UBTECH hat seinen humanoiden Serviceroboter Walker C1 auf der MOS Messe in Slowenien präsentiert und damit offiziell den Markteintritt des Modells in Europa eingeläutet. Hinter dem Auftritt steht mehr als eine Messevorführung. Mit dem slowenischen Integrator Hiproject hat UBTECH bereits einen exklusiven Vertriebspartner für fünf Länder in Südosteuropa aufgebaut.
Auf der 58. MOS in Celje zeigte UBTECH den Walker C1 erstmals im Rahmen seines europäischen Markteintritts. Der Roboter verließ nach Angaben des Unternehmens selbstständig seine Transportbox und demonstrierte anschließend seine Beweglichkeit vor dem Messepublikum.
Walker C1 ist als Full Size Humanoid für kommerzielle Dienstleistungen positioniert. Anders als die industriellen Modelle der Walker S Serie richtet sich C1 stärker an Anwendungen wie Empfang, Führung, Beratung und andere serviceorientierte Szenarien.
Fünf Länder über einen lokalen Partner
Der wichtigere Teil der Europa Strategie liegt allerdings außerhalb der Bühne.
Bereits auf der IFA in Berlin hatte UBTECH eine exklusive Partnerschaft mit dem slowenischen Unternehmen Hiproject vereinbart. Der Vertrag umfasst Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Nordmazedonien.
Hiproject übernimmt dabei nicht nur den Vertrieb. Das Unternehmen soll Roboter auch integrieren, Anwendungen entwickeln, Kunden schulen sowie Service und Wartung übernehmen.
Auf der eigenen Website bietet Hiproject Walker C1 bereits für Anwendungen in Handel sowie Bildung und Forschung an. Preise werden auf Anfrage genannt.
Damit entsteht für UBTECH erstmals eine lokale Struktur, die aus einer Produktvorführung tatsächlich einen kommerziellen Einsatz machen könnte.
Walker C1 zielt auf den Servicemarkt
UBTECH positioniert Walker C1 deutlich anders als seine industriellen Humanoiden.
Das Modell soll sich in Umgebungen bewegen, in denen direkte Interaktion mit Menschen wichtiger ist als schwere Manipulation. Dazu gehören Ausstellungshallen, Einzelhandel, öffentliche Einrichtungen und Bürogebäude.
UBTECH nennt unter anderem mehrsprachigen Empfang, Tour Guide Funktionen und Einkaufsunterstützung als mögliche Anwendungen.
Der Roboter verfügt über ein eigenes multimodales KI System und ist modular aufgebaut. Laut Hersteller soll er von einer einzelnen Person eingerichtet werden können und sich für schnelle Bereitstellung in unterschiedlichen Umgebungen eignen.
Gerade diese Eigenschaften könnten für einen europäischen Markt interessant sein, in dem Humanoide zunächst eher in klar begrenzten Service Szenarien getestet werden dürften als in vollständig offenen Alltagsumgebungen.
Der schwierigere Teil beginnt nach der Messe
Die Präsentation in Slowenien ist noch kein Beleg für eine breitere kommerzielle Einführung.
Bislang wurden weder konkrete Kundenaufträge noch Stückzahlen oder ein europäischer Verkaufspreis für Walker C1 veröffentlicht. Auch Angaben zu geplanten Installationen fehlen bisher.
Genau deshalb ist die Partnerschaft mit Hiproject wichtiger als die eigentliche Bühnendemonstration.
Humanoide Roboter benötigen vor Ort Integration, Wartung, Anpassungen an bestehende Prozesse und häufig auch Unterstützung bei Sicherheit und Datenschutz. Für Hersteller aus China wird der Aufbau solcher lokalen Strukturen deshalb zu einem entscheidenden Teil ihrer Europa Strategie.
Walker C1 zeigt damit einen nächsten Schritt im internationalen Humanoid Wettbewerb. Es geht nicht mehr nur darum, einen Roboter auf einer europäischen Messe zu zeigen. Entscheidend wird sein, ob aus regionalen Vertriebspartnerschaften echte Kundenprojekte und dauerhaft betriebene Systeme entstehen.
