Das chinesische Robotikunternehmen Astribot hat eine neue Finanzierungsrunde über rund eine Milliarde Yuan abgeschlossen – umgerechnet etwa 133 Millionen Euro. Die Bewertung des Startups aus Shenzhen liegt nach der Runde bei 15 Milliarden Yuan, rund zwei Milliarden Euro. Das Unternehmen meldet zugleich Aufträge im Tausenderbereich und Fertigungskapazitäten für seine seilgetriebenen Roboter im fünfstelligen Bereich.
Die am 13. Oktober 2026 bekannt gewordene Finanzierung ist bereits die vierte Runde innerhalb von rund sieben Monaten. Im Juni hatte Astribot eine B-Finanzierungsserie von mehr als einer Milliarde Yuan bekannt gegeben. Die damals gemeldete Unternehmensbewertung lag bei über zehn Milliarden Yuan.
Staatlicher Investor führt neue Finanzierungsrunde an
Angeführt wird die aktuelle Runde von Toukong Donghai, einer Investmentgesellschaft aus dem Umfeld der staatlichen Shenzhen Investment Holdings. Weitere Beteiligte sind Hongtai Fund, ein von Guanghua Sunshine verwalteter Fonds und Shanheng Capital. Der bestehende Investor Xianmu beteiligt sich erneut.
Das Kapital soll nach Unternehmensangaben in die Weiterentwicklung der KI-Modelle, neue Fachkräfte, die Kommerzialisierung und den Ausbau der Fertigung fließen. Damit finanziert Astribot nicht nur neue Robotergenerationen, sondern auch die Infrastruktur für größere Stückzahlen.
Seilzüge statt klassischer starrer Antriebe
Astribot verfolgt einen vergleichsweise ungewöhnlichen Hardwareansatz. Seine Roboter nutzen seilgetriebene Mechanismen, bei denen Kräfte ähnlich wie durch menschliche Sehnen übertragen werden. Dadurch sollen sich Bewegungen und Kontaktkräfte besonders fein steuern lassen.
Das kann bei Aufgaben wie Greifen, Sortieren oder dem Umgang mit empfindlichen Gegenständen Vorteile bieten. Gleichzeitig stellen Seilverschleiß, Vorspannung, Kalibrierung und langfristige Wartung hohe Anforderungen an eine reproduzierbare Serienfertigung.
Astribot kombiniert diese Hardware mit eigenen KI-Modellen der Lumo-Familie und dem Betriebssystem Astribot OS. Ziel ist ein System, in dem Roboteraktionen, reale Trainingsdaten und Softwareentwicklung miteinander verbunden werden.
T1 kostet rund 12.000 Euro – die ersten Auslieferungen laufen
Mit dem im Mai vorgestellten Astribot T1 will das Unternehmen auch preislich in neue Märkte vorstoßen. Der kompakte, radbasierte humanoide Roboter startet in China bei 89.900 Yuan, umgerechnet rund 12.000 Euro. Einen entsprechenden Verkaufspreis für Deutschland gibt es bislang nicht.
Der T1 ist etwa 1,55 Meter hoch, wiegt rund 66 Kilogramm und verfügt über 23 Freiheitsgrade ohne Endeffektoren. Jeder Arm kann nach Herstellerangaben bis zu fünf Kilogramm tragen. Das Modell richtet sich zunächst insbesondere an Unternehmen, Entwickler und Forschungseinrichtungen.
Der Versand des T1 begann nach Unternehmensangaben im Juni. Im Juli nahm zudem ein neues Fertigungszentrum im chinesischen Wuxi den Betrieb auf. Dort wurde am 9. Juli der erste T1 aus der lokalen Produktionslinie gemeldet.
Der Preis liegt damit in einer ähnlichen Größenordnung wie beim Unitree G1+. Allerdings verfolgen beide Plattformen unterschiedliche Konzepte: Während Unitree auf einen zweibeinigen Humanoiden setzt, priorisiert Astribot bei seinem radbasierten System die Manipulation von Gegenständen.
Tausenderaufträge sind nicht gleich Tausenderauslieferungen
Astribot spricht von Aufträgen im Tausenderbereich und einer kombinierten Fertigungskapazität seiner S- und T-Serien im fünfstelligen Bereich. Hinzu kommen Kooperationen mit Unternehmen wie ThunderSoft und industriellen Integrationspartnern, die größere Robotereinsätze ermöglichen sollen.
Die Angaben beschreiben jedoch unterschiedliche Entwicklungsstufen. Eine Produktionskapazität von beispielsweise 10.000 Einheiten bedeutet nicht, dass diese Zahl bereits hergestellt, verkauft oder bei Kunden im Dauerbetrieb eingesetzt wurde. Auch bei angekündigten Partnerschaften lässt sich nicht automatisch auf abgeschlossene Lieferungen schließen.
Unternehmensnahe Berichte nennen bereits Auslieferungen und den Einsatz von Robotern in mehreren chinesischen Städten, darunter in automatisierten Einzelhandelsstationen. Eine unabhängig überprüfbare, nach Robotermodell und Einsatzart aufgeschlüsselte Gesamtzahl liegt jedoch nicht vor.
Eine ähnliche Unterscheidung spielt beim Ausbau anderer chinesischer Humanoidenhersteller eine Rolle. So ist auch die neue Roboterfabrik von UBTECH auf hohe Jahreskapazitäten ausgelegt, ohne dass diese bereits die tatsächliche Marktnachfrage abbilden.
Europäische Expansion braucht mehr als Vertriebspartner
Für Astribot könnte das internationale Vertriebsnetz von Partnern wie ThunderSoft den Zugang zu europäischen Kunden erleichtern. Daraus ergibt sich allerdings noch kein belegter großflächiger Einsatz in europäischen Fabriken oder Dienstleistungsbetrieben.
Auf dem europäischen Markt muss sich der technische Ansatz vor allem an Wartungskosten, Betriebssicherheit, verfügbarer Software, Integrationsaufwand und tatsächlicher Produktivität messen lassen.
Genau diese Größen rücken auch branchenweit stärker in den Vordergrund. Wie eine von Humanoid Insider aufgegriffene Analyse zur realen Robotiknachfrage verdeutlicht, reicht die Fähigkeit zu überzeugenden Demonstrationen für eine wirtschaftliche Bewertung nicht aus.
Die neue Finanzierung verschafft Astribot erheblichen Spielraum, um seine Technologie und Fertigung weiterzuentwickeln. Ob die Bewertung von rund zwei Milliarden Euro langfristig durch Roboterauslieferungen, wiederkehrende Umsätze und produktive Einsatzstunden getragen wird, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Zahlen noch nicht ableiten.
Quellen: Gasgoo, 13. Oktober 2026, Stadt Wuxi, Juli 2026 und Astribot.
