Google DeepMind baut neues Robotiklabor bei Cambridge auf

Humanoider Roboter in einer Google-Demonstration zu Gemini Robotics 2
Google DeepMind baut im Raum Cambridge ein neues Hardwarelabor für seine Robotikforschung auf. Das Bild zeigt eine frühere Gemini-Robotics-Demonstration, nicht den neuen Standort. Bild: Google DeepMind

Google DeepMind baut im US-Bundesstaat Massachusetts ein neues Robotiklabor auf. Die Einrichtung soll ein Hardware-Team beherbergen, das der frühere Boston-Dynamics-Technikchef Aaron Saunders seit seinem Wechsel zu DeepMind entwickelt hat.

Saunders bestätigte das Vorhaben in einem LinkedIn-Beitrag vom 12. Oktober. Das Labor entsteht im Raum Cambridge bei Boston. Weitere Fachkräfte aus Maschinenbau, Forschung und Fertigung werden gesucht.

Größe, Budget und genauer Standort sind noch nicht bekannt. Auch einen Eröffnungstermin oder einen neuen Roboter hat DeepMind bislang nicht angekündigt.

Ein eigenes Labor für die Robotik-Hardware

Das neue Labor soll die Hardwareentwicklung bei Google DeepMind ausbauen. Saunders erklärte, dass sein Team seit rund einem Jahr gewachsen sei und künftig über eine eigene Einrichtung verfügen werde.

In seiner Ankündigung sprach er gezielt Maschinenbauer, Ingenieure und Forscher an. Das deutet darauf hin, dass die Einrichtung nicht nur für Softwareentwicklung oder Modelltraining gedacht ist, sondern auch für den Bau, die Anpassung und den Test physischer Robotersysteme.

Der Großraum Boston ist dafür ein etablierter Standort. In Cambridge befinden sich das Massachusetts Institute of Technology und zahlreiche Robotikunternehmen. Auch Boston Dynamics, Saunders‘ früherer Arbeitgeber, hat seinen Hauptsitz im nahegelegenen Waltham.

Konkrete Angaben zu Werkstattausstattung, Roboterplattformen und Laborflächen liegen bislang nicht vor.

Ex-Boston-Dynamics-CTO baut das Team auf

Aaron Saunders kam 2025 nach mehr als zwei Jahrzehnten bei Boston Dynamics zu Google DeepMind. Dort war er zuletzt Chief Technology Officer und an der Entwicklung verschiedener Robotikplattformen beteiligt, darunter BigDog, Spot und Atlas.

Sein Wechsel brachte Google DeepMind zusätzliche Erfahrung bei der Entwicklung komplexer Robotersysteme. Bislang war das Unternehmen vor allem für seine KI-Modelle und grundlegende Forschung bekannt.

Hardware und Modelle müssen bei Robotern jedoch enger zusammenspielen als in vielen rein digitalen KI-Anwendungen. Neue Modelle müssen auf reale Sensoren, Aktuatoren, Greifer und Steuerungssysteme abgestimmt werden. Dafür sind wiederholbare Experimente mit physischer Hardware notwendig.

Der Aufbau eines eigenen Labors dürfte solche Entwicklungszyklen erleichtern. Ob DeepMind dort künftig auch vollständig eigene Roboter entwickelt, ist derzeit offen.

Gemini Robotics 2 soll unterschiedliche Roboter steuern

Die Laborpläne folgen auf technische Fortschritte bei DeepMinds Robotikmodellen. Im Juli stellte das Unternehmen Gemini Robotics 2 vor, eine Modellfamilie für visuelle Wahrnehmung, physische Manipulation und die Steuerung verschiedener Robotertypen.

Das Vision-Language-Action-Modell Gemini Robotics 2 kann nach Unternehmensangaben sowohl zweiarmige Manipulatoren als auch vollständige humanoide Körper steuern. Ergänzend übernimmt Gemini Robotics ER 2 die übergeordnete Planung komplexer Aufgaben und die Zusammenarbeit mehrerer Roboter.

Für Anwendungen mit begrenzter Netzwerkanbindung wurde außerdem Gemini Robotics On-Device 2 vorgestellt. Diese Variante soll direkt auf Robotersystemen laufen und sich mit vergleichsweise wenigen Trainingsbeispielen an neue Hardware anpassen lassen.

Die veröffentlichten Tests zeigen allerdings weiterhin Grenzen. Bei anspruchsvollen Manipulationsaufgaben mit mehreren Fingern liegen die Erfolgsraten je nach Aufgabe deutlich unter 100 Prozent.

Ein eigenes Hardwarelabor kann bei solchen Problemen helfen, da Modelle nicht nur anhand von Simulationen, sondern auch unter reproduzierbaren realen Bedingungen getestet werden können.

Mehr Hardwareforschung, aber noch kein neuer Humanoid

DeepMind verfolgt bei Gemini Robotics bislang einen Ansatz, bei dem die KI auf unterschiedlichen Roboterplattformen eingesetzt werden soll. Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit externen Hardwarepartnern wie Apptronik zusammen.

Der neue Standort bedeutet daher nicht automatisch, dass Google einen eigenen kommerziellen Humanoiden vorbereitet. Saunders hat weder einen Roboternamen noch eine Produktstrategie oder einen Marktstart angekündigt.

Sein Hinweis auf weitere Neuigkeiten im Jahr 2027 ist ebenfalls kein bestätigter Eröffnungstermin für das Labor.

Für die Entwicklung von Physical AI ist die Investition dennoch relevant. Neben großen KI-Modellen werden hochwertige Roboterdaten, wiederholbare Hardwaretests und die Verbindung von Wahrnehmung, Planung und Bewegung zu eigenständigen Entwicklungsressourcen.

Mit dem Labor im Raum Cambridge baut Google DeepMind diese Fähigkeiten aus. Welche konkreten Roboter und Forschungsprogramme dort entstehen, muss das Unternehmen noch offenlegen.