Der chinesische Robotikhersteller Unitree erweitert den Vertrieb seines humanoiden Roboters G1+ nach Japan. Der autorisierte Handelspartner GMO AI & Robotics Trading (GMO AIR) nimmt seit dem 13. Oktober 2026 Vorbestellungen für den G1+ und die Entwicklungsversion G1+ EDU entgegen. Preise und Liefertermine werden individuell vereinbart.
Der Markteintritt ist keine neue Produktvorstellung. Unitree hatte den überarbeiteten G1+ bereits im September präsentiert. Neu ist nun der offizielle Vertriebsstart über einen japanischen Partner, der neben der Beschaffung auch technische Integration, IT-Sicherheit, Robot Learning und Wartung als Geschäftsfelder entwickelt.
Damit entsteht in Japan ein Vertriebsmodell, das über den einmaligen Verkauf eines humanoiden Roboters hinausgehen soll.
GMO erweitert sein Unitree-Geschäft in Japan
GMO AIR ist seit dem 19. Juni 2026 offizieller japanischer Vertriebspartner von Unitree Robotics. Zum bisherigen Portfolio gehören unter anderem der G1, der größere H2 sowie verschiedene vierbeinige Roboter. Im August wurde das Angebot um weitere Modelle wie H2 Plus, H2-D und As2-W erweitert.
Mit dem G1+ richtet sich GMO insbesondere an Forschungseinrichtungen, Entwickler und Unternehmen, die humanoide Roboter für Empfang, Besucherinformation, Ausbildung oder Ausstellungen prüfen.
Das Modell ist rund 1,34 Meter groß und wiegt etwa 35 Kilogramm. Die Standardversion verfügt über 25 motorisierte Freiheitsgrade und kann nach Herstellerangaben mit jedem Arm etwa drei Kilogramm tragen. Für die EDU-Version werden bis zu vier Kilogramm genannt.
Neu sind unter anderem zwei zusätzliche Freiheitsgrade im Hals, stärkere Antriebe, eine Stereokamera, eine zusätzliche Weitwinkelkamera und ein 3D-LiDAR. Sechs Mikrofone und Berührungssensoren sollen die Interaktion mit Menschen erleichtern.
Für längere Demonstrationen und Forschungstests unterstützt der G1+ außerdem eine externe Stromversorgung. Im Akkubetrieb gibt der Hersteller eine Laufzeit von ungefähr zwei Stunden an.
Die technischen Unterschiede zum Vorgänger und der chinesische Einstiegspreis wurden bereits in unserer Vorstellung des Unitree G1+ erläutert. Für Japan nennt GMO bislang weder einen öffentlichen Yen-Preis noch einen verbindlichen Liefertermin.
Cybersecurity, Lernsoftware und Reparatur als zusätzliche Geschäftsfelder
Interessanter als die Erweiterung des Produktkatalogs ist die Serviceinfrastruktur, die GMO für humanoide Roboter aufbaut.
Im August startete das Unternehmen mit GMO SAFE einen Dienst zur Bewertung und Überwachung von IT-Sicherheitsrisiken. Dabei geht es unter anderem um die Kommunikation der Roboter, angeschlossene Geräte, Softwarekonfigurationen und den Umgang mit sensiblen Daten.
Diese Cybersecurity-Dienstleistungen ersetzen keine funktionale Sicherheitsprüfung der Robotermechanik oder ihrer Bewegungssteuerung. Sie adressieren einen anderen Teil der Anforderungen beim Betrieb vernetzter Robotersysteme.
Im September folgte GMO LOOP for Physical AI. Der Dienst soll Daten aus realen Robotereinsätzen erfassen, zur Verbesserung von Bewegungsmodellen verwenden und aktualisierte Modelle oder Steuerungsparameter an die Maschinen zurückführen.
Damit entsteht ein möglicher zusätzlicher Geschäftszweig nach der Auslieferung. Statt nur Hardware zu verkaufen, könnte ein Integrator die Roboter langfristig bei der Anpassung an einzelne Arbeitsplätze unterstützen.
Ob und in welchem Umfang der neue G1+ bereits in diesem Lernsystem eingesetzt wird, hat GMO nicht offengelegt. Auch messbare Verbesserungen der Aufgabenleistung durch GMO LOOP wurden für das neue Modell bislang nicht veröffentlicht.
Ein drittes Element ist ein spezielles Wartungsfahrzeug für humanoide Roboter. GMO kündigte dessen Einführung im September an. Bei Defekten sollen Techniker vor Ort Reparaturen durchführen oder gegebenenfalls eine Ersatzmaschine bereitstellen können.
Für professionelle Kunden sind solche Leistungen relevant, weil die wirtschaftlichen Kosten eines Roboters nicht beim Kaufpreis enden. Technische Ausfälle, fehlende Ersatzteile und längere Stillstandszeiten können eine geplante Automatisierung schnell unwirtschaftlich machen.
Japan entwickelt unterschiedliche Wege zur Physical AI
Der Ausbau des Unitree-Vertriebs trifft auf einen japanischen Markt, in dem sowohl internationale Hersteller als auch lokale Robotikunternehmen um künftige Anwendungen konkurrieren.
Der japanische Entwickler ugo verfolgt beispielsweise mit dem radbasierten Semi-Humanoiden Nova einen anderen Ansatz. Das System soll ab 2027 in Serie gehen und ist besonders für industrielle Aufgaben und das Sammeln von Trainingsdaten vorgesehen.
Unitree positioniert den G1+ dagegen als kompakte, vergleichsweise kostengünstige Plattform, die sowohl für die Forschung als auch für interaktive Anwendungen genutzt werden kann.
Hinzu kommt die Softwareentwicklung. Unitree hat mit UnifoLM-WLA-1.0 bereits ein Robotikmodell vorgestellt, das in veröffentlichten Tests unterschiedliche Manipulationsaufgaben auf einer G1-Plattform abdeckt.
Diese Forschungsresultate sind allerdings kein Nachweis dafür, dass sämtliche Fähigkeiten auf dem G1+ in japanischen Kundenumgebungen unmittelbar verfügbar sind. Dafür wären konkrete Angaben zu Softwareversionen, Hardwarekonfigurationen und erfolgreichen Praxistests erforderlich.
Vertriebsstart ist noch kein Nachweis für steigende Auslieferungen
GMO nimmt seit dem 13. Oktober Bestellungen beziehungsweise Vorbestellungen für zwei G1+-Varianten entgegen. Wie viele Reservierungen bereits vorliegen, welche Branchen tatsächlich kaufen und wann die ersten Geräte ausgeliefert werden, ist nicht bekannt.
Auch die angekündigten Dienstleistungen erlauben noch keinen Rückschluss darauf, wie viele Roboter bei japanischen Kunden regelmäßig im Einsatz sind.
Für die nächsten Monate liefern deshalb drei Größen einen besseren Maßstab als die Zahl angekündigter Modelle: tatsächliche Auslieferungen, dokumentierte Kundenanwendungen und die Kosten für den laufenden Betrieb.
Für deutsche Robotikunternehmen und Systemintegratoren ist die Entwicklung dennoch relevant. GMO versucht, Vertrieb, Datendienste, Sicherheit und Wartung in einer lokalen Infrastruktur zu bündeln. Dieses Modell könnte auch für den europäischen Markt interessant werden, wo Beschaffung, technische Betreuung und zuverlässige Integration über den Erfolg neuer Robotikplattformen mitentscheiden.
Welche Rolle der G1+ dabei tatsächlich einnehmen kann, hängt nicht allein von seiner Hardware ab. Erst die Erfahrungen der japanischen Kunden werden zeigen, ob aus der neuen Vertriebsplattform ein dauerhaft tragfähiges Geschäft entsteht.
Quellen: GMO AIR, 13. Oktober 2026, GMO-Pressemitteilung bei PR TIMES, Unitree: G1+ Produktinformationen.
