Südkorea genehmigt Fabriktests mit 20 humanoiden Robotern

ROBROS IGRIS-C, zweibeiniger humanoider Roboter in einer Lagerumgebung
Südkorea hat Praxistests mit 20 Humanoiden von ROBROS in vier Industriebereichen genehmigt. Das Bild zeigt die Roboterplattform IGRIS-C, nicht einen der neu genehmigten Testeinsätze. Bild: ROBROS

Südkorea hat Praxistests mit 20 humanoiden Robotern in der Halbleiter-, Automobil- und Schiffbauindustrie sowie in der Kühllogistik genehmigt. Die Roboter des südkoreanischen Herstellers ROBROS sollen künftig auch in Arbeitsbereichen eingesetzt werden, die sie mit Menschen teilen.

Die Genehmigung erteilte das südkoreanische Industrieministerium am 13. Oktober im Rahmen einer regulatorischen Ausnahmeregelung. Beteiligt sind vier Unternehmen: Nepes, Sungwoo Hitech, HD Hyundai Samho und Delivery Lab. Die offizielle Regierungsmitteilung beschreibt sowohl die konkreten Aufgaben als auch die Sicherheitsbedingungen.

Die 20 Einheiten sind die genehmigte Testgröße. Damit ist weder bestätigt, dass bereits alle Roboter installiert wurden, noch dass sie sich im regulären Produktionsbetrieb befinden.

Vier Industriepartner, vier unterschiedliche Aufgaben

Beim Halbleiterunternehmen Nepes sollen die Humanoide Verunreinigungen von kreisförmigen CRS-Komponenten entfernen, die in der Halbleiterverpackung verwendet werden. Beim Automobilzulieferer Sungwoo Hitech ist das Positionieren von Karosserieteilen vorgesehen.

Bei HD Hyundai Samho übernehmen die Roboter im Rahmen der Tests das Stapeln von Befestigungsteilen für Arbeitsgerüste im Schiffbau. Beim Logistikunternehmen Delivery Lab sollen sie gekühlte Verpackungseinheiten transportieren und stapeln.

Damit reicht das Testprogramm über einfache Transportaufgaben hinaus. Besonders die Reinigung von Halbleiterkomponenten und das Positionieren von Karosserieteilen erfordern kontrollierte Bewegungen und eine zuverlässige Manipulation.

Veröffentlicht wurden bislang allerdings weder die Verteilung der 20 Roboter auf die vier Standorte noch geplante Testlaufzeiten oder messbare Leistungsziele.

Regulatorische Ausnahme für gemeinsame Arbeitsbereiche

Die Besonderheit liegt im Sicherheitsrecht. Bestehende südkoreanische Vorschriften für Industrieroboter gehen vor allem von stationären Maschinen aus, die durch Schutzzäune vom Personal getrennt werden.

Mobile Humanoide passen nur begrenzt in dieses Konzept. Sie sollen sich zwischen Arbeitsstationen bewegen, Gegenstände erkennen und greifen und dabei teilweise dieselben Bereiche wie Beschäftigte nutzen.

Mit der neuen Ausnahme dürfen die Unternehmen diese Arbeitsweise unter zusätzlichen Sicherheitsbedingungen erproben. Voraussetzung sind Risikobewertungen und Schutzmaßnahmen nach den Vorgaben des südkoreanischen Arbeitsministeriums.

Die gewonnenen Daten sollen helfen, Sicherheitsstandards für den breiteren industriellen Einsatz weiterzuentwickeln.

Ähnliche Fragen beschäftigen auch westliche Roboterhersteller. Agility Robotics entwickelt Digit 5 ausdrücklich für eine engere Zusammenarbeit mit Menschen, wobei einzelne Sicherheitsfunktionen ebenfalls noch weiterentwickelt werden.

ROBROS will vom Pilotprojekt in die Produktion

ROBROS entwickelt mit IGRIS-C bereits eine eigene zweibeinige Humanoid-Plattform. Das Modell ist laut Hersteller 154 Zentimeter groß, wiegt 56 Kilogramm und verfügt über zwei bewegliche Arme mit Greifhänden.

Zum Entwicklungssystem gehören außerdem eine Fernsteuerung für die Erfassung menschlicher Demonstrationen und eine Datenplattform für das Training von Robotikmodellen. Auf seiner offiziellen Produktseite nennt ROBROS Fertigung, Logistik und Schiffbau als mögliche Einsatzfelder.

Welche Modellversionen für die 20 genehmigten Industrieeinsätze verwendet werden, geht aus der Regierungsmitteilung jedoch nicht hervor.

Das Unternehmen hat bereits erste Erfahrung mit industriellen Pilotprojekten, unter anderem im Umfeld von Lotte Global Logistics. Der neue Test erweitert die möglichen Anwendungen auf vier unterschiedliche Industriezweige.

Genehmigte Tests sind noch keine kommerzielle Skalierung

Für die beteiligten Unternehmen beginnt nun die praktische Prüfung. Neben der Manipulationsleistung müssen die Roboter zeigen, dass sie mit wechselnden Arbeitsbedingungen, menschlichen Bewegungen und industriellen Sicherheitsanforderungen umgehen können.

Wichtig werden dabei Kennzahlen wie Eingriffe durch Bedienpersonal, Arbeitsgeschwindigkeit, Fehlerhäufigkeit und tatsächliche Verfügbarkeit.

Der Abstand zwischen technischer Demonstration und regelmäßigem Fabrikeinsatz zeigt sich auch in anderen Automobilprojekten. UBTECH und FAW-Volkswagen testen humanoide Roboter ebenfalls für Produktions- und Logistikaufgaben, ohne dass für sämtliche Anwendungen bereits größere Stückzahlen bestätigt wären.

Die südkoreanische Genehmigung ist deshalb vor allem ein Schritt zur systematischen Erprobung. Ob die 20 Humanoide später dauerhaft eingesetzt werden, hängt von den Ergebnissen der vorgesehenen Tests ab.