Chery bringt Mobo in den Vorverkauf: AiMOGA will Humanoide ins Zuhause bringen

AiMOGA Mobo, ein kompakter humanoider Begleitroboter für Familien, in drei Produktansichten.
AiMOGA Mobo soll am 21. Oktober 2026 offiziell vorgestellt und weltweit zur Vorbestellung angeboten werden. Die Abbildung zeigt die Produktgestaltung, nicht einen dokumentierten Einsatz in einem Privathaushalt. Bild: AiMOGA / Chery Auto.

Der chinesische Automobilhersteller Chery will mit seinem Robotikunternehmen AiMOGA erstmals einen humanoiden Roboter für private Haushalte auf den Markt bringen. Das Modell Mobo soll am 21. Oktober 2026 auf dem Chery International User Summit in Wuhu offiziell vorgestellt werden. Gleichzeitig will das Unternehmen weltweite Vorbestellungen ermöglichen.

Mobo ist als kompakter Begleitroboter für Familien konzipiert. Anders als industrielle Humanoide, die vor allem Gegenstände transportieren oder Produktionsaufgaben übernehmen sollen, konzentriert sich das System zunächst auf Kommunikation, Erinnerungen, Lernunterstützung und die Interaktion mit Familienmitgliedern.

Die Ankündigung vom 16. Oktober und eine ergänzende Mitteilung vom 17. Oktober markieren damit einen neuen Schritt in Cherys Robotikstrategie. Das Unternehmen versucht, seine Erfahrungen aus dem Automobilbau und bisherigen kommerziellen Roboteranwendungen auf den privaten Konsumentenmarkt zu übertragen.

Mobo soll Familienmitglieder erkennen und Aufgaben planen

Mobo verwendet nach Angaben von AiMOGA das selbst entwickelte KI-System MoAgent. Es soll komplexere Nutzeranfragen verstehen, in einzelne Handlungsschritte zerlegen und Aufgaben über längere Zeiträume planen können.

Der Roboter kombiniert Sprachinteraktion, visuelle Objekterkennung und räumliche Wahrnehmung. Er soll beispielsweise Gegenstände in seiner Umgebung identifizieren, an Termine erinnern und Informationen aus früheren Gesprächen berücksichtigen können.

Eine langfristige Speicherfunktion soll persönliche Gewohnheiten und Vorlieben unterschiedlicher Familienmitglieder erfassen. Dadurch könnte Mobo bei wiederkehrenden Gesprächen und alltäglichen Erinnerungsaufgaben stärker auf individuelle Bedürfnisse reagieren.

Die Hardware verfügt laut Hersteller über 22 Freiheitsgrade. Damit soll Mobo Gesten ausführen, sich stabil bewegen und auf Personen in seiner Umgebung reagieren können.

AiMOGA nennt außerdem dynamische Hindernisvermeidung und eine auf den Schutz persönlicher Informationen ausgerichtete Systemarchitektur.

Diese Angaben beschreiben die vorgesehenen Produktfunktionen. Unabhängige Tests zur Zuverlässigkeit, Spracherkennung in unterschiedlichen Umgebungen oder langfristigen Nutzung im Haushalt wurden bislang nicht veröffentlicht.

Mehr als 3.000 Roboter ausgeliefert – aber nicht Mobo

AiMOGA verfügt bereits über Erfahrungen außerhalb des privaten Haushalts. Das Unternehmen entwickelt humanoide und vierbeinige Robotersysteme unter anderem für Autohäuser, Besucherempfang, Einzelhandel, Verkehrsmanagement und öffentliche Dienstleistungen.

Nach Angaben von Chery wurden weltweit kumuliert mehr als 3.000 Roboter ausgeliefert. Das Unternehmen verweist auf Aktivitäten in mehr als 60 Ländern und Regionen sowie über 100 unterschiedliche Anwendungsszenarien.

Diese Zahlen beziehen sich auf das gesamte bisherige Robotikportfolio. Sie bedeuten ausdrücklich nicht, dass bereits 3.000 Mobo-Roboter an Privatkunden geliefert wurden.

Auch lassen sich aus den Angaben keine belastbaren Rückschlüsse auf die Zahl dauerhaft produktiv eingesetzter Roboter oder die mit ihnen erzielten Umsätze ziehen.

Das bisherige Angebot umfasst unter anderem den humanoiden Serviceroboter Mornine und die vierbeinige Plattform Argos. Beide sollen während des Chery-Gipfels erneut in unterschiedlichen Anwendungsszenarien demonstriert werden.

Mobo war bereits auf der World Robot Conference und der World Manufacturing Convention zu sehen. Neu ist deshalb nicht die erstmalige öffentliche Präsentation des Roboters, sondern der angekündigte Übergang zu einem Produkt für private Kunden.

Automobilproduktion als möglicher Vorteil

Chery verweist bei seiner Robotikstrategie auf die vorhandenen Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten des Automobilgeschäfts.

AiMOGA verfügt nach eigenen Angaben über 31 interne Forschungs- und Entwicklungslabore, die sich unter anderem mit Bewegungssteuerung und intelligenter Wahrnehmung beschäftigen.

Hinzu kommen Erfahrungen mit Sensorik, Qualitätskontrolle, industrieller Fertigung und internationalen Vertriebsstrukturen.

Diese Kompetenzen könnten beim Aufbau einer Roboterserie helfen. Besonders bei Motoren, Batterien, elektronischer Steuerung und mechanischen Komponenten bestehen technologische Überschneidungen zwischen Automobilindustrie und humanoider Robotik.

Die Fertigung eines Haushaltsroboters stellt allerdings andere Anforderungen als die Produktion eines Fahrzeugs. Ein Roboter bewegt sich unmittelbar in der Nähe von Menschen, muss auf unvorhersehbare Situationen reagieren und benötigt teilweise sehr kompakte Antriebe.

Die Herstellungskosten hängen deshalb nicht nur von der Produktionsmenge ab. Auch Präzisionsmechanik, Sensorik, Sicherheitsfunktionen und Reparaturfähigkeit beeinflussen den späteren Verkaufspreis.

Wie sich diese Faktoren auf die Skalierung auswirken können, erläutert Humanoid Insider in einer Analyse zur Serienproduktion humanoider Roboter.

Ein Familienbegleiter ist noch kein Haushaltshelfer

Die Bezeichnung Haushaltsroboter kann unterschiedliche Erwartungen wecken. Während ein Begleitroboter Gespräche führen, Informationen bereitstellen und an Termine erinnern kann, benötigt ein autonomer Haushaltshelfer zusätzlich komplexe Manipulationsfähigkeiten.

Geschirr einräumen, Wäsche falten oder zerbrechliche Gegenstände sicher transportieren erfordert präzise Greifbewegungen und eine zuverlässige Reaktion auf wechselnde physische Bedingungen.

Für Mobo hat AiMOGA bislang keine unabhängig überprüften Ergebnisse veröffentlicht, die eine solche allgemeine Haushaltsautonomie belegen.

Die bisher vorgestellten Fähigkeiten liegen vor allem im Bereich sozialer Interaktion, Kommunikation und einfacher Unterstützung im Familienalltag.

Andere Hersteller verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte. Der Unitree G1+ richtet sich beispielsweise stärker an Forschung, Entwicklung und professionelle Anwendungen. Mobo soll dagegen als Konsumentenprodukt positioniert werden.

Mit dem Einsatz im privaten Haushalt entstehen zudem zusätzliche Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit.

Ein Roboter, der Personen erkennt, Gespräche verarbeitet und langfristige Erinnerungen speichert, benötigt nachvollziehbare Regeln für die Speicherung und Löschung persönlicher Daten.

Für einen späteren Verkauf in Deutschland wären unter anderem die konkret angebotenen Funktionen, die Datenverarbeitung und die Einhaltung einschlägiger europäischer Produktsicherheitsanforderungen relevant.

Weltweite Vorbestellungen ab dem 21. Oktober

AiMOGA will die weltweite Vorbestellung von Mobo am 21. Oktober 2026 eröffnen. Der Termin fällt in den vom 19. bis 23. Oktober veranstalteten Chery International User Summit.

Zum Zeitpunkt der Ankündigung hat das Unternehmen weder einen verbindlichen internationalen Verkaufspreis noch ein konkretes Datum für die ersten Auslieferungen veröffentlicht.

Auch die Bedingungen für eine mögliche Bestellung aus Deutschland, die vorgesehenen Vertriebskanäle und die spätere Serviceinfrastruktur sind noch nicht bekannt.

Der Start der Vorbestellungen wird deshalb zunächst zeigen, ob Chery tatsächlich ein internationales Konsumentenangebot aufbauen kann. Für eine wirtschaftliche Bewertung werden später vor allem bestätigte Bestellungen, tatsächliche Auslieferungen und Erfahrungen aus der Nutzung in privaten Haushalten benötigt.

Die bisherige Erfahrung von AiMOGA mit kommerziellen Servicerobotern bietet eine Grundlage. Ob sich diese Erfahrung auf den deutlich anspruchsvolleren und stärker regulierten privaten Alltag übertragen lässt, ist bislang nicht belegt.

Quellen: AiMOGA, 17. Oktober 2026; Chery Auto, 16. Oktober 2026.