Südkorea bereitet seine wichtigste Robotikmesse auf einen stärkeren Schwerpunkt bei Physical AI, humanoiden Robotern und industrieller Automatisierung vor. Auf der RobotWorld 2026 sollen vom 4. bis 7. November insgesamt 390 Unternehmen aus 17 Ländern vertreten sein. Die Veranstalter erwarten 1.150 Messestände im KINTEX-Ausstellungszentrum in Goyang bei Seoul.
Bei einer Pressekonferenz am 14. Oktober 2026 stellten die Organisatoren gemeinsam mit fünf Unternehmen erste technische Schwerpunkte vor. Besonders interessant sind zwei börsennotierte südkoreanische Robotikunternehmen: Neuromeka und Samhyun.
Während Neuromeka mit humanoiden Plattformen und KI-gesteuerter Manipulation arbeitet, entwickelt Samhyun integrierte Antriebssysteme für Roboter. Damit zeigt die Messe zwei unterschiedliche Bereiche der entstehenden Physical-AI-Wertschöpfungskette.
Neuromeka kombiniert humanoide Hardware mit Physical AI
Der südkoreanische Robotikhersteller Neuromeka (KOSDAQ: 348340) stellte bei der Pressekonferenz seine Physical-Skill-Technologie PSF und die humanoide Plattform EIR vor.
Nach Unternehmensangaben soll PSF Robotern ermöglichen, bestimmte Manipulationsaufgaben auch in unbekannten Umgebungen ohne vorheriges aufgabenspezifisches Training auszuführen. Neuromeka bezeichnet diesen Ansatz als Zero-Shot-Learning.
Die Leistungsfähigkeit hängt jedoch von den jeweiligen Aufgaben, Objekten und Testbedingungen ab. Neuromeka hat bislang keine umfassenden, unabhängig überprüften Ergebnisse veröffentlicht, die eine allgemeine Zero-Shot-Fähigkeit in industriellen Umgebungen belegen.
EIR ist zudem keine vollständige Neuvorstellung. Neuromeka hatte die Plattform bereits zur CES 2026 präsentiert. Das Unternehmen entwickelt außerdem mit NAMI eine mobile humanoide Plattform, bei der Manipulation und autonome Fortbewegung kombiniert werden sollen.
Neuromeka verfügt bereits über Erfahrungen mit kollaborativen Industrierobotern und industriellen Automatisierungssystemen. Diese sollen nun mit KI-Modellen für Wahrnehmung, Bewegungsplanung und Manipulation verbunden werden.
Der Übergang von klassischen Industrierobotern zu Physical AI ist technisch anspruchsvoll. Fest programmierte Bewegungen lassen sich unter kontrollierten Bedingungen zuverlässig wiederholen. KI-gesteuerte Roboter müssen dagegen auch auf veränderte Objektpositionen und unvorhergesehene Situationen reagieren.
Samhyun zeigt Aktuatoren für humanoide Gelenke
Ein zweiter Schwerpunkt ist die Antriebstechnik. Das börsennotierte Unternehmen Samhyun (KOSDAQ: 437730) entwickelt unter der Marke AXLON integrierte Aktuatoren für humanoide Roboter.
Solche Antriebsmodule verbinden typischerweise Elektromotoren, mechanische Übersetzung, Sensorik und elektronische Steuerung. Sie bestimmen wesentlich, wie schnell, kraftvoll und präzise sich ein Robotergelenk bewegen kann.
Samhyun hatte bereits am 6. Oktober angekündigt, auf der RobotWorld zwölf AXLON-Varianten, Komponenten für Roboterhände und weitere Robotiksysteme zu präsentieren.
Das Unternehmen erklärte im September zudem, einen ersten Serienauftrag eines nordamerikanischen Humanoidenherstellers erhalten zu haben. Die Auslieferung der entsprechenden Aktuatoren soll im Dezember 2026 beginnen.
Der Auftrag ist ein konkreteres Kommerzialisierungssignal als eine reine Technologiepräsentation. Allerdings wurden weder der Kunde noch der vollständige Auftragswert und die tatsächliche Anzahl bereits ausgelieferter Komponenten öffentlich bestätigt.
Wie Humanoid Insider in einer Analyse zur Serienproduktion humanoider Roboter erläutert, gehören präzise und kostengünstig herstellbare Aktuatoren zu den entscheidenden Voraussetzungen für größere Produktionsvolumen.
Samhyuns Entwicklungen zeigen, dass auch südkoreanische Automobil- und Antriebstechnikunternehmen versuchen, sich in dieser Lieferkette zu positionieren.
390 Unternehmen und sechs thematische Sonderbereiche
Die RobotWorld findet vom 4. bis 7. November im KINTEX-Ausstellungszentrum statt. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die angekündigte Zahl der Teilnehmerländer von 13 auf 17 und die Unternehmenszahl von 365 auf 390.
Die Veranstalter planen sechs Sonderbereiche, darunter Humanoide, Foodtech, Healthcare, Startups und robotikorientierte Nachwuchsentwicklung.
Zu den angekündigten internationalen Teilnehmern gehören unter anderem Unitree, Booster Robotics und FANUC. NVIDIA und Qualcomm sollen außerdem im Umfeld der internationalen Robotikkonferenz vertreten sein.
Die Ausstellung deckt neben humanoiden Robotern auch mobile Manipulatoren, autonome Transportsysteme, industrielle Bildverarbeitung und Simulationssoftware ab.
Gerade für industrielle Anwender ist diese Vielfalt relevant. Nicht jede Automatisierungsaufgabe benötigt einen zweibeinigen Humanoiden. In vielen Fabriken können mobile Roboter, kollaborative Arme oder spezialisierte Manipulationssysteme eine wirtschaftlichere Lösung darstellen.
Der bereits vorgestellte Unitree G1+ steht beispielsweise für kompakte humanoide Entwicklungsplattformen, während industrielle Zulieferer wie Samhyun auf Komponenten setzen, die unabhängig vom konkreten Roboterhersteller eingesetzt werden könnten.
Südkorea verbindet Komponentenindustrie mit realen Robotertests
Die stärkere Ausrichtung auf Physical AI passt zu einer weiteren Entwicklung in Südkorea.
Am 13. Oktober genehmigte die Regierung industrielle Tests mit insgesamt 20 humanoiden Robotern in der Halbleiterproduktion, Automobilindustrie, im Schiffbau und in der Kühllogistik.
Das Programm des Herstellers ROBROS betrifft insbesondere die Zusammenarbeit von Menschen und mobilen Robotern unter definierten Sicherheitsbedingungen. Die genehmigte Testgröße bedeutet nicht, dass alle 20 Geräte bereits im regulären Produktionseinsatz stehen.
Die Details zu diesem Programm hat Humanoid Insider separat analysiert.
Für Südkorea entstehen damit zwei miteinander verbundene Entwicklungsrichtungen: Unternehmen wie Samhyun wollen Komponenten für den internationalen Robotermarkt liefern, während Hersteller wie Neuromeka und ROBROS eigene Robotersysteme und Anwendungen entwickeln.
Die wirtschaftliche Bedeutung wird sich jedoch nicht an der Zahl der ausgestellten Prototypen entscheiden. Aussagekräftiger wären später veröffentlichte Auftragswerte, tatsächlich ausgelieferte Antriebsmodule, Betriebsstunden bei Kunden und der Anteil des Robotikgeschäfts am Unternehmensumsatz.
Für deutsche Automatisierungsunternehmen ist besonders der Wettbewerb bei Präzisionsantrieben relevant. Anbieter aus Deutschland, Japan, China und Südkorea investieren in ähnliche Technologien, müssen diese aber zu industriell wettbewerbsfähigen Kosten produzieren.
Die RobotWorld 2026 wird deshalb nicht nur eine Bühne für neue Robotermodelle. Sie bietet auch einen Überblick darüber, welche Unternehmen versuchen, sich als langfristige Hardware- und Softwarelieferanten der Physical-AI-Industrie zu etablieren.
Quellen: Yonhap News Agency, 14. Oktober 2026; Electronic Times, 14. Oktober 2026; Neuromeka: Humanoid-Plattformen; Samhyun: Unternehmensmeldungen.
