Südkorea hat am 12. Oktober in Pangyo südlich von Seoul sein erstes militärisches AI-Transformation-Zentrum (AX) eröffnet. Dort sollen humanoide und mehrbeinige Roboter mithilfe von Physical AI für gefährliche Einsätze trainiert werden. Zu den geplanten Aufgaben gehören Minenräumung, Kampfmittelbeseitigung, chemische und biologische Aufklärung sowie Materialtransporte in Risikogebiete.
Das Zentrum liegt im Pangyo Techno Valley und wird gemeinsam mit der Ajou University betrieben. An der Eröffnung nahmen nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums rund 150 Vertreter aus Militär, Regierung, Forschung und Industrie teil.
Die Einrichtung ist der erste von fünf geplanten regionalen Defense-AI-Standorten. Während Pangyo bereits eröffnet wurde, stehen die eigentlichen Trainingsprogramme und der spätere praktische Einsatz der Roboter noch bevor.
Humanoide sollen gefährliche Aufgaben übernehmen
In Pangyo will die südkoreanische Armee Daten aus physischen Umgebungen sammeln und damit KI-Modelle für unterschiedliche Robotertypen trainieren. Neben Humanoiden sind ausdrücklich auch mehrbeinige Roboter vorgesehen.
Die Einsatzfelder sind klar definiert: Roboter sollen künftig Sprengkörper untersuchen und beseitigen, Minen räumen, gefährliche Gebiete erkunden und benötigte Ausrüstung transportieren. Ziel ist es, Soldaten seltener unmittelbar solchen Risiken auszusetzen.
Der Schwerpunkt liegt damit auf der Verbindung von Wahrnehmung, Bewegung und physischer Interaktion. Ein Roboter muss beispielsweise nicht nur ein Hindernis erkennen, sondern sich auf schwierigem Untergrund bewegen und Objekte unter wechselnden Bedingungen handhaben können.
Welche konkreten Roboterhersteller oder Modelle in Pangyo eingesetzt werden, hat das Ministerium bislang nicht veröffentlicht. Ebenso fehlen Angaben zu autonomen Fähigkeiten, Testergebnissen und geplanten Einsatzterminen.
Militärdaten sollen für Robot Learning nutzbar werden
Ein zentraler Bestandteil des neuen Zentrums ist eine gesicherte Datenumgebung. In einer sogenannten Data Safe Zone sollen Militär und zivile Forschungseinrichtungen gemeinsam mit sensiblen Informationen arbeiten können, ohne diese unkontrolliert weiterzugeben.
Damit adressiert Südkorea ein grundlegendes Problem beim Training physischer KI: Für reale Aufgaben benötigen Roboter nicht nur allgemeine Trainingsdaten, sondern Informationen über ihre tatsächlichen Einsatzumgebungen.
Das Verteidigungsministerium hatte bereits im Juni angekündigt, in Pangyo an Physical AI für unbemannte Bodensysteme zu arbeiten. Dazu gehören laut früheren Ministeriumsangaben auch Dateninfrastruktur und die Zusammenarbeit zwischen Armee und Hochschulen.
Die jetzt eröffnete Einrichtung schafft dafür einen festen Standort. Das ist noch kein Nachweis erfolgreicher Robotereinsätze, erleichtert aber die gemeinsame Entwicklung, das Training und die spätere Erprobung unter kontrollierten Bedingungen.
Fünf Standorte mit unterschiedlichen KI-Schwerpunkten
Pangyo ist Teil eines breiteren südkoreanischen Programms für die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz. Insgesamt sollen fünf AX-Zentren entstehen, jeweils in Zusammenarbeit mit ausgewählten Universitäten.
Während die Ajou University in Pangyo Physical AI und Robotik betreut, ist für den Standort Yongsan in Seoul eine Zusammenarbeit mit der Korea University vorgesehen. Dort geht es um KI-gestützte Führungs- und Kontrollsysteme.
In Daejeon soll die Armee gemeinsam mit KAIST an Agentic AI forschen. Weitere Standorte in Busan mit UNIST und im Seouler Stadtteil Yangjae mit der Seoul National University konzentrieren sich auf maritime Logistik beziehungsweise Anwendungen der Luftwaffe, darunter automatische Zielerkennung.
Die verschiedenen Zentren sollen militärische Anforderungen mit vorhandenen Technologien aus der zivilen KI- und Robotikindustrie verbinden. Die weiteren vier Einrichtungen sind nach Angaben des Ministeriums noch zur Eröffnung vorgesehen.
Die Eröffnung ist noch kein Robotereinsatz
Mit dem neuen Standort geht Südkorea einen Schritt über einzelne Roboterdemonstrationen hinaus. Statt ausschließlich fertige Systeme zu beschaffen, entsteht eine Infrastruktur, in der militärische Einsatzdaten und zivile KI-Entwicklung zusammengeführt werden sollen.
Das ist besonders für Physical AI relevant, weil Trainingsdaten, Simulation und praktische Erprobung eng miteinander verbunden sind. Eine erfolgreiche Laboraufgabe bedeutet noch nicht, dass ein Roboter dieselbe Handlung unter wechselnden Umweltbedingungen zuverlässig ausführen kann.
Auch in der zivilen Robotik gewinnt dieser Unterschied an Bedeutung. Agility Robotics konzentriert sich bei Digit 5 beispielsweise stärker auf Sicherheit und den zuverlässigen Betrieb neben Menschen als auf spektakuläre Einzelvorführungen.
Für Pangyo sind die nächsten überprüfbaren Schritte nun konkrete Trainingsprogramme, dokumentierte Robotertests und erste praktische Anwendungen. Bislang bestätigt ist die Eröffnung des Forschungsstandorts, nicht die operative Fähigkeit humanoider Roboter zur Minenräumung.
