Technologie der Marke Maisart.

Wichtig ist dabei eine Einschränkung: Das System erzeugt nach Unternehmensangaben Pläne aus einer vorbereiteten Liste möglicher Aufgaben. Es wurde nicht nachgewiesen, dass beliebige neue Fertigungsprozesse ohne vorherige Einrichtung autonom geplant und ausgeführt werden können.

Weniger Integrationsaufwand als bei klassischer Automation?

Viele CNC-Anlagen sind für die Bedienung durch Menschen konstruiert. Werkstückhalterungen, Türen, Bedienelemente und Reinigungsabläufe orientieren sich deshalb an menschlichen Bewegungen.

Konventionelle Industrieautomation kann solche Arbeitsschritte bereits heute übernehmen. Häufig sind dafür jedoch zusätzliche Zuführsysteme, Schutzvorrichtungen oder individuell programmierte Roboterzellen erforderlich.

Mitsubishi Electric will den Integrationsaufwand verringern, indem Werkzeugmaschine und Humanoid Informationen über ihren jeweiligen Zustand austauschen und ihre Aktionen koordinieren.

Der Hersteller bezeichnet den Ansatz als Branchenneuheit. Diese Einordnung beruht allerdings auf der eigenen Marktprüfung des Unternehmens und ist keine unabhängig bestätigte Aussage über sämtliche vergleichbaren Systeme.

Auch ein geringerer Integrationsaufwand wurde bislang nicht durch veröffentlichte Kosten- oder Zeitvergleiche nachgewiesen.

Physical AI muss in der Werkzeugmaschine zuverlässig funktionieren

Für einen produktiven Einsatz müsste das System nicht nur einzelne Arbeitsschritte korrekt ausführen, sondern auch auf Unterbrechungen reagieren können.

Dazu gehören falsch positionierte Werkstücke, nicht vollständig geöffnete Türen oder veränderte Maschinenzustände.

Gleichzeitig müssen die Bewegungen des Roboters mit Sicherheitsfunktionen der CNC-Anlage abgestimmt sein. Ein fehlgeschlagener Greifvorgang darf keine unkontrollierte Maschinenbewegung auslösen.

Vergleichbare Herausforderungen untersucht Daikin in Japan. Das Unternehmen erprobt gemeinsam mit Muso Action, wie Roboter mithilfe von VLA-Modellen an wechselnde industrielle Aufgaben angepasst werden können.

Das Projekt von Mitsubishi Electric geht einen anderen Weg: Nicht nur die Bewegung eines Roboters, sondern die Koordination zwischen intelligenter Werkzeugmaschine und Roboter wird zum Entwicklungsgegenstand.

JIMTOF-Demonstration vor einer möglichen Einführung 2030

Mitsubishi Electric will das System ab dem 26. Oktober auf der japanischen Werkzeugmaschinenmesse JIMTOF zeigen.

Anschließend sind zusätzliche Funktionen und praktische Validierungen geplant. Das Unternehmen nennt 2030 als Zieljahr für die kommerzielle Nutzung.

Bis dahin bleiben wesentliche Fragen offen: Wie viele unterschiedliche CNC-Maschinen lassen sich integrieren? Welche Robotermodelle werden unterstützt? Wie zuverlässig funktioniert die Aufgabenverteilung über längere Zeiträume? Und wie viel kostet die Umrüstung gegenüber einer klassischen Automatisierungslösung?

Für europäische Maschinenbauer wäre vor allem interessant, ob sich die Lösung auch in bereits installierte Produktionsanlagen integrieren lässt.

Die Ankündigung zeigt, dass Physical AI zunehmend auf die Abstimmung kompletter industrieller Systeme zielt. Ob dadurch tatsächlich wirtschaftlichere Fertigungsprozesse entstehen, müssen zukünftige Kundentests belegen.

Quellen: Mitsubishi Electric: Offizielle Veröffentlichung vom 21. Oktober 2026; Mitsubishi Electric: Pressemitteilung und technisches Bildmaterial.