Boston Dynamics hat Rohit Prasad zum neuen CEO ernannt. Der frühere Amazon-Manager, der den Aufbau von Alexa mitprägte und später die Entwicklung der Amazon-Nova-Modellfamilie leitete, hat die Position am 7. Oktober übernommen.
Boston Dynamics verbindet die Ernennung ausdrücklich mit seiner Physical-AI-Strategie. Prasad soll die Verbindung zwischen fortgeschrittener KI, Robotik und der Kommerzialisierung intelligenter Maschinen beschleunigen.
Der Wechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Boston Dynamics versucht, Atlas von einer Forschungsplattform zu einem industriell eingesetzten Humanoiden zu entwickeln.
Von Alexa und Nova zu Physical AI
Prasad arbeitete zwölf Jahre bei Amazon. Dort war er zuletzt Senior Vice President und Head Scientist für Alexa und Artificial General Intelligence.
Er gehörte zu den Führungskräften, die Alexa von einem frühen Forschungsprojekt zu einem weltweit eingesetzten Produkt entwickelten. Später baute er Amazons AGI-Organisation auf und leitete die Entwicklung der Nova-Familie von Foundation Models.
Amazon erklärte bei der Ankündigung seines Abschieds, dass Prasad in den vorherigen zwei Jahren zwölf Nova-Foundation-Models mit aufgebaut habe, die inzwischen von Zehntausenden Unternehmen genutzt würden.
Für Boston Dynamics ist gerade diese Kombination relevant. Das Unternehmen besitzt jahrzehntelange Erfahrung mit Mechanik, Bewegungssteuerung und dynamischer Robotik. Die nächste Herausforderung liegt stärker darin, diese Hardware mit generalistischen KI-Modellen zu verbinden und daraus zuverlässig einsetzbare Produkte zu machen.
Atlas befindet sich bereits im Übergang zur Industrie
Dieser Wandel hat bereits vor dem CEO-Wechsel begonnen.
Boston Dynamics produziert seit Anfang 2026 die neue elektrische Version von Atlas. Im September eröffnete das Unternehmen auf dem Gelände von Hyundai Motor Group Metaplant America in Georgia ein Trainingszentrum, in dem Atlas mit echten Fahrzeugteilen auf Produktionsaufgaben vorbereitet wird.
Im Robotics Metaplant Application Center von Hyundai lernen die Roboter zunächst Parts Sequencing. Ab 2028 sollen Atlas-Systeme nach bisheriger Planung erstmals produktiv in Hyundai-Werken eingesetzt werden.
Parallel arbeitet Boston Dynamics mit Google DeepMind daran, Gemini-Robotics-Modelle mit Atlas zu verbinden. Damit entstehen bereits die technischen Bausteine für genau die Verbindung aus Robotik und Foundation Models, die Prasad künftig auf Unternehmensebene verantworten soll.
Robert Playter trat bereits im Februar zurück
Die Neubesetzung beendet eine mehrere Monate dauernde Übergangsphase.
Der langjährige CEO Robert Playter hatte im Februar seinen Rücktritt angekündigt. Danach führte Amanda McMaster Boston Dynamics interimistisch. Playters Rücktritt fiel bereits damals mit zunehmenden Erwartungen an eine schnellere Kommerzialisierung der Robotiksparte von Hyundai zusammen.
Prasad übernimmt deshalb kein reines Forschungsunternehmen. Spot und Stretch sind bereits kommerzielle Produkte, Atlas soll folgen. Gleichzeitig investiert Boston Dynamics in zusätzliche Produktionskapazitäten, Robotiktraining und KI-Partnerschaften.
Die Aufgabe ist jetzt weniger spektakulär als ein Atlas-Demo
Für Boston Dynamics liegt die entscheidende Herausforderung nicht mehr darin zu zeigen, dass Atlas laufen, greifen oder außergewöhnliche Bewegungen ausführen kann.
Der schwierigere Schritt ist, aus dieser technischen Plattform ein System zu machen, das über lange Zeit zuverlässig arbeitet, neue Aufgaben schnell lernt und sich wirtschaftlich in bestehende Produktionsprozesse integrieren lässt.
Genau dafür ist Prasads Hintergrund interessant. Seine bisherige Karriere lag weniger in klassischer Robotik als darin, KI-Systeme aus Forschung und Modellentwicklung in Produkte mit großer Nutzerbasis zu überführen.
Ob sich diese Erfahrung auf humanoide Robotik übertragen lässt, muss sich erst zeigen. Die Ernennung macht aber deutlich, wo Boston Dynamics derzeit seinen nächsten Engpass sieht: nicht nur in besserer Hardware, sondern in der Verbindung von Robotik, KI-Modellen und kommerzieller Skalierung.
