Japanischer Semi-Humanoid ugo Nova soll 2027 in Serie gehen

ugo Nova, ein japanischer zweiarmer Semi-Humanoid für Physical AI
ugo Nova wurde in Japan entwickelt und soll 2027 in Serienproduktion gehen. Bild: ugo, Inc.

Das japanische Robotikunternehmen ugo hat am 16. September den neuen Semi-Humanoiden ugo Nova vorgestellt. Der zweiarme Roboter wird vollständig in Japan entwickelt und gefertigt und soll 2027 in die Serienproduktion gehen. Neben klassischen Industrieaufgaben ist Nova vor allem als Plattform für Physical AI gedacht: Der Roboter soll menschliche Arbeit direkt in Trainingsdaten für Robotikmodelle übersetzen.

ugo Nova kombiniert einen mobilen Radunterbau mit zwei Armen und einem humanoiden Oberkörper. Damit zielt das System auf Arbeitsumgebungen, die ursprünglich für Menschen ausgelegt wurden – etwa Fabriken, Lager und Produktionsstätten.

Der Roboter soll dort Navigation, Wahrnehmung und Manipulation in einem System verbinden.

Ein Roboter als Datensammler

Der interessanteste Teil von ugo Nova liegt allerdings weniger in seiner Bauform als in seiner Rolle beim Training von Physical-AI-Modellen.

Kameras im Kopf und an den Händen erfassen visuelle Informationen. Gleichzeitig zeichnet das System Gelenkpositionen, Drehmomente, Endeffektorpositionen und Steuerbefehle zeitlich synchron auf.

Ein menschlicher Operator kann Nova über einen bilateralen Controller oder VR-Systeme fernsteuern und dabei gewünschte Arbeitsabläufe vormachen.

Aus diesen Demonstrationen entstehen Datensätze, die anschließend für Imitation Learning oder das Fine-Tuning von Robotik-Foundation-Models genutzt werden können.

Die Armsteuerung arbeitet laut ugo mit bis zu 100 Hz, um auch schnelle und feinere Bewegungen möglichst präzise aufzuzeichnen.

Vom Datensammeln direkt zur Modellvalidierung

ugo will Nova nicht nur als Teleoperations- oder Datensammelplattform positionieren.

Nach dem Training eines Modells kann dieses direkt wieder auf den Roboter übertragen und in der realen Umgebung getestet werden.

Damit entsteht ein geschlossener Entwicklungszyklus:

Mensch demonstriert eine Aufgabe → Roboter sammelt Daten → Modell wird trainiert → Modell wird auf demselben Roboter getestet.

Genau dieser Prozess wird für viele Physical-AI-Unternehmen zunehmend wichtiger. Denn für generalistische Roboter reicht es nicht, einzelne Bewegungen vorab zu programmieren. Sie benötigen große Mengen hochwertiger Daten aus realen Interaktionen.

Japan setzt stärker auf eigene Robotikplattformen

ugo Nova wurde im Rahmen eines japanischen Entwicklungsprogramms für universell einsetzbare Roboter vorgestellt. Das System soll auch beim Wettbewerb für heimische General-Purpose-Robotik der AI Robot Association eingesetzt werden, der im Auftrag der staatlichen Forschungsorganisation NEDO durchgeführt wird.

Entwicklung, mechanische Konstruktion und Fertigung übernimmt ugo selbst. Das Industriedesign stammt von GK Kyoto, während Asratec einen bilateralen Controller für die Datenerfassung entwickelt.

Damit steckt hinter Nova auch eine industriepolitische Dimension: Japan versucht, nicht nur einzelne Komponenten, sondern komplette Physical-AI-Plattformen wieder stärker im eigenen Land zu entwickeln und zu produzieren.

Nicht unbedingt zwei Beine nötig

ugo Nova zeigt zugleich, dass der Weg zu universell einsetzbaren Robotern nicht zwingend über einen klassischen zweibeinigen Humanoiden führen muss.

Für viele Aufgaben in Fabriken und Lagern kann ein Radunterbau effizienter und robuster sein als Beine. Entscheidend ist vielmehr, ob der Roboter dieselben Arbeitsräume wie Menschen erreicht, Werkzeuge bedienen und unterschiedliche Aufgaben lernen kann.

Gerade deshalb ist Nova interessant: Der Roboter versucht nicht, den menschlichen Körper möglichst vollständig nachzubauen. Stattdessen konzentriert sich ugo auf die Teile, die für Physical AI besonders relevant sind – Mobilität, zwei Arme, menschliche Demonstrationen und eine direkte Verbindung zwischen realer Arbeit und Trainingsdaten.

Ob daraus bis 2027 tatsächlich eine größere Serienproduktion entsteht, muss sich noch zeigen. Die Strategie dahinter ist jedoch klar: Japan will bei der nächsten Generation von Robotik nicht nur Hardware liefern, sondern auch die Daten- und Modellschicht stärker selbst kontrollieren.