Die beiden US-Börsenunternehmen Faraday Future Intelligent Electric (NASDAQ: FFAI) und FF EAI Robotics Ecosystem (NASDAQ: FFR) haben verbindliche Vereinbarungen zur Übertragung des Robotikgeschäfts von Faraday Future unterzeichnet. Die Parteien bewerten die Roboteraktivitäten mit rund 200 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 180 Millionen Euro.
Der am 14. Oktober 2026 veröffentlichte Vertrag sieht vor, dass FFR das Robotikgeschäft durch die Ausgabe eigener Aktien übernimmt. Faraday Future soll nach Abschluss auf vollständig verwässerter Basis rund 65,7 Prozent an FFR halten. Der Abschluss ist bis Ende Oktober geplant, steht aber noch unter Bedingungen.
Es handelt sich weder um einen klassischen Börsengang noch um eine neue Finanzierung über 200 Millionen Dollar. Das Robotikgeschäft soll vielmehr in eine bereits an der Nasdaq notierte Gesellschaft eingebracht werden.
200 Millionen Dollar für Robotik, 60 Millionen für die Börsenplattform
Die Transaktion wurde bereits Ende September über eine unverbindliche Absichtserklärung vorbereitet. Neu ist der Abschluss der verbindlichen Verträge vom 12. Oktober, deren Details FFR zwei Tage später veröffentlichte.
Die Parteien vereinbarten eine Bewertung von rund 200 Millionen Dollar für das Robotikgeschäft und rund 60 Millionen Dollar für FFR auf vollständig verwässerter Basis. Die neuen Aktien sollen zu einem Ausgabepreis von 2,246 Dollar je Aktie an FFAI übertragen werden.
Dieser Preis liegt nach Unternehmensangaben etwa 50 Prozent über dem Schlusskurs vom 12. Oktober. Ein Ausgabeaufschlag gegenüber dem damaligen Börsenkurs bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die übernommenen Vermögenswerte am freien Markt denselben Wert erzielen würden.
Die Transaktion ist zudem ein Geschäft zwischen verbundenen Unternehmen. Faraday Future ist bereits Mehrheitsaktionär von FFR. Die jeweiligen Sonderausschüsse der Verwaltungsräte haben die Vereinbarung genehmigt; FFR verweist außerdem auf eine unabhängige Fairness Opinion.
Eine Fairness Opinion beurteilt die Transaktion aus finanzieller Perspektive unter bestimmten Annahmen. Sie ist keine Garantie für den künftigen Unternehmenswert oder die operative Entwicklung.
817 Roboter gemeldet – aber nur begrenzte Umsatztransparenz
Faraday Future baut sein Robotikgeschäft seit 2026 aus. Das Unternehmen bietet unterschiedliche Robotermodelle für Forschung, Bildung, Sicherheit und weitere Anwendungen an.
Im September präsentierte Faraday Future zusätzliche Modelle und Konfigurationen, darunter den kompakten Master Mini und den größeren Futurist. Die technischen Daten und damaligen Verkaufspreise hat Humanoid Insider bereits analysiert.
Für die Bewertung der neuen Transaktion sind nun vor allem die wirtschaftlichen Kennzahlen relevant.
Nach Unternehmensangaben erreichten die kumulierten Verkäufe und Auslieferungen von EAI-Geräten bis Ende September 2026 insgesamt 817 Einheiten. Ende August hatte Faraday Future noch 552 Einheiten gemeldet.
Das Unternehmen nennt außerdem einen kumulierten Umsatz von ungefähr 1,52 Millionen US-Dollar sowie eine durchschnittliche Bruttomarge von mehr als 30 Prozent für seine Robotikprodukte im zweiten Quartal.
Die Angaben sind nicht ausreichend aufgeschlüsselt, um daraus eine belastbare durchschnittliche Verkaufssumme pro Roboter zu berechnen. Insbesondere fehlen eine genaue Verteilung nach Modellen, eine durchgehend vergleichbare Umsatzperiode und Informationen darüber, wie viele Geräte bei Kunden produktiv eingesetzt werden.
Auch die Zahl von 817 Einheiten ist keine veröffentlichte Kennzahl für dauerhaft installierte und autonome Industriehumanoiden. Das Produktportfolio umfasst mehrere Roboterformen und unterschiedliche Einsatzbereiche.
FFR plant zusätzliche Finanzierung und einen kleinen Streubesitz
Neben der Übernahme hat FFR eine private Aktienplatzierung von bis zu zehn Millionen US-Dollar angekündigt. Diese sogenannte PIPE-Finanzierung entspricht rund neun Millionen Euro und ist rechtlich von der Übertragung des Robotikgeschäfts zu unterscheiden.
Nach Abschluss der geplanten Maßnahmen soll FFAI rund 65,7 Prozent an FFR halten. Für Management und Mitarbeiter sind etwa 18,2 Prozent vorgesehen, für PIPE-Investoren rund 5,5 Prozent und für die übrigen Aktionäre etwa 10,7 Prozent.
Die endgültigen Beteiligungsquoten können sich noch ändern. Die bei der Übernahme an FFAI ausgegebenen Aktien unterliegen einer vorgesehenen Sperrfrist von 18 Monaten.
Bei der angekündigten Kapitalstruktur würde der frei handelbare Anteil nur ungefähr 10,7 Prozent beziehungsweise 13 Millionen Aktien umfassen. Für Anleger ist ein geringer Streubesitz relevant, weil Handelsvolumen, Liquidität und Kursschwankungen dadurch beeinflusst werden können.
FFR ist zudem keine neu gegründete, ausschließlich auf Roboter spezialisierte Börsengesellschaft. Das Unternehmen hieß zuvor AIxCrypto Holdings und firmiert erst seit Ende September unter dem Namen FF EAI Robotics Ecosystem.
Der Wechsel von einer bestehenden börsennotierten Struktur zu einer Robotikgesellschaft unterscheidet sich damit grundsätzlich vom klassischen IPO eines neu an die Börse gehenden Robotikherstellers.
Die Umsatzprognose wächst schneller als die bisherigen Belege
Besonders ambitioniert fallen die langfristigen Prognosen aus. Das Management von FFAI erwartet für das Robotikgeschäft einen Umsatz von ungefähr sieben Millionen US-Dollar im Jahr 2026 und 45 Millionen Dollar im Jahr 2027.
Das entspricht etwa 6,3 beziehungsweise 40,5 Millionen Euro. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 werden kumulierte Umsätze von rund 1,98 Milliarden Dollar und mehr als 130.000 verkaufte EAI-Geräte prognostiziert.
Diese Zahlen sind Managementprojektionen und keine bestätigten Aufträge. FFR weist ausdrücklich darauf hin, dass die Projektionen nicht als eigene Unternehmensprognose übernommen wurden.
Der Unterschied ist erheblich: Eine bereits gemeldete Auslieferung, eine erwartete zukünftige Verkaufszahl und eine langfristige Umsatzprojektion haben jeweils eine andere Aussagekraft.
Auch für andere Hersteller humanoider Roboter stellt sich die Frage, wie schnell angekündigte Kapazitäten und Produkte in tatsächliche Umsätze überführt werden können. Die neue UBTECH-Fabrik in Liuzhou zeigt beispielsweise, warum geplante Produktionskapazität und realisierte Jahresproduktion getrennt betrachtet werden müssen.
Aus Investorensicht kommt bei FFR ein zusätzlicher Faktor hinzu: Der Wert des Robotikgeschäfts soll durch eine Transaktion zwischen bereits verbundenen Gesellschaften in einer börsennotierten Struktur sichtbar gemacht werden.
Eine solche Struktur kann den Zugang zum Kapitalmarkt verändern, liefert aber allein noch keinen Nachweis für eine wirtschaftlich erfolgreiche Robotikplattform.
Für eine fundierte Bewertung werden deshalb die nächsten veröffentlichten Finanzberichte wichtiger sein als das angestrebte Marktpositionierungslabel. Insbesondere Umsatzentwicklung, tatsächliche Auslieferungen, Finanzierungskosten und der nach Abschluss verfügbare operative Cashflow sollten nachvollziehbar ausgewiesen werden.
Quellen: FFR: Verbindliche Vereinbarung vom 14. Oktober 2026; SEC: Frühere Transaktionsvereinbarung; FFR: Frühere Transaktionsdetails vom 29. September 2026.
