Boston Dynamics: Zulieferer sollen Teile für 10.000 Atlas-Roboter vorbereiten

Humanoider Roboter Atlas von Boston Dynamics bei der Vorstellung der Hyundai-Robotikstrategie auf der CES 2026.
Der humanoide Roboter Atlas von Boston Dynamics bei seiner Vorstellung auf der CES 2026. Koreanische Medien berichten im Oktober über Vorbereitungen für die Lieferung von Komponenten für rund 10.000 Roboter. Die endgültigen Bestellungen wurden nicht bestätigt. Archivbild: Hyundai Motor Group.

Boston Dynamics bereitet nach Informationen südkoreanischer Medien den Aufbau einer größeren Lieferkette für seinen humanoiden Roboter Atlas vor. Zulieferer sollen demnach bis Ende 2027 die Produktion von Komponenten für rund 10.000 Roboter vorbereiten. Zu den genannten Unternehmen gehören Hyundai Mobis, Samsung SDI, LG Energy Solution und mehrere koreanische Spezialisten für Kameras, Batterieladetechnik und mechanische Bauteile.

Die koreanische Wirtschaftszeitung Hankyung berichtete am 27. Oktober 2026, Boston Dynamics habe die Auswahl wichtiger Lieferanten abgeschlossen und diese über die geplanten Stückzahlen informiert. Formelle Bestellungen sollen demnach erst später folgen.

Die Zahl von 10.000 Robotern beschreibt deshalb zunächst einen Vorbereitungsumfang für die Lieferkette. Sie ist weder eine bestätigte Bestellung noch eine tatsächliche Produktions- oder Auslieferungszahl.

Unabhängig von der noch offenen Auftragslage zeigt die mögliche Lieferantenstruktur, wie eng Boston Dynamics seine künftige Atlas-Produktion mit den Automobil- und Elektronikunternehmen der Hyundai Motor Group verbinden will.

Hyundai Mobis soll die wichtigsten Antriebe liefern

Im Mittelpunkt der Lieferkette stehen die Aktuatoren. Sie verbinden Motoren, Getriebe, Sensoren und Steuerungstechnik und sind dafür verantwortlich, die Gelenke des humanoiden Roboters präzise zu bewegen.

Nach Informationen der südkoreanischen Fachzeitung Electronic Times soll Hyundai Mobis die Aktuatoren für Atlas liefern. Das Unternehmen bringt dafür Erfahrung aus der Großserienfertigung von Automobilkomponenten und elektromechanischen Systemen ein.

Auch Greiferkomponenten und Teile der Kameratechnik sollen laut Hankyung aus dem Hyundai-Umfeld stammen.

Eine solche Integration könnte die Kostenkontrolle vereinfachen. Humanoide Roboter benötigen zahlreiche leistungsfähige Antriebe, die gleichzeitig kompakt, zuverlässig und für die Serienfertigung geeignet sein müssen.

Gerade diese Komponenten zählen zu den aufwendigsten Teilen eines humanoiden Roboters. Wie Humanoid Insider in einer Analyse zur Aktuatoren-Lieferkette beschrieben hat, sind präzise Antriebssysteme ein möglicher Engpass bei steigenden Produktionszahlen.

Die konkrete Verteilung der Komponenten und die geplanten Beschaffungsmengen beruhen derzeit jedoch auf Medieninformationen. Eine vollständige, von Boston Dynamics bestätigte Lieferantenliste liegt nicht öffentlich vor.

Samsung SDI und LG Energy Solution für die Batterieversorgung

Auch bei den Energiespeichern setzt die berichtete Lieferkette auf koreanische Unternehmen.

Electronic Times nennt Samsung SDI und LG Energy Solution als vorgesehene Batterielieferanten. Samsung SDI soll dabei einen größeren Teil des Volumens übernehmen.

Dem Bericht zufolge sind zylindrische Batteriezellen mit einem Durchmesser von 21 Millimetern vorgesehen. Samsung SDI soll die Produktion in Malaysia vorbereiten, während LG Energy Solution Kapazitäten in seinem US-Werk im Bundesstaat Georgia nutzen könnte.

Für die Batterieladetechnik wird BH EVS genannt. Das Unternehmen entstand aus einem früheren Geschäft von LG Electronics mit automobilen Ladesystemen.

Die Übertragung bestehender Batterietechnologien aus der Automobilindustrie könnte die Skalierung vereinfachen. Dennoch unterscheiden sich die Anforderungen eines humanoiden Roboters in wichtigen Punkten von denen eines Elektroautos.

Bei einem mobilen Humanoiden beeinflussen Batteriemasse, Leistungsabgabe, Wärmeentwicklung und Ladezeiten unmittelbar die Einsatzdauer und die Bewegungsfähigkeit.

Ob die für Atlas vorgesehenen Komponenten bereits abschließend validiert wurden, welche Energiedichte sie erreichen und welche Lebensdauer im realen Fabrikbetrieb zu erwarten ist, geht aus den Medienberichten nicht hervor.

Kameratechnik aus der Smartphone- und Automobilindustrie

Für die visuelle Wahrnehmung nennen koreanische Medien weitere bekannte Elektronikzulieferer.

Hyundai Mobis soll gemeinsam mit Namuga an der Hauptkamera des Roboters beteiligt sein. Die Kameras in den Händen sollen nach Informationen von Electronic Times von MCNEX und Cammsys geliefert werden.

Solche Kameras können unterschiedliche Aufgaben unterstützen. Am Kopf erfassen sie die Umgebung, Hindernisse und Bewegungsräume. Kameras an den Händen können die Position von Objekten und die Ausrichtung des Greifers bei Manipulationsaufgaben näher beobachten.

Die Unternehmen verfügen über Erfahrung aus Smartphone-, Fahrzeug- und anderen Elektronikanwendungen.

Für die Robotik ist das industriell relevant: Bestehende Verfahren für optische Module, Qualitätskontrolle und großvolumige Elektronikfertigung könnten auf neue Robotersysteme übertragen werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Komponenten unverändert aus Smartphones oder Fahrzeugen übernommen werden können. Für industrielle Roboter sind unter anderem Vibrationen, Kalibrierung, mechanische Belastung und die Synchronisierung mehrerer Sensoren zu berücksichtigen.

Den vollständigen Kreis der berichteten Lieferanten beschreibt Electronic Times in seiner Untersuchung vom 27. Oktober.

Hyundai plant 30.000 Roboter Jahreskapazität ab 2028

Die Lieferkettenberichte stehen im Zusammenhang mit einer bereits offiziell angekündigten Produktionsstrategie.

Auf der CES 2026 erklärte Hyundai Motor Group, die industrielle Herstellung von Atlas ausbauen und künftig eine Fertigungskapazität von bis zu 30.000 Robotern pro Jahr erreichen zu wollen.

Ab 2028 soll Atlas zunächst im amerikanischen Hyundai-Werk Metaplant America in Georgia eingesetzt werden. Als frühe Aufgaben nannte der Konzern die Sortierung und Bereitstellung von Komponenten für Produktionsprozesse.

Die offizielle Hyundai-Robotikstrategie beschreibt außerdem den Aufbau einer integrierten Infrastruktur für Robotertraining, Produktion, Validierung und späteren Kundenbetrieb.

Die geplante Jahreskapazität von 30.000 Einheiten ist nicht mit der derzeitigen tatsächlichen Produktion gleichzusetzen. Ebenso stellt die berichtete Vorbereitung für 10.000 Atlas-Roboter bis Ende 2027 keinen Nachweis dar, dass diese Stückzahl bereits produziert oder bezahlt wurde.

Die unterschiedlichen Zahlen beschreiben verschiedene Phasen des industriellen Hochlaufs.

Atlas könnte von der Automobil-Lieferkette profitieren

Für die Hyundai Motor Group bietet die Integration von Boston Dynamics eine Möglichkeit, Erfahrungen aus der Automobilindustrie auf eine neue Produktkategorie zu übertragen.

Der Konzern verfügt bereits über Produktionsstätten, internationale Zulieferstrukturen, Qualitätsmanagement und große Einkaufsmengen bei Motoren, Elektronik und Batteriesystemen.

Ein humanoider Roboter stellt dennoch andere technische Anforderungen. Anders als ein Fahrzeug muss Atlas komplexe Ganzkörperbewegungen ausführen, Gegenstände greifen und sich in Arbeitsumgebungen mit Menschen sicher bewegen.

Die Fertigung großer Stückzahlen allein garantiert deshalb keine wirtschaftlich erfolgreiche industrielle Nutzung.

Für den Markt wird entscheidend sein, ob Hyundai und Boston Dynamics eine stabile Serienqualität erreichen und ob die Roboter im tatsächlichen Betrieb genügend produktive Arbeitsstunden erzielen.

Auch europäische Zulieferer sollten die Entwicklung verfolgen. Wenn Automobilkonzerne zunehmend eigene Antriebe, Sensorik und Batteriekomponenten für Humanoide produzieren, verändert das die Wettbewerbsbedingungen für spezialisierte Robotikkomponenten.

Die koreanischen Medienberichte liefern neue Hinweise auf die mögliche Struktur der Atlas-Serienlieferkette. Ob daraus bis Ende 2027 tatsächlich 10.000 produzierte Roboter entstehen, hängt von formellen Bestellungen, validierten Komponenten und dem weiteren Produktionshochlauf ab.