Faraday Future startet neun neue Roboter: vom 8.700-Euro-Humanoid bis zum 78.000-Euro-Futurist

Neue Faraday Future EAI-Roboter mit humanoiden und spezialisierten Robotersystemen
Faraday Future hat auf seinem 9/19 Event fünf Robotermodelle in insgesamt neun Konfigurationen vorgestellt. Bild: Faraday Future

Faraday Future hat bei seinem jährlichen 9/19 Event eine neue Robotikpalette vorgestellt. Insgesamt bringt das Unternehmen neun neue Konfigurationen aus fünf Modellen auf den Markt. Das Spektrum reicht vom kleinen Humanoiden Master Mini für 9.990 US Dollar, rund 8.700 Euro, bis zum großen All-New Futurist für 89.900 US Dollar, rund 78.400 Euro. Nach Angaben des Unternehmens sind alle neuen Varianten ab sofort bestellbar und für die Auslieferung verfügbar.

Damit erweitert Faraday Future sein Robotikgeschäft deutlich über die bisherige Produktpalette hinaus. Neben kleinen und großen Humanoiden gehören auch radbeinige und vierbeinige Systeme für Sicherheit, Inspektion und industrielle Anwendungen zum neuen Angebot.

Master Mini bringt den Einstiegspreis unter 10.000 Dollar

Der günstigste neue Humanoid ist der FF Master Mini.

FF Master Mini. Bild: FF
FF Master Mini. Bild: FF

Die Basisversion kostet 9.990 US Dollar, rund 8.700 Euro. Sie ist 95 Zentimeter groß, wiegt etwa 19,5 Kilogramm und verfügt über 22 Freiheitsgrade. Faraday Future positioniert den Roboter vor allem für Schulen, Programmierunterricht und Robotikwettbewerbe.

Die Basisversion bietet 48 TOPS Rechenleistung und eine Laufzeit von etwa 30 Minuten bei einer Gehgeschwindigkeit von 0,4 Metern pro Sekunde.

Darüber stehen zwei leistungsfähigere Varianten.

Der Master Mini Pro kostet 12.990 US Dollar, rund 11.300 Euro, und erhöht die Rechenleistung auf 117 TOPS. Der Master Mini Ultra kostet 17.990 US Dollar, rund 15.700 Euro, und erreicht bis zu 200 TOPS. Beide Varianten verfügen über größere Akkus und sollen bis zu 80 Minuten laufen können.

FF richtet diese Modelle stärker an Entwickler, Forschungseinrichtungen und Wettbewerbe.

Der große Futurist startet bei rund 78.000 Euro

Am anderen Ende der Humanoid Palette steht der FF All-New Futurist.

Die Standardversion kostet 89.900 US Dollar, rund 78.400 Euro. Im Preis ist nach Angaben von Faraday Future bereits ein Skills Package im Wert von 10.000 US Dollar enthalten.

FF All-New Futurist. Bild: FF
FF All-New Futurist. Bild: FF

Die Ultra Version kostet 129.900 US Dollar, rund 113.300 Euro, und enthält ein Skills Package im Wert von 15.000 US Dollar.

Faraday Future positioniert den Futurist als professionellen Full-Size-Humanoiden für komplexere Aufgaben. Das Unternehmen hebt insbesondere seine Bewegungssteuerung und die eigene EAI Brain Plattform hervor.

Der Futurist unterstützt nach Angaben von FF außerdem NVIDIA SONIC nativ.

Konkrete unabhängige Leistungsdaten für reale industrielle Aufgaben hat Faraday Future bislang allerdings nur begrenzt veröffentlicht. Der hohe Preis lässt sich deshalb noch nicht direkt mit Produktivität oder einem messbaren Return on Investment vergleichen.

Nicht alle neun Varianten sind Humanoide

Die neun neu vorgestellten Produkte bestehen nicht ausschließlich aus humanoiden Robotern.

Faraday Future zählt insgesamt fünf Modelle mit neun Konfigurationen.

Neben den beiden Humanoid Familien Futurist und Master Mini umfasst die Palette auch FX Aegis Classic Ultra W, einen 22 Kilogramm schweren radbeinigen Roboter für Sicherheits- und Begleitaufgaben.

Er kostet 12.990 US Dollar, rund 11.300 Euro.

Dazu kommen zwei Varianten des größeren FX Aegis Mega, die jeweils 74.990 US Dollar, rund 65.400 Euro, kosten.

Das teuerste neue Modell ist schließlich der vierbeinige FX Aegis Hyper. Er startet bei 137.900 US Dollar, rund 120.300 Euro, und soll für Inspektionen und Einsätze in besonders anspruchsvollen oder gefährlichen Umgebungen ausgelegt sein.

Damit reicht das neue Portfolio preislich noch deutlich weiter nach oben als die Humanoid Familie.

Vier komplette Lösungen statt nur einzelner Roboter

Faraday Future versucht gleichzeitig, sich vom Verkauf einzelner Geräte zu lösen.

Parallel zu den neuen Robotern stellte das Unternehmen vier sogenannte Industry Productivity Solutions vor. Sie richten sich an K-12 Bildung, Hochschulen und Forschung, Sicherheitsanwendungen sowie industrielle Inspektion.

Bei diesen Angeboten sollen Roboter gemeinsam mit Software, Trainingsmaterial, Sensorpaketen, Implementierung und Service verkauft werden.

Für Schulen baut FF das Angebot beispielsweise rund um den Master Mini auf. Hochschulen sollen dagegen unterschiedliche Roboterformen über eine gemeinsame Entwicklungsumgebung nutzen können.

Für Sicherheits- und Inspektionsaufgaben stehen vor allem die verschiedenen Aegis Modelle im Mittelpunkt.

Das zeigt auch, wo Faraday Future kurzfristig Geschäft erwartet. Der kleine Humanoid wird nicht primär als Haushaltsroboter vermarktet, sondern als Entwicklungs-, Bildungs- und Wettbewerbsplattform.

552 verkaufte und ausgelieferte Robotereinheiten

Faraday Future ist erst seit relativ kurzer Zeit im Robotikgeschäft aktiv.

Bis Ende August meldete das Unternehmen kumulativ 552 verkaufte und ausgelieferte Robotereinheiten im laufenden Jahr. FF erklärte zudem, dass das Robotikgeschäft bereits eine positive Produktbruttomarge erreicht habe.

Wie sich diese Stückzahl auf einzelne Modelle verteilt und wie viele davon tatsächlich bereits bei externen Kunden im produktiven Einsatz sind, hat das Unternehmen nicht vollständig aufgeschlüsselt.

Gerade deshalb wird sich der Erfolg der neuen Produktpalette weniger daran messen lassen, wie viele Modelle gleichzeitig angeboten werden.

Interessanter ist, ob aus den vergleichsweise günstigen Einstiegsprodukten tatsächlich größere Stückzahlen entstehen und ob die teureren Systeme über Ausbildung, Forschung, Sicherheit und Inspektion hinaus wiederkehrende Einsatzfälle finden.

Mit einem Einstiegspreis von rund 8.700 Euro nähert sich zumindest ein Teil des Humanoid Marktes inzwischen Preisregionen, die für Hochschulen, Entwickler und kleinere Unternehmen realistischer werden. Ob daraus auch ein größerer Markt entsteht, wird allerdings stärker von den verfügbaren Fähigkeiten als vom Kaufpreis abhängen.