Xiaomi-Roboter in Autofabrik: 90 Prozent bei Logistikaufgaben – neue Details zur Kraftsensorik

Xiaomi-Roboter bei einem früheren Test zur automatisierten Mutternmontage in einer chinesischen Autofabrik.
Ein Xiaomi-Roboter bei einem Test zur Mutternmontage im März 2026. Die Aufnahme zeigt nicht die im Oktober vom Zulieferer beschriebenen Etikettierarbeiten. Bild: Xiaomi / HK01.

Xiaomi testet seine Roboter in weiteren Bereichen der eigenen Automobilproduktion. Dazu gehören das Zusammenfalten wiederverwendbarer Transportboxen und das Sortieren von Bauteilen. Für beide Aufgaben meldete der chinesische Technologiekonzern im Juli 2026 Erfolgsquoten von jeweils 90 Prozent. Nun beschreibt der Sensorhersteller LinkTouch den Einsatz von Sechs-Achsen-Kraftsensoren bei solchen Arbeiten und nennt zusätzlich das Anbringen von Etiketten an Fahrzeugen.

Die am 13. Oktober veröffentlichte Mitteilung des Zulieferers liefert damit neue Informationen über die eingesetzte Kraftsensorik. Sie ist jedoch nicht mit der erstmaligen Aufnahme der Fabriktests gleichzusetzen: Einen Teil der Aufgaben hatte Xiaomi bereits zuvor im eigenen Halbjahresbericht 2026 dokumentiert.

Transportboxen falten und Fahrzeugteile sortieren

In der Logistik der Fahrzeug-Endmontage müssen Behälter häufig entleert, gefaltet und für den Rücktransport vorbereitet werden. Für Menschen sind diese Tätigkeiten vergleichsweise einfach. Roboter müssen dagegen unterschiedliche Kontaktpunkte, Materialverformungen und mechanische Widerstände beherrschen.

Ein zu geringer Kraftaufwand kann dazu führen, dass eine Box nicht vollständig zusammengefaltet wird. Zu hoher Druck kann Bauteile beschädigen oder einen Greifvorgang scheitern lassen. Ähnliche Herausforderungen entstehen beim Sortieren unterschiedlich positionierter Komponenten.

Xiaomi bestätigte in seinem Zwischenbericht, dass Roboter im Juli 2026 an neuen Arbeitsstationen im Logistikbereich der Endmontage eingesetzt wurden. Genannt werden die Sortierung von Seitenabdeckungen der Mittelkonsole sowie das Falten wiederverwendbarer Transportboxen. Für beide Tätigkeiten gab das Unternehmen Erfolgsquoten von 90 Prozent an.

Wie viele Roboter eingesetzt wurden, wie lange sie ohne Eingriff arbeiteten und wie häufig Menschen bei Fehlern unterstützen mussten, geht aus diesen Angaben nicht hervor.

Warum ein Roboter beim Greifen Kräfte messen muss

Der chinesische Zulieferer LinkTouch, auch als Landian Chukong bekannt, liefert Xiaomi nach eigenen Angaben Sechs-Achsen-Kraftsensoren. Diese messen gleichzeitig Kräfte entlang dreier Raumachsen sowie Drehmomente um diese Achsen.

Damit erhält die Robotersteuerung Informationen darüber, wie stark ein Werkzeug oder Greifer gegen ein Objekt drückt und welche Belastungen während einer Bewegung entstehen.

Bei einer faltbaren Transportbox kann die Steuerung beispielsweise auf steigenden Widerstand reagieren. Beim Anbringen eines Etiketts auf einer gekrümmten Karosserieoberfläche kann eine geregelte Kontaktkraft helfen, gleichmäßigen Druck auszuüben.

LinkTouch erklärte am 13. Oktober, dass Xiaomi-Roboter mit Sensoren des Unternehmens sowohl beim Falten und Rückführen von Transportboxen als auch bei Etikettierarbeiten in der Automobilproduktion eingesetzt würden. Anders als für die zuvor gemeldeten Logistikaufgaben veröffentlichte der Zulieferer für das Etikettieren jedoch keine gesonderte Erfolgsquote oder Betriebsdauer.

Der Sensorhersteller nennt für Teile seines Produktportfolios hohe Messgenauigkeit und schnelle Signalverarbeitung. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass genau diese Leistungswerte unter den Bedingungen der Xiaomi-Fabrik unabhängig nachgewiesen wurden.

Von 90,2 auf 98 Prozent bei der Mutternmontage

Die aktuellen Informationen stehen in einer Reihe früherer Robotiktests bei Xiaomi. Bereits im März 2026 demonstrierte das Unternehmen einen humanoiden Roboter an einer Station zur Positionierung von Gewindeeinsätzen beziehungsweise selbstschneidenden Muttern.

Während eines dreistündigen autonomen Testlaufs erreichte das System zunächst eine Erfolgsquote von 90,2 Prozent. Die vorgegebene Taktzeit der Fertigungslinie lag bei 76 Sekunden.

Im Juli meldete Xiaomi für die beidseitige Bearbeitung an dieser Station eine verbesserte Erfolgsquote von 98 Prozent. Diese Zahl bezieht sich ausdrücklich auf die Mutternaufgabe und nicht auf das Falten von Transportboxen oder die neu erwähnten Etikettierarbeiten.

Die Entwicklung zeigt, warum reale Produktionsumgebungen für das Robot Learning wertvoll sind: Wiederholte Aufgaben liefern Daten zu Fehlausrichtungen, Greifproblemen, Materialunterschieden und notwendigen Korrekturbewegungen.

Auch Tesla verfolgt einen datenorientierten Ansatz. In Grünheide sollen Mitarbeiter durch aufgezeichnete Tätigkeiten zur Entwicklung von Optimus beitragen, wie Humanoid Insider bereits berichtete. Der Umfang produktiver Robotereinsätze ist dabei eine gesonderte Frage.

Was 90 Prozent Erfolgsquote im Fabrikbetrieb bedeuten

Eine Erfolgsquote von 90 Prozent ist bei einer neuen Robotikaufgabe ein relevanter technischer Messwert. Für den regulären industriellen Betrieb reicht sie allein jedoch nicht aus, um Wirtschaftlichkeit oder Zuverlässigkeit nachzuweisen.

Bei 1.000 identischen Arbeitsvorgängen würden rechnerisch etwa 100 Vorgänge nicht erfolgreich abgeschlossen, sofern die gemessene Quote langfristig stabil bliebe. Je nach Prozess können solche Fehler manuelle Nacharbeit, Stillstand oder zusätzliche Qualitätsprüfungen verursachen.

Für die tatsächliche Produktivität sind deshalb weitere Kennzahlen erforderlich: Zykluszeit, Eingriffe pro Schicht, Dauerbetrieb, Fehlerfolgen, Verfügbarkeit und Kosten pro erfolgreich abgeschlossener Aufgabe.

Dass Robotikfähigkeiten stärker nach definierten Einsatzbedingungen bewertet werden sollten, ist auch ein Ziel des Robotics Capability Framework von Arm.

Xiaomis Ergebnisse belegen konkrete Fortschritte bei der Erprobung von Robotern in einer realen Fahrzeugfabrik. Die erneute Zulieferermitteilung zeigt zudem, welche Rolle Kraftsensorik für solche Manipulationsaufgaben spielt. Ein Nachweis für einen flächendeckenden, dauerhaft autonomen Betrieb ist damit noch nicht erbracht.

Quellen: Xiaomi Interim Report 2026, LinkTouch, 13. Oktober 2026 und LinkTouch: Sechs-Achsen-Kraftsensoren.