XPENG IRON: Feststoffbatterie 30 % leichter – Kleinserienfertigung gestartet

XPENG-Vizepräsident Gu Jie präsentiert auf dem SAECCE-Kongress 2026 die Feststoffbatterie für den humanoiden Roboter IRON.
Der humanoide Roboter IRON von XPENG. Das Unternehmen hat die Kleinserienfertigung seiner speziell entwickelten Feststoffbatterie bekannt gegeben. Die Serienproduktion des vollständigen Roboters ist für Ende 2026 geplant. Bild: XPENG.

XPENG hat die Kleinserienfertigung einer speziell für seinen humanoiden Roboter IRON entwickelten Feststoffbatterie begonnen. Auf einer Robotikkonferenz der chinesischen Gesellschaft für Automobilingenieure (SAECCE) am 28. Oktober 2026 erklärte Konzernvizepräsident Gu Jie, dass die ersten Batterien bereits vom Band gelaufen seien. Der komplette Roboter befindet sich dagegen weiterhin in der letzten Phase vor dem regulären Produktionsstart.

Nach Angaben von XPENG ist die neue Batterie bei einem Vergleich mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien mit flüssigem Elektrolyt rund 30 Prozent leichter und speichert gleichzeitig etwa 30 Prozent mehr Energie. Zusätzlich soll ein spezielles Sicherheitskonzept die Ausbreitung eines thermischen Durchgehens verhindern.

Die Zahlen sind nicht vollständig neu: XPENG hatte die Vorteile beim Gewicht und Energieinhalt bereits im November 2025 bei der Vorstellung seiner neuen IRON-Generation genannt. Neu ist die Bestätigung, dass die Batterie inzwischen in kleinen Stückzahlen hergestellt wird.

Unklar bleibt jedoch, welche Batterietechnologie dabei tatsächlich zum Einsatz kommt. Während XPENG ursprünglich eine vollständig feste Elektrolytarchitektur angekündigt hatte, berichteten chinesische Branchenmedien im September über einen möglichen Wechsel auf eine halbfeste Batterie.

30 Prozent weniger Batteriegewicht, nicht 30 Prozent weniger Robotergewicht

Bei humanoiden Robotern ist die Energieversorgung besonders anspruchsvoll. Im Oberkörper steht nur begrenzt Platz zur Verfügung, während Aktuatoren, Sensoren, Steuerungscomputer und die Bewegungsregelung kontinuierlich elektrische Energie benötigen.

Die Batterie muss deshalb möglichst viel Energie bei geringem Gewicht bereitstellen. Eine schwerere Batterie kann zwar eine längere Laufzeit ermöglichen, erhöht gleichzeitig aber die bewegte Masse und damit unter Umständen den Energiebedarf.

XPENG will diesen Zielkonflikt mit einer Batterie hoher Energiedichte reduzieren. Laut Gu Jie bietet die neue Konstruktion gegenüber einer konventionellen Flüssigelektrolyt-Batterie etwa 30 Prozent weniger Gewicht und 30 Prozent mehr gespeicherte Energie.

Die Angaben beziehen sich auf den Batteriespeicher und den vom Unternehmen gewählten Vergleich, nicht auf das Gesamtgewicht des humanoiden Roboters.

Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich auch keine konkrete Verlängerung der Betriebsdauer ableiten. Dafür wären Angaben zur nutzbaren Batteriekapazität in Wattstunden, zur Leistungsaufnahme des Roboters und zum Energieverbrauch bei unterschiedlichen Tätigkeiten erforderlich.

XPENG hat bislang weder die genaue Energiedichte in Wattstunden pro Kilogramm noch die Kapazität des Batteriesystems, das Gewicht in Kilogramm oder die Laufzeit von IRON unter definierten Arbeitsbedingungen veröffentlicht.

Die Aussage von 30 Prozent weniger Gewicht beziehungsweise 30 Prozent mehr Energie bleibt damit zunächst ein vom Hersteller genannter technischer Vergleich und kein unabhängig überprüfter Betriebswert.

Mehr Sicherheit bei Kontakt mit Menschen

Neben der Energiedichte betont XPENG die Sicherheit seiner Batterie. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben zusätzliche Anforderungen für den Einsatz in humanoiden Robotern entwickelt.

Im Unterschied zu Elektroautos können humanoide Systeme ihre Energiequelle bei normaler Nutzung in unmittelbarer Nähe von Menschen tragen. Das betrifft beispielsweise den Einsatz in Geschäften, Büros und später möglicherweise auch Privathaushalten.

Eine wichtige Anforderung ist deshalb die Begrenzung thermischer Risiken. Beim sogenannten Thermal Runaway kann sich eine Batteriezelle stark erhitzen und eine Kettenreaktion in benachbarten Zellen auslösen.

XPENG beschreibt eine Konstruktion, die eine solche Ausbreitung verhindern soll. Das Unternehmen nennt außerdem Belastungsprüfungen durch mechanische Stöße, das Durchdringen einer Batteriezelle mit einem Nagel und hohe Temperaturen.

Bereits bei der Vorstellung von IRON im November 2025 hatte XPENG angegeben, dass seine Batterietechnologie einen Aufprall mit 300-facher Erdbeschleunigung, eine einstündige Belastung bei 250 Grad Celsius und einen Nageldurchdringungstest ohne Brand überstehen könne.

Diese Werte stammen aus Herstellerangaben. Ein vollständiger, unabhängig überprüfbarer Prüfbericht zur jetzt gefertigten Batterie mit Testaufbau, Zellchemie und Prüfnormen liegt bislang nicht vor.

Auch eine Feststoffbatterie ist nicht grundsätzlich frei von Sicherheitsrisiken. Die tatsächliche Sicherheit hängt von der gesamten Zell- und Packkonstruktion, der Temperaturüberwachung und den vorgesehenen Einsatzbedingungen ab.

All-Solid-State oder Semi-Solid: Welche Batterie wird tatsächlich produziert?

Eine offene Frage betrifft die Zusammensetzung des Elektrolyten.

XPENG hatte bei der Vorstellung seines neuen humanoiden Roboters im November 2025 angekündigt, IRON solle mit einer All-Solid-State-Batterie ausgestattet werden. Die offizielle IRON-Produktseite verwendet weiterhin diese Bezeichnung.

Bei einer vollständig festen Batterie wird der flüssige Elektrolyt durch feste Materialien ersetzt. Halbfeste beziehungsweise Solid-Liquid-Hybrid-Batterien enthalten dagegen weiterhin flüssige oder gelartige Elektrolytbestandteile.

Beide Ansätze unterscheiden sich bei Materialwahl, Herstellung, Sicherheit und technischer Reife. Eine als Feststoffbatterie bezeichnete Konstruktion ist deshalb nicht automatisch vollständig fest.

Im September 2026 berichtete das chinesische Fachmedium Jipian Lab, XPENG habe sich für die geplante IRON-Serienversion für eine halbfeste Batterie entschieden. Hintergrund seien Schwierigkeiten, rechtzeitig geeignete vollständig feste Zellen für die Roboterserienfertigung zu beschaffen.

Der Bericht wurde unter anderem von CnEVPost aufgegriffen. XPENG bestätigte einen solchen Technologiewechsel bislang nicht offiziell.

Bei der Veranstaltung am 28. Oktober bezeichnete Gu Jie die nun in Kleinserie gefertigte Batterie allgemein als Feststoffbatterie. Er veröffentlichte jedoch keine vollständige Zellchemie und stellte nicht ausdrücklich klar, ob es sich um die ursprünglich angekündigte All-Solid-State-Version handelt.

Auch die Identität des Batteriezelllieferanten, die Produktionsmenge und die Fertigungsausbeute wurden nicht bekannt gegeben.

Der Beginn der Kleinserienproduktion ist deshalb ein konkreter Schritt in der Industrialisierung. Er beantwortet aber noch nicht, welche Batteriearchitektur tatsächlich in die ersten kommerziellen IRON-Roboter eingebaut wird.

IRON nähert sich der Serienfertigung – Auslieferungen erst für 2027 geplant

Die neue Batteriemeldung folgt auf mehrere Produktionsschritte bei XPENG.

Am 8. September nahm das Unternehmen seine automatisierte IRON-Produktionslinie in Betrieb. Der erste Roboter absolvierte dort nach Unternehmensangaben die automatisierte Endmontage und verließ die Linie selbstständig.

Am 22. September veranstaltete XPENG eine Konferenz für Zulieferer von Robotikkomponenten. Dabei standen unter anderem Aktuatoren, Hände, Sensoren und KI-Chips im Mittelpunkt. Das Unternehmen berichtete über abgeschlossene Lieferantenaudits und die Auswahl wichtiger Komponentenlieferanten.

Mit der jetzt bestätigten Kleinserienfertigung der Batterie kommt ein weiterer Baustein hinzu. Die Serienproduktion des vollständigen Roboters hat nach Angaben von Gu Jie jedoch noch nicht begonnen.

XPENG hält an dem Ziel fest, bis Ende 2026 mit der größeren Produktion seiner humanoiden Roboter zu beginnen. Ab 2027 sollen IRON-Systeme in eigenen Geschäften und weiteren kommerziellen Umgebungen Aufgaben wie Kundenempfang, Produktberatung und Erklärungen übernehmen.

Bereits in einer früheren Humanoid-Insider-Analyse zur Lizenzierung von XPENGs Physical-AI-Technologie wurde beschrieben, wie der Konzern Robotik, eigene Chips und KI-Software neben dem Elektroautogeschäft als zusätzliche Technologieplattform aufbaut.

Die Erfahrungen aus dem Automobilbau könnten bei der Batterieentwicklung helfen. Für die Robotik entstehen jedoch zusätzliche Anforderungen an Bauform, Masseverteilung und die Energieversorgung bei komplexen Bewegungen.

Auch andere Autohersteller beschäftigen sich inzwischen mit eigenen humanoiden Plattformen. So hat BYD bereits ein eigenes Humanoidenkonzept patentieren lassen. Für eine industrielle Bewertung sind allerdings tatsächliche Produkte und belastbare Betriebsdaten entscheidender als Patente oder Entwicklungspläne.

Eine leichtere Batterie muss sich im Arbeitseinsatz bewähren

Mit der Kleinserienfertigung der IRON-Batterie hat XPENG einen wichtigen Hardwareentwicklungsschritt bekannt gegeben. Für eine kommerzielle Roboterplattform sind allerdings weitere Nachweise notwendig.

Dazu gehört, wie lange ein Roboter mit einer Batterieladung bei unterschiedlichen Aufgaben arbeitet, wie schnell er geladen werden kann und wie sich Kapazität und Sicherheit über viele Ladezyklen entwickeln.

Besonders relevant ist die Leistung bei realen Arbeitsabläufen. Ein humanoider Roboter im Einzelhandel muss über längere Zeit verfügbar sein, sich sicher zwischen Menschen bewegen und seine Aufgaben zuverlässig ausführen.

Für diese Wirtschaftlichkeit spielt neben der Batterie auch der Energiebedarf des gesamten Systems eine Rolle, beispielsweise der Gelenkantriebe, der KI-Rechenplattform und der Sensorik.

XPENG hat bislang weder kommerzielle IRON-Auslieferungen in größerer Stückzahl noch standardisierte Langzeitergebnisse zur neuen Batterie veröffentlicht.

Die nächsten überprüfbaren Meilensteine sind deshalb die genaue Zelltechnologie, konkrete Batteriedaten, der tatsächliche Produktionshochlauf und die Betriebsdauer des Roboters im Kundenbetrieb. Erst diese Informationen werden zeigen, wie weit die gemeldeten Gewichtsvorteile die Einsatzfähigkeit von IRON tatsächlich verbessern.