Minerva sammelt 10 Mio. Dollar ein: Humanoid Roger soll gefährliche Jobs übernehmen

Minerva Humanoids Roger, teilautonomer humanoider Roboter für gefährliche Industrie- und Sicherheitseinsätze
Roger ist ein teilautonomer Humanoid von Minerva für gefährliche Aufgaben im Energiesektor und in der öffentlichen Sicherheit. Bild: Minerva Humanoids

Minerva Humanoids hat rund 10 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde eingesammelt, aktuell etwa 8,9 Millionen Euro. Das Startup entwickelt mit Roger einen humanoiden Roboter für Arbeiten, bei denen nicht primär Personalkosten, sondern das Risiko für Menschen reduziert werden soll.

Die von General Catalyst angeführte Finanzierungsrunde bringt Minerva aus der Stealth-Phase. Long Journey Ventures und Credo Ventures waren Co-Leads. Erste bezahlte Pilotprojekte sollen noch in diesem Herbst starten.

Der Ansatz unterscheidet sich dabei deutlich von vielen Humanoid-Projekten: Roger soll zunächst nicht vollständig autonom arbeiten. Ein ausgebildeter Spezialist behält die Kontrolle über kritische Handlungen, während der Roboter selbst in die Gefahrenzone geht.

Der Mensch steuert, die KI hält Roger auf den Beinen

Roger wird über ein VR-Headset ferngesteuert. Minervas eigene Software übernimmt unter anderem Gleichgewicht, Navigation und das Aufstehen nach einem Sturz. Manipulationen an Werkzeugen, Ventilen oder anderen Objekten bleiben in der ersten Einsatzstufe dagegen unter menschlicher Kontrolle.

Für Öl- und Gas-Anwendungen beschreibt Minerva beispielsweise Szenarien wie das Schließen eines Ventils bei einem Gasleck, Inspektionsrunden und die Bedienung von Kontrollsystemen. Das Unternehmen zeigt auf seiner offiziellen Plattform für den Energiesektor ausdrücklich ein semi-autonomes Modell, bei dem Navigation automatisiert und Manipulation teleoperiert wird.

Im Bereich Public Safety zielt Roger unter anderem auf Kampfmittelbeseitigung, CBRN-Einsätze und Einsätze in anderen gefährlichen Umgebungen. Minerva hat nach eigenen Angaben bereits Tests an Flughäfen durchgeführt und Roger beim NATO Explosive Ordnance Disposal Centre of Excellence demonstriert. Ein kommerzieller Einsatz an diesen Standorten ist damit jedoch noch nicht bestätigt.

Vollständige Autonomie ist zunächst nicht das Ziel

Gerade das macht Minervas Strategie interessant. Viele Humanoid-Unternehmen arbeiten langfristig an Robotern, die Aufgaben möglichst vollständig autonom erledigen. Minerva versucht dagegen, früher einen wirtschaftlichen Nutzen zu erreichen, indem zunächst der Mensch aus der Gefahrenzone entfernt wird.

Für eine Ölplattform oder Kampfmittelbeseitigung kann dieser Unterschied entscheidend sein. Ein Roboter muss dort nicht zwingend alle Entscheidungen selbst treffen, wenn ein erfahrener Spezialist die Aufgabe aus sicherer Entfernung ausführen kann.

Damit verschiebt sich auch der Maßstab für kommerzielle Reife. Nicht nur die Autonomie zählt, sondern Zuverlässigkeit, Latenz, Manipulationsfähigkeit und die Frage, wie oft ein Mensch tatsächlich vor Ort eingreifen muss. Ähnliche Fragen sind für industrielle Robotik insgesamt entscheidend, wie auch die Zuverlässigkeit kompletter Roboter-Workflows zeigt.

Die ersten Roger-Prototypen kommen aus Deutschland

Minerva wurde Ende 2025 gegründet und hat seinen Hauptsitz in San Francisco sowie Standorte in Cambridge und Sindelfingen. Nach Angaben des Unternehmens entstand der erste funktionsfähige Roger-Prototyp innerhalb von fünf Monaten.

Die ersten Prototypen werden in Deutschland gefertigt und montiert. Langfristig will Minerva sowohl in Deutschland als auch in den USA produzieren und dabei nach eigenen Angaben möglichst auf eine westliche Lieferkette setzen.

Roger wiegt nach Unternehmensangaben in einsatzbereiter Konfiguration weniger als 100 Kilogramm und wurde so ausgelegt, dass er Treppen und nasse Decks bewältigen sowie in einem normalen Fahrzeug transportiert werden kann.

Jetzt müssen aus Tests bezahlte Einsätze werden

Die rund 10 Millionen Dollar finanzieren zunächst ein sehr frühes Unternehmen. Minerva nennt bislang weder Kunden der geplanten bezahlten Piloten noch Robotermengen, Vertragswerte oder belastbare Betriebsdaten.

Roger steht damit noch deutlich vor Robotern, die bereits Tausende Stunden bei Industriekunden gesammelt haben. Systeme wie Agility Robotics‘ Digit verfolgen inzwischen einen stärker standardisierten Weg in Logistik und Produktion.

Minerva setzt stattdessen auf einen Bereich, in dem schon ein teilautonomer Roboter einen klaren Nutzen haben kann: Menschen müssen eine gefährliche Aufgabe weiterhin erledigen, aber nicht mehr physisch am gefährlichsten Ort stehen.

Ob daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, wird deshalb weniger davon abhängen, wann Roger vollständig autonom wird. Wichtiger ist zunächst, ob die angekündigten bezahlten Piloten tatsächlich in wiederkehrende Einsätze übergehen.