Toyota rechnet mit Bedarf von rund 400.000 Robotern für die Fabrikautomation

Automatisierte Produktionslinie im Toyota Motomachi Werk in Japan
Toyota prüft eine deutlich stärkere Automatisierung seiner Produktionsstandorte. Konzern, Gruppengesellschaften und wichtige Zulieferer könnten langfristig rund 400.000 Roboter benötigen. Bild: Toyota Motor Corporation

Toyota rechnet damit, dass eine umfassende Modernisierung seiner Fabriken ab 2028 Investitionen von rund einer Billion Yen pro Jahr erfordern könnte. Das entspricht etwa 6,4 Milliarden US Dollar. Im Zuge dieser Automatisierung könnten Toyota, Unternehmen der Gruppe und wichtige Zulieferer insgesamt rund 400.000 Roboter benötigen.

Die Größenordnung wurde Investoren Anfang September vorgestellt und nun von Reuters veröffentlicht. Sie umfasst sowohl neue Installationen als auch den Ersatz bestehender Maschinen.

Wichtig ist dabei: Bei den rund 400.000 Robotern handelt es sich nicht um 400.000 Humanoide. Toyota spricht über die gesamte Fabrikautomation. Dazu gehören klassische Industrieroboter, automatisierte Logistiksysteme sowie künftig auch humanoide und andere Robotersysteme, die direkt mit Menschen zusammenarbeiten können.

Eine Billion Yen pro Jahr für modernere Fabriken

Toyota verbindet die geplante Automatisierung mit zwei strukturellen Problemen der japanischen Industrie.

Viele Produktionsanlagen werden älter. Gleichzeitig verschärft der Arbeitskräftemangel den Druck auf Hersteller und Zulieferer, mehr Prozesse zu automatisieren.

Ab 2028 könnten deshalb jährlich rund eine Billion Yen in die Modernisierung von Fabriken fließen. Die Schätzung umfasst Toyota selbst, Unternehmen innerhalb der Gruppe sowie wichtige Zulieferer.

Toyota hat bislang allerdings nicht entschieden, dass diese Summe tatsächlich jedes Jahr ausgegeben wird. Auch über welchen Zeitraum ein solches Investitionsniveau gelten könnte, ist noch offen.

Die Zahl zeigt dennoch, welche Größenordnung der Konzern inzwischen für eine breitere Automatisierung diskutiert.

Robotik soll mehr Aufgaben in der Produktion übernehmen

Toyota arbeitet bereits heute daran, Roboter in zusätzliche Produktionsschritte zu integrieren.

In eigenen Investorenunterlagen nennt der Konzern unter anderem den Transport und das Kommissionieren von Bauteilen als aktuelle Einsatzfelder. Außerhalb klassischer Produktionslinien testet Toyota Robotik auch für Aufgaben wie den Transport medizinischer Geräte und das Zusammenstellen von Produkten.

In einzelnen Werken geht die Automatisierung bereits weiter.

Toyota beschreibt beispielsweise eine Motorenfertigung im Kamigo Werk, in der zuvor manuell ausgeführte Arbeitsschritte inzwischen vollständig automatisiert wurden. Das Ziel besteht dabei nicht nur darin, menschliche Arbeit durch Maschinen zu ersetzen. Roboter sollen Bewegungen und Arbeitsweisen erfahrener Mitarbeiter übernehmen und gleichzeitig Beschäftigte von körperlich belastenden oder monotonen Aufgaben entlasten.

Humanoide werden Teil eines größeren Automatisierungsmix

Interessant ist, dass Toyota Humanoide inzwischen ausdrücklich als Teil seiner zukünftigen Fabrikautomation betrachtet.

Der Konzern entwickelt seit vielen Jahren eigene Robotiktechnologien und betreibt über das Toyota Research Institute Forschung zu Manipulation, Robot Learning und allgemeiner Robotik.

Für die Fabrik der Zukunft scheint Toyota jedoch nicht auf eine einzige Roboterform zu setzen.

Ein klassischer Industrieroboter bleibt sinnvoll, wenn sich eine Aufgabe über Jahre kaum verändert. Mobile Systeme eignen sich für Logistik. Humanoide könnten dort interessant werden, wo Arbeitsplätze bereits für Menschen ausgelegt sind und regelmäßig unterschiedliche Aufgaben erledigt werden müssen.

Damit geht es weniger darum, alle bestehenden Maschinen durch Humanoide zu ersetzen. Entscheidend ist vielmehr, für jeden Prozess die passende Form von Automation zu finden.

Automobilhersteller werden zu wichtigen Humanoid Kunden

Toyota ist mit dieser Entwicklung nicht allein.

Hyundai Motor Group plant beispielsweise, humanoide Atlas Roboter von Boston Dynamics ab 2028 in seinen US Werken einzusetzen. Auch Tesla entwickelt Optimus mit dem erklärten Ziel, den Roboter zunächst in den eigenen Fabriken arbeiten zu lassen.

Damit entsteht ein Muster.

Automobilhersteller gehören zu den wenigen Unternehmen, die gleichzeitig über große Produktionsnetzwerke, wiederholbare Arbeitsprozesse, umfangreiche Automatisierungserfahrung und genügend Kapital verfügen, um neue Robotersysteme in größerem Maßstab zu testen.

Für Humanoid Hersteller könnten genau diese Unternehmen deshalb zu den wichtigsten frühen Kunden werden.

Die Zahl von 400.000 Robotern sollte nicht als konkrete Bestellung verstanden werden. Sie zeigt aber, wie Toyota inzwischen über die nächste Generation seiner Fabriken nachdenkt.

Entscheidend ist nicht mehr nur, ob ein einzelner Roboter einen bestimmten Arbeitsschritt ausführen kann. Die größere Frage lautet, wie Robotik in Hunderten Fabriken und bei Tausenden Zulieferern wirtschaftlich skaliert werden kann.

Wenn große Hersteller anfangen, Automatisierung in solchen Größenordnungen zu planen, wird aus Robotik zunehmend weniger ein Demonstrationsthema und mehr eine klassische Investitionsentscheidung der Industrie.