BYD-Patent zeigt erstmals vollständiges Design des eigenen Humanoiden

Patentzeichnung des humanoiden Roboters von BYD mit zweibeinigem Körper und beweglichen Händen
Das veröffentlichte Designpatent zeigt erstmals detailliert die Gestaltung von BYDs eigenem humanoiden Roboter. Bild: China National Intellectual Property Administration

BYD hat erstmals das vollständige Design eines eigenen humanoiden Roboters über ein öffentliches Patent offengelegt. Die chinesische Patentbehörde CNIPA veröffentlichte Anfang Oktober ein Designpatent mit dem Titel „Embodied Intelligent Robot“, dessen Inhaber BYD ist.

Das Patent mit der Veröffentlichungsnummer CN310247768S wurde am 30. April 2026 angemeldet und am 6. Oktober erteilt. Die veröffentlichten Patentzeichnungen zeigen einen zweibeinigen Humanoiden mit zwei Armen, beweglichen Fingern und einem ovalen Kopf mit dunkler Front.

Technische Daten nennt das Dokument allerdings nicht. Aus dem Patent lassen sich weder Leistungsfähigkeit noch Produktionsstatus oder ein Marktstart ableiten.

Patent nennt Service, Bildung und Industrie

Laut Patentbeschreibung ist das Design für einen intelligenten Roboter vorgesehen, der laufen, das Gleichgewicht halten und mit seiner Umgebung interagieren kann. Als mögliche Einsatzbereiche nennt das Dokument Service, Bildung und industrielle Anwendungen.

Die Zeichnungen zeigen Gelenke an Schultern, Ellenbogen, Hüften und Knien sowie mechanische Strukturen an Taille und Beinen. Auch Hände mit einzelnen Fingern sind erkennbar.

Mehr lässt sich aus einem Designpatent jedoch nicht ableiten. Geschützt wird in erster Linie die äußere Gestaltung. Das Dokument enthält keine Angaben zu Aktuatoren, Sensoren, Rechenplattform, Traglast, Batterielaufzeit oder Autonomie.

Noch keine formelle Produkteinführung

BYD hatte bereits im Juli bestätigt, im August einen eigenen Humanoiden im Technologie- und Erlebniszentrum Di Space vorstellen zu wollen. Damals kündigte das Unternehmen eine Präsentation für August an.

Eine vollständige formelle Produkteinführung mit technischen Daten, Preis und Produktionsplan ist bislang jedoch nicht erfolgt. CnEVPost berichtete am 9. Oktober, dass BYD den Humanoiden weiterhin nicht offiziell als Produkt vorgestellt habe.

Einige chinesische Medien verbinden das Patent mit dem zuvor unter dem Namen „Xiao Di“ angekündigten Robotikprojekt. Im Patent selbst wird dieser Produktname jedoch nicht genannt.

Die Veröffentlichung ist deshalb vor allem ein neuer Beleg dafür, wie konkret BYDs eigenes Humanoid-Projekt inzwischen geworden ist. Sie ist keine Bestätigung für Serienproduktion oder kommerzielle Verfügbarkeit.

BYD denkt bereits über Roboter in Autohäusern nach

Dass BYD über ein eigenes Robotikgeschäft nachdenkt, ist bereits länger bekannt. Executive Vice President Stella Li erklärte im Juni, sie könne sich langfristig zwei bis drei Roboter in jedem BYD-Autohaus vorstellen. Dort könnten sie Fahrzeuge erklären und demonstrieren.

Auch Haushalts- und Serviceanwendungen sieht BYD als möglichen Markt. Sollte sich ein Consumer-Markt entwickeln, könnte der Konzern nach Lis Vorstellung sein bestehendes Händlernetz auch für den Verkauf von Robotern nutzen.

Damit unterscheidet sich der mögliche Einsatzpfad zunächst von vielen industriellen Humanoiden, die vor allem für Fabriken und Logistik entwickelt werden.

Andere chinesische Autohersteller verfolgen ebenfalls eigene Physical-AI-Strategien. XPENG entwickelt mit IRON bereits einen eigenen Humanoiden und will Teile seiner Physical-AI-Technologie künftig auch extern lizenzieren.

Autobauer werden selbst zu Robotikunternehmen

Der Schritt ist für BYD technisch weniger ungewöhnlich, als er zunächst wirkt. Elektroautos und Humanoide benötigen teilweise ähnliche Kompetenzen bei Elektromotoren, Leistungselektronik, Batterien, Sensorik, KI und industrieller Fertigung.

BYD besitzt zudem bereits Erfahrung mit Robotern in der eigenen Produktion. Externe Humanoid-Hersteller wie UBTECH arbeiten mit Automobilunternehmen daran, Roboter in reale Produktionsprozesse zu integrieren. Zuletzt wurde die Zusammenarbeit von UBTECH und FAW-Volkswagen auf Werkslogistik ausgeweitet.

BYDs Patent zeigt nun, dass der Konzern nicht nur Anwender solcher Systeme sein will, sondern an einer eigenen Plattform arbeitet.

Für die Bewertung des Projekts fehlen aber noch die entscheidenden Informationen. Erst technische Daten, reale Demonstrationen, Produktionspläne und konkrete Einsatzorte werden zeigen, ob aus dem Patent tatsächlich ein konkurrenzfähiges Humanoid-Produkt entsteht.