Nucleus II setzt für Fabriken auf Räder statt Beine

Nucleus II als radbasierter humanoider Roboter im Fabrikeinsatz
Nucleus II setzt für industrielle Einsätze auf eine mobile Basis mit Rädern. Bild: Nucleus Robotics.

Nucleus Robotics hat mit Nucleus II eine neue Robotikplattform für industrielle Einsätze vorgestellt und bereits in einer realen Fabrikumgebung eingesetzt. Auffälligste Änderung gegenüber dem bisherigen Ansatz ist der Verzicht auf Beine. Stattdessen nutzt Nucleus II eine mobile Basis auf Rädern.

Nach Angaben von Gründer Melvin Schwarz basiert diese Entscheidung direkt auf Rückmeldungen von Industriekunden. Gefragt seien vor allem höhere Nutzlast, längere Betriebszeiten und ein Sicherheitskonzept, das in bestehenden Fabriken leichter umzusetzen ist.

Bis zu zehn Kilogramm Nutzlast pro Arm

Nucleus II soll bis zu zehn Kilogramm pro Arm tragen können. Gleichzeitig wurde die Batteriekapazität gegenüber Nucleus I nach Unternehmensangaben versechsfacht.

Industriekunden hätten Betriebszeiten von etwa fünf bis neun Stunden gefordert. Gerade in längeren Produktionsschichten entscheidet die verfügbare Laufzeit darüber, ob ein Robotersystem tatsächlich produktiv eingesetzt werden kann oder häufig für Ladepausen ausfällt.

Auch bei der Mobilität setzt Nucleus bewusst auf einen einfacheren Ansatz. Auf ebenen Fabrikböden bieten Räder eine stabile und energieeffiziente Alternative zu zweibeiniger Fortbewegung. Zudem entfallen Risiken, die durch das Gleichgewicht und mögliche Stürze eines zweibeinigen Roboters entstehen können.

Entwicklung direkt auf dem Factory Floor

Nucleus verfolgt nach eigenen Angaben einen stark an realen Einsätzen orientierten Entwicklungsansatz. Die Roboter sollen nicht erst vollständig autonom werden, bevor sie beim Kunden arbeiten. Stattdessen werden sie zunächst mithilfe von Teleoperation und menschlicher Überwachung eingesetzt.

Dabei entstehende Daten sollen anschließend genutzt werden, um die Autonomie schrittweise zu verbessern. Auf seiner Website beschreibt Nucleus einen Prozess aus 3D-Scan der Fabrik, Simulation, realem Betrieb und kontinuierlichem Training der eingesetzten Systeme.

Schwarz zufolge ist Nucleus II bereits die zweite reale Deployment-Generation des Unternehmens. Das System soll nun bei weiteren Kunden eingesetzt und auf Basis der dort auftretenden Probleme weiterentwickelt werden.

Nucleus will Ende 2026 mehrere Standorte bedienen

Das erst 2026 gegründete Unternehmen plant laut eigener Roadmap noch im vierten Quartal dieses Jahres Einsätze an mehreren Industriestandorten. Anfang 2027 sollen die Systeme überwiegend autonom arbeiten. Für das dritte Quartal 2027 nennt Nucleus als Ziel 100 eingesetzte humanoide Arbeitskräfte.

Für Fabriken zählt Funktion stärker als Körperform

Nucleus II zeigt eine Entwicklung, die für industrielle Humanoide zunehmend relevant werden könnte. Der menschliche Oberkörper bleibt für Manipulation und die Nutzung bestehender Arbeitsplätze hilfreich. Für die Fortbewegung muss ein Roboter dagegen nicht zwingend zwei Beine besitzen.

Wenn Räder höhere Nutzlast, längere Laufzeiten und eine einfachere Sicherheitsintegration ermöglichen, könnten solche hybriden Systeme in Fabriken schneller wirtschaftlich werden als technisch komplexere zweibeinige Roboter. Entscheidend wird nun sein, wie zuverlässig Nucleus II über mehrere Stunden im realen Betrieb arbeitet.