Der japanische Automatisierungskonzern Omron übernimmt den US-amerikanischen Industriecomputerhersteller OnLogic und dessen Muttergesellschaft Interlogic. Der vereinbarte Unternehmenswert liegt bei 675 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 605 Millionen Euro. Das teilte Omron am 13. Oktober mit.
Mit der Übernahme will Omron seine Präzisionssteuerung, Sensorik und Robotik mit den industriellen Computersystemen von OnLogic verbinden. Daraus sollen neue Physical-AI-Plattformen für Fabriken und andere industrielle Umgebungen entstehen.
Die Vereinbarung wurde bereits am 10. Oktober unterzeichnet. Der Abschluss ist für Januar 2027 geplant und steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Das geht aus der offiziellen Börsenmitteilung von Omron hervor.
Industriecomputer sollen zur Basis für Physical AI werden
OnLogic entwickelt und fertigt robuste Industriecomputer, die auch bei Vibrationen, Staub und starken Temperaturschwankungen betrieben werden können. Solche Systeme übernehmen bereits heute Aufgaben wie Maschinenüberwachung, Datenverarbeitung, industrielle Bildverarbeitung und die Steuerung autonomer Fahrzeuge.
Omron will diese Rechenplattformen künftig enger mit seiner eigenen Steuerungstechnologie verbinden. Das Unternehmen spricht ausdrücklich von einer Entwicklung vom klassischen Fabrikautomatisierer zu einem Anbieter für datengetriebene Industrieprozesse und Physical AI.
Dabei geht es nicht ausschließlich um humanoide Roboter. In industriellen Anlagen benötigen auch Roboterarme, mobile Transportsysteme und automatisierte Produktionslinien lokale Rechenleistung, um Sensordaten auszuwerten und Bewegungen zuverlässig auszuführen.
OnLogic beschäftigt sich bereits mit entsprechenden Anwendungen. Auf der Automate 2026 stellte das Unternehmen unter anderem robuste Computer für autonome mobile Roboter sowie Edge-Systeme für lokale Physical-AI-Anwendungen vor.
OnLogic erwirtschaftete 154 Millionen Dollar Umsatz
Hinter dem Kauf steht ein etabliertes Industrieunternehmen und kein junges Robotik-Startup. OnLogic wurde 2003 gegründet und hatte im März 2026 insgesamt 301 Beschäftigte an sieben Standorten, darunter zwei Fertigungsstätten.
Die Interlogic-Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 154,2 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 27,1 Millionen Dollar. Damit entspricht der vereinbarte Unternehmenswert ungefähr dem 4,4-Fachen des Jahresumsatzes und dem 24,9-Fachen des bereinigten EBITDA.
Mehr als 90 Prozent des Geschäfts werden nach Angaben von Omron in Amerika und Europa erzielt. Der Käufer gewinnt damit nicht nur technische Kompetenzen, sondern auch direkten Zugang zu bestehenden Industriekunden in wichtigen Auslandsmärkten.
OnLogic soll nach Abschluss der Transaktion weiterhin unter eigener Marke und mit dem bisherigen Management arbeiten. CEO Sean Larkin bleibt an der Spitze. Die Übernahme wird hauptsächlich aus vorhandenen Barmitteln finanziert.
Ein weiterer Baustein in Omrons Robotikstrategie
Die geplante Übernahme ergänzt andere Investitionen des Konzerns. Im Mai vereinbarte Omrons US-amerikanische Robotiksparte eine Zusammenarbeit mit dem italienischen Automatisierungsspezialisten Comau zur Entwicklung industrieller Automatisierungslösungen.
OnLogic bringt eine andere Fähigkeit in diese Strategie ein: industrietaugliche Rechenhardware, auf der KI-Anwendungen direkt in der Nähe von Maschinen ausgeführt werden können.
Das kann besonders dort relevant sein, wo Roboter auf wechselnde Bedingungen reagieren müssen. Während das Training größerer Modelle in Rechenzentren stattfinden kann, müssen Bewegungssteuerung, Sensorverarbeitung und sicherheitsrelevante Funktionen häufig mit geringer Verzögerung vor Ort arbeiten.
Auch Unternehmen, die flexible Roboter für industrielle Aufgaben entwickeln, müssen diese Verbindung zwischen KI-Modell und physischer Steuerung lösen. Agility Robotics verfolgt mit Digit 5 beispielsweise den Weg zu standardisierten Arbeitsabläufen in Produktion und Logistik.
Physical AI ist das Ziel, nicht das bereits gelieferte Produkt
Die Übernahme macht deutlich, dass traditionelle Automatisierungskonzerne Physical AI nicht allein als Frage neuer KI-Modelle betrachten. Rechenhardware, Sensorik, Steuerung und die Integration in vorhandene Industrieanlagen sind ebenfalls Teil des Marktes.
Omron hat bislang allerdings keine gemeinsame Physical-AI-Plattform mit OnLogic vorgestellt. Konkrete Produkte, Leistungsdaten und Termine für neue Robotikanwendungen wurden im Rahmen der Übernahmeankündigung nicht veröffentlicht.
Die nächste wichtige Frage ist deshalb, wie schnell Omron aus der Verbindung von Industriecomputern und Steuerungstechnik marktfähige Systeme entwickelt. Der Kauf verschafft dem Konzern dafür zusätzliche Hardwarekompetenz und eine bestehende Kundenbasis. Welche neuen Anwendungen daraus entstehen, ist noch offen.
