Mind Robotics holt Ex-Tesla-Manager Doug Field: Rivian wird erster Fabrikkunde

Doug Field, früherer Manager bei Tesla, Apple und Ford und neuer Präsident von Mind Robotics.
Doug Field übernimmt die operative Leitung von Mind Robotics. Der frühere Tesla-, Apple- und Ford-Manager soll die Entwicklung industrieller Robotersysteme vorantreiben. Archivfoto: Ford.

Das amerikanische Robotik-Startup Mind Robotics hat Doug Field zum Präsidenten ernannt. Der frühere Manager von Tesla, Apple und Ford übernimmt die Verantwortung für Produktentwicklung, Engineering und operative Geschäftsführung. Gründer RJ Scaringe, zugleich CEO des Elektroautoherstellers Rivian, bleibt weiterhin eng in das Unternehmen eingebunden.

Die Personalentscheidung wurde am 13. Oktober 2026 bekannt gegeben. Mind Robotics hat seit seiner Gründung 2025 nach eigenen Angaben Finanzierungen von mehr als einer Milliarde US-Dollar erhalten, um KI-Modelle und speziell entwickelte Roboter für industrielle Aufgaben aufzubauen. Das entspricht zum aktuellen Wechselkurs mehr als 900 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist weniger der prominente Lebenslauf des neuen Präsidenten als das Geschäftsmodell: Rivian soll als erster Kunde und Entwicklungspartner eine reale Automobilfabrik für Training, Erprobung und spätere Einsätze bereitstellen. Ein konkretes Robotermodell hat Mind Robotics bisher allerdings nicht öffentlich vorgestellt.

Von Tesla Model 3 und Apple zu Industrierobotern

Doug Field bringt Erfahrung aus mehreren komplexen Hardwareprogrammen mit. Bei Tesla war er als Senior Vice President of Engineering an der Entwicklung des Model 3 beteiligt. Anschließend leitete er bei Apple das Special Projects Group genannte Entwicklungsprogramm, zu dem das später eingestellte Automobilprojekt gehörte.

Zuletzt verantwortete Field bei Ford die Bereiche Elektrofahrzeuge, digitale Technologien und Design. Er verließ den Automobilhersteller im April 2026.

Bei Mind Robotics soll er nun eine andere Herausforderung lösen: Aus KI-Forschung und Roboterprototypen sollen industriell einsetzbare Produkte werden. Dazu gehören nicht nur leistungsfähige Modelle, sondern auch Hardwareentwicklung, Produktionsprozesse, Zuverlässigkeit und die Integration in bestehende Fertigungslinien.

Die Ernennung erfolgt in einer Phase, in der immer mehr Unternehmen humanoide Roboter für die Automobilproduktion entwickeln. Anders als Tesla mit Optimus hat Mind Robotics jedoch noch keine humanoide Bauform bestätigt.

Rivians Fabriken als Trainingsumgebung

Mind Robotics entwickelt nach eigenen Angaben eine vollständige Plattform aus KI-Basismodellen, speziell konstruierter Roboterhardware und Infrastruktur für industrielle Einsätze.

Im Mittelpunkt stehen Aufgaben, bei denen Roboter Objekte nicht nur erkennen, sondern unter wechselnden Bedingungen manipulieren müssen. Dazu zählen grundsätzlich das Greifen von Bauteilen, die Positionierung von Komponenten und andere manuelle Tätigkeiten in der Produktion.

Rivian übernimmt dabei eine doppelte Rolle: Der Elektroautohersteller ist Anteilseigner und zugleich erster Kunde beziehungsweise Entwicklungspartner.

Die Fabrikumgebung soll reale Daten für das Training der Modelle liefern. Dadurch kann Mind Robotics Aufgaben anhand tatsächlicher Produktionsbedingungen entwickeln, statt ausschließlich auf Simulationen oder kontrollierte Laborszenarien angewiesen zu sein.

Ein ähnlicher Ansatz gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. Tesla nutzt am Standort Grünheide menschliche Arbeitsabläufe als Datenquelle für seine Robotikentwicklung, wie Humanoid Insider bereits berichtete.

Der Zugang zu einer Fabrik ist allerdings noch kein Nachweis für produktive Robotereinsätze. Mind Robotics hat weder die Anzahl installierter Roboter noch Erfolgsquoten, autonome Betriebsstunden oder Einsparungen pro Arbeitsvorgang veröffentlicht.

Mehr als eine Milliarde Dollar – noch kein öffentliches Robotermodell

Finanziell verfügt Mind Robotics über erhebliche Ressourcen. Ende 2025 erhielt das Unternehmen eine Seed-Finanzierung von 115 Millionen US-Dollar. Im März 2026 folgte eine Series-A-Runde über 500 Millionen Dollar. Im Mai kamen weitere 400 Millionen Dollar unter Führung von Kleiner Perkins hinzu.

Zu den Investoren gehören Accel, Andreessen Horowitz, Eclipse und weitere Technologieinvestoren. Auch der Risikokapitalbereich von Volkswagen ist beteiligt.

Damit zählt Mind Robotics zu den besonders kapitalstarken jungen Unternehmen im Bereich Physical AI. Die Investitionen finanzieren jedoch zunächst den Aufbau von Technologie, Personal und industrieller Infrastruktur. Öffentlich überprüfbare Umsätze aus Roboterverkäufen oder größere abgeschlossene Kundeninstallationen wurden bislang nicht bekannt gegeben.

Die bisherige Zurückhaltung bei der Hardwarepräsentation unterscheidet das Startup von Herstellern, die bereits konkrete Roboterplattformen anbieten. Agility Robotics hat beispielsweise mit Digit 5 eine neue Generation seines industriellen Humanoiden vorgestellt und verfügt aus früheren Versionen über dokumentierte Erfahrungen in Kundenumgebungen.

Warum Mind Robotics nicht zwingend einen Humanoiden baut

Mind Robotics verfolgt keinen öffentlich bestätigten Ansatz, bei dem die vollständige menschliche Körperform im Mittelpunkt steht. Scaringe hat vielmehr betont, dass die Konstruktion auf konkrete industrielle Fähigkeiten ausgerichtet werden soll.

Das eröffnet unterschiedliche technische Möglichkeiten. Für eine stationäre Montageaufgabe kann ein Roboterarm ausreichend sein. Für den Transport zwischen Maschinen könnte eine mobile Plattform sinnvoller sein als ein zweibeiniges System. Eine menschenähnliche Gestalt ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung.

Genau diese Frage gewinnt in der industriellen Robotik an Bedeutung: Welche Aufgaben profitieren tatsächlich von humanoider Beweglichkeit, und welche lassen sich mit spezialisierter Hardware günstiger und zuverlässiger automatisieren?

Wie eine Analyse zur realen Nachfrage nach Robotik zeigt, werden Einsatzkosten und reproduzierbare Arbeitsleistung zunehmend wichtiger als reine Demonstrationsfähigkeiten.

Für die Automobilindustrie ist Mind Robotics deshalb ein interessantes Experiment. Das Unternehmen verbindet eine hohe Kapitalausstattung, erfahrene Hardwaremanager und einen potenziellen industriellen Erstkunden.

Ob daraus ein skalierbares Geschäftsmodell entsteht, hängt von Ergebnissen ab, die bisher noch nicht öffentlich vorliegen: zuverlässig ausgeführte Aufgaben, kontinuierliche Betriebszeiten, tatsächliche Kundenauslieferungen und Kosten pro produktivem Arbeitsschritt.

Quellen: Mind Robotics, 13. Oktober 2026; Mind Robotics: Finanzierung im Mai 2026; TechCrunch, 13. Oktober 2026.