Humanoide im Supermarkt werden derzeit von HIVE Robots gemeinsam mit føtex in Dänemark getestet. Die Systeme sollen nachts Waren in Regale einräumen und damit eine der arbeitsintensiven Routineaufgaben im Einzelhandel übernehmen. Die Systeme sollen nachts Waren in Regale einräumen und damit eine der arbeitsintensiven Routineaufgaben im Einzelhandel übernehmen. Der Versuch läuft gemeinsam mit der zur Salling Group gehörenden Supermarktkette føtex.
Anders als bei einer klassischen Robotikdemonstration findet das Training direkt im laufenden Supermarkt statt. Wenn die Filiale geschlossen ist, werden die Humanoiden an echten Regalen eingesetzt und üben unter anderem, Konserven, Pasta und andere vergleichsweise robuste Produkte korrekt einzusortieren. Empfindliche Waren wie Eier gehören zunächst bewusst nicht zu den Aufgaben.
Menschen steuern die Roboter zunächst per VR
Vollständig autonom arbeiten die Roboter noch nicht. Aktuell setzt HIVE sogenannte Robot Pilots ein. Ein Mitarbeiter trägt ein VR Headset und nutzt zwei Controller, um den humanoiden Roboter aus der Ferne zu steuern.
Dabei wird jede Bewegung aufgezeichnet. Dazu gehören das Greifen eines Produkts, die Position des Regals und das Platzieren der Ware. Die gesammelten Daten sollen anschließend dafür genutzt werden, dass die Roboter immer größere Teile der Aufgabe selbstständig übernehmen können.
Derzeit betreut ein Pilot jeweils einen Roboter. Langfristig verfolgt HIVE das Ziel, dass eine Person bis zu zehn Roboter überwachen kann. Damit würde sich das Modell von klassischer Teleoperation in Richtung einer weitgehend autonomen Flotte mit menschlicher Aufsicht entwickeln.

føtex sucht Entlastung bei repetitiven Aufgaben
Für føtex liegt der Fokus nicht darauf, Mitarbeiter vollständig zu ersetzen. Der Einzelhändler untersucht vielmehr, ob Humanoide repetitive und körperlich belastende Aufgaben übernehmen können, insbesondere in Zeiten, in denen Personal schwer zu finden ist.
Supermärkte gelten dabei als anspruchsvolle Umgebung für klassische Automatisierung. Regale, Gänge und Produkte sind für Menschen ausgelegt und verändern sich regelmäßig. Genau hier soll die menschenähnliche Körperform Vorteile bieten.
HIVE und føtex hatten ihre mehrjährige Kooperation bereits im März angekündigt. Von Beginn an war vorgesehen, erste Tests nachts durchzuführen, wenn sich keine Kunden in der Filiale befinden.
HIVE will das Modell auf weitere Händler ausweiten
HIVE beschreibt den aktuellen Einsatz bei føtex inzwischen ausdrücklich als Live Pilot im realen Betrieb. Auf der NRF Retail’s Big Show Europe vom 15. bis 17. September in Paris will das Unternehmen seine Lösung für humanoide Regalauffüllung demonstrieren und weitere europäische Händler für Partnerschaften gewinnen.
Das geplante Geschäftsmodell ähnelt dabei eher einer Dienstleistung als einem klassischen Roboterverkauf. HIVE spricht von Humanoid Shelf Replenishment as a Service und sieht perspektivisch Nachtschichten von etwa 21 bis 7 Uhr vor.
Der eigentliche Test beginnt im echten Regal
Ob sich Humanoide im Supermarkt wirtschaftlich durchsetzen, dürfte deshalb weniger von einzelnen Greifdemonstrationen als vom tatsächlichen Automatisierungsgrad abhängen. Das Nachfüllen eines Supermarktregals klingt zunächst einfacher als viele industrielle Anwendungen für humanoide Roboter. In der Praxis muss ein Roboter jedoch mit unterschiedlichen Verpackungen, variierenden Regalhöhen und einer für Menschen gebauten Umgebung umgehen.
Interessant ist deshalb weniger, dass ein Humanoid eine Dose ins Regal stellen kann. Entscheidend wird sein, wie schnell HIVE den Anteil menschlicher Fernsteuerung reduziert und ob mehrere Roboter tatsächlich von einem einzelnen Operator überwacht werden können. Erst dann lässt sich beurteilen, ob das Modell auch wirtschaftlich mit menschlicher Nachtarbeit konkurrieren kann.
