Ein humanoider Roboter in Singapur hat zwei Wochen lang Fahrgäste an der MRT Station Little India unterstützt. Olly war vom 31. August bis 11. September an der Station Little India im Einsatz und sollte Reisenden unter anderem bei der Orientierung, bei Zugverbindungen und der Suche nach Ausgängen helfen.
Der 1,27 Meter große Roboter wurde während des zweiwöchigen Tests von Mitarbeitern der Verkehrsbehörde begleitet. Little India wurde bewusst als reale Testumgebung gewählt. Die Station wird sowohl von Pendlern als auch von Touristen genutzt und bietet damit deutlich komplexere Bedingungen als ein kontrollierter Demonstrationsraum.
Olly beantwortet Fragen und begleitet Fahrgäste
Fahrgäste konnten den Roboter mit „Hi Olly“ ansprechen und anschließend Fragen zum öffentlichen Nahverkehr stellen. Bei einfachen Anfragen, etwa nach den ersten und letzten Zügen, konnte das System passende Antworten liefern.
Olly sollte außerdem nicht nur verbal den Weg erklären. Bei bestimmten Anfragen konnte sich der Roboter selbstständig in Bewegung setzen und Fahrgäste in Richtung des passenden Ausgangs oder der entsprechenden Zugangsschranken begleiten.
In einem Praxistest führte Olly einen Fahrgast beispielsweise zu den Fare Gates in Richtung des KK Women’s and Children’s Hospital. Dabei bewegte sich der Roboter langsam durch die Station und reagierte auch auf Personen, die seinen Weg blockierten.
Der reale Bahnhof stellt die Spracherkennung vor Probleme
Der Test zeigte gleichzeitig die Grenzen des Systems. In der lauten Umgebung der MRT Station musste deutlich und relativ laut gesprochen werden. Zwischen einer Frage und der Antwort lagen teilweise mehrere Sekunden.
Auch die Spracherkennung funktionierte nicht immer zuverlässig. Bei der Frage nach dem nahe gelegenen Tekka Centre verstand Olly den Namen zunächst falsch und lieferte entsprechend eine unpassende Wegbeschreibung.
Gerade solche Situationen sind für den Test relevant. Ein Service Roboter in einem Bahnhof muss nicht nur Sprache verstehen, sondern mit Hintergrundgeräuschen, unterschiedlichen Akzenten, Menschenansammlungen und ständig wechselnden Situationen umgehen können.
LTA plant noch keinen regulären Einsatz
Olly basiert auf einer humanoiden Plattform von Unitree Robotics. Für die Land Transport Authority steht derzeit jedoch nicht die Einführung einer größeren Roboterflotte im Vordergrund.
Die Behörde wollte mit dem Versuch zunächst untersuchen, wie sich ein KI gestützter humanoider Roboter in einer echten Station verhält und wie Fahrgäste auf ihn reagieren. Einen unmittelbaren Plan für einen dauerhaften Einsatz gibt es bislang nicht.
Der Test fand deshalb auch nur an Werktagen während vergleichsweise ruhiger Zeiten zwischen 10 und 12 Uhr statt.
Der Bahnhof zeigt die Grenzen heutiger Service Humanoide
Der Einsatz von Olly ist interessant, weil Service Humanoide hier nicht nur mit vorbereiteten Besuchern auf einer Messe interagieren, sondern mit ganz normalen Fahrgästen in einer unkontrollierten Umgebung.
Gleichzeitig zeigt der Versuch, dass eine menschenähnliche Form allein noch keinen besseren Kundenservice garantiert. Sprachverständnis, Reaktionszeit, Navigation und der Umgang mit Umgebungsgeräuschen müssen zuverlässig funktionieren.
Für Verkehrsbetriebe dürfte deshalb weniger entscheidend sein, ob ein Roboter grundsätzlich einen Fahrgast zum richtigen Ausgang begleiten kann. Wichtiger ist, ob er solche Aufgaben auch während des normalen Stationsbetriebs zuverlässig genug erledigt, um einen echten Mehrwert gegenüber Displays, Apps oder klassischen Informationsschaltern zu bieten.
