Das japanische Technologieunternehmen Imacreate hat am 19. Oktober 2026 eine Software zur automatisierten Wiederholung von Roboterbewegungen auf den Markt gebracht. Das System soll humanoiden Robotern ermöglichen, eine einmal erfolgreich demonstrierte Bewegung wiederholt auszuführen und kleinere Abweichungen mithilfe von KI zu korrigieren.
Als erste unterstützte Plattform dient der humanoide Roboter Unitree G1. In einem unternehmenseigenen Test führte das System rund eine Stunde lang Kendama-Bewegungen ohne menschliches Eingreifen aus. Imacreate berichtet von jeweils ungefähr 4.000 erfolgreichen Wiederholungen mit der linken und rechten Hand.
Die Software ist seit dem 19. Oktober erhältlich. Eine Jahreslizenz kostet fünf Millionen Yen zuzüglich Steuern. Damit versucht Imacreate, Robot Learning als eigenständiges kommerzielles Softwareprodukt anzubieten – ohne für jede Aufgabe ein umfangreiches neues KI-Modell trainieren zu müssen.
Eine erfolgreiche Bewegung als Ausgangspunkt
Im Mittelpunkt steht ein vergleichsweise pragmatischer Ansatz. Ein Mensch steuert den Roboter zunächst aus der Ferne und führt die gewünschte Bewegung einmal erfolgreich aus.
Die Software zeichnet diese Bewegung auf und erstellt daraus einen wiederholbaren Ablauf. Anschließend lassen sich einzelne Abschnitte bearbeiten, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung verändern oder unerwünschte Schwankungen entfernen.
Anders als bei einem vollständig neu trainierten Imitation-Learning-Modell bleibt der aufgezeichnete Bewegungsablauf zunächst die Grundlage der Steuerung.
Eine zusätzliche KI-Komponente soll Abweichungen zwischen der ursprünglich demonstrierten Situation und der aktuellen Umgebung erkennen. Über sogenanntes Residual Learning werden entsprechende Korrekturen zum bestehenden Bewegungsablauf hinzugefügt.
Dieses Verfahren kann insbesondere bei wiederkehrenden Aufgaben interessant sein, bei denen sich Positionen oder Ausgangsbedingungen nur begrenzt verändern.
Es bedeutet allerdings nicht, dass ein Roboter nach einer einzelnen Demonstration beliebige neue Aufgaben beherrscht. Die demonstrierte Bewegung muss zur vorhandenen Hardware passen, und die Korrekturmechanismen haben nur einen begrenzten Anwendungsbereich.
4.000 erfolgreiche Kendama-Bewegungen pro Hand
Für die Validierung verwendete Imacreate einen Unitree G1 und das japanische Geschicklichkeitsspiel Kendama. Dabei muss eine Kugel mit einer speziellen Bewegung auf einem dafür vorgesehenen Spielgerät aufgefangen werden.
Nach Angaben des Unternehmens gelang es dem Roboter, die Bewegung rund eine Stunde lang ohne menschliche Unterstützung zu wiederholen. Dabei wurden mit jeder Hand etwa 4.000 erfolgreiche Wiederholungen registriert.
Bereits im September hatte Imacreate mit demselben Robotertyp eine weitere Geschicklichkeitsaufgabe demonstriert: das Jonglieren mit einem Diabolo. Der dafür erforderliche Bewegungsablauf wurde nach Unternehmensangaben innerhalb eines Tages aus einer erfolgreichen Demonstration entwickelt.
Imacreate nennt außerdem Erfolgsquoten von 90 bis 99 Prozent, nachdem die aufgezeichneten Bewegungen optimiert und durch KI-Korrekturen ergänzt wurden.
Diese Werte beruhen auf eigenen Tests. Die vollständigen Versuchsbedingungen, die Zahl sämtlicher Fehlversuche und unabhängige Vergleichsmessungen wurden nicht veröffentlicht.
Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem, dass der Ansatz bei bestimmten rhythmischen und wiederholbaren Bewegungen funktionieren kann. Ob sich ähnliche Erfolgsquoten bei wechselnden Werkstücken oder komplexen industriellen Aufgaben erreichen lassen, ist noch nicht belegt.
Fünf Millionen Yen Lizenzkosten pro Jahr
Mit der kommerziellen Einführung macht Imacreate auch die Kosten seines Angebots transparent.
Die Softwarelizenz kostet jährlich fünf Millionen Yen, ohne Steuern und ohne den Roboter selbst. Für Implementierung, Schulung und technischen Support verlangt das Unternehmen zusätzlich mindestens drei Millionen Yen pro Monat.
Die Gesamtkosten einer industriellen Einführung können damit erheblich über dem eigentlichen Kaufpreis eines Unitree G1 liegen.
Für Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, bei welchen Arbeitsabläufen sich solche Ausgaben wirtschaftlich rechtfertigen lassen.
Ein möglicher Einsatzbereich sind Aufgaben, die sich häufig wiederholen, aber aufgrund leichter Veränderungen bislang nur mit aufwendiger Programmierung automatisiert werden können.
Die Software arbeitet nach Unternehmensangaben lokal auf einem GPU-PC. Bewegungsdaten sollen dabei innerhalb der IT-Infrastruktur des Kunden verbleiben.
Derzeit wird ausschließlich der Unitree G1 offiziell unterstützt. Weitere humanoide Plattformen sowie klassische Roboterarme sollen folgen.
Der Ansatz ergänzt die Entwicklung allgemeiner Robotikmodelle. Unitree arbeitet beispielsweise mit UnifoLM-WLA-1.0 an einem Modell für unterschiedliche Manipulationsaufgaben.
Imacreate konzentriert sich dagegen zunächst auf die zuverlässige Wiederholung einzelner, bereits demonstrierter Fähigkeiten.
Warum der Ansatz für Fabriken interessant sein könnte
Die Übertragung menschlicher Handbewegungen auf Roboter ist ein wachsendes Forschungs- und Geschäftsfeld.
In Japan untersuchen beispielsweise Daikin und Muso Action, wie Produktionsmitarbeiter selbst Trainingsdaten sammeln und Robotermodelle anpassen können.
Imacreate verfolgt einen anderen Weg: Eine bereits erfolgreiche Bewegung soll möglichst exakt erhalten bleiben, während nur notwendige Korrekturen gelernt werden.
Das könnte den Trainingsaufwand bei eng definierten Aufgaben reduzieren. Allerdings müssen die Verfahren erst unter industriellen Bedingungen zeigen, wie sie mit wechselnden Objekten, Verschleiß, Sensorfehlern und unvorhergesehenen Störungen umgehen.
Für einen wirtschaftlichen Einsatz sind deshalb nicht nur Erfolgsquoten, sondern auch Zykluszeiten, Anpassungskosten und notwendige menschliche Eingriffe relevant.
Imacreate will die Software im Dezember auf der RoboNext 2026 in Osaka demonstrieren. Anwendungen für Fertigung und Bauwirtschaft gehören zu den geplanten Ausstellungsthemen.
Die kommerzielle Software ist damit bereits verfügbar. Ein dokumentierter industrieller Dauerbetrieb bei zahlenden Kunden wurde jedoch noch nicht veröffentlicht.
Quellen: Imacreate: Offizielle Produktankündigung vom 19. Oktober 2026; Imacreate: Unternehmenswebsite.
