Neuer US-ETF setzt auf die „Muskeln“ humanoider Roboter

Defiance Robotics Actuators ETF AT für Humanoid-Aktuatoren
Der Defiance Robotics Actuators ETF (AT) setzt auf Unternehmen aus den Bereichen Aktuatoren und Motion Control. Bild: Defiance ETFs

Der US-Anbieter Defiance Robotics Actuators ETF (Ticker: AT) hat am 15. September den Handel an der Cboe aufgenommen. Der Defiance Robotics Actuators ETF mit dem Ticker AT investiert nicht primär in bekannte Humanoiden-Hersteller, sondern in Unternehmen, die Motoren, Getriebe, Kugelgewindetriebe, Encoder und andere Bewegungskomponenten für Roboter liefern.

Defiance bezeichnet AT als den ersten in den USA gelisteten ETF, dessen Anlagestrategie speziell auf Robotik-Aktuatoren ausgerichtet ist. Der Fonds wird an der Cboe gehandelt und hat eine jährliche Kostenquote von 0,69 Prozent. Der Schwerpunkt verschiebt sich damit von reinen Wetten auf einzelne Humanoiden-Hersteller stärker auf die Zuliefer- und Bewegungstechnik hinter den Robotern.

Aktuatoren gehören zu den teuersten Teilen eines Humanoiden

Aktuatoren setzen elektrische Signale in Bewegung um und bilden damit vereinfacht gesagt die „Muskeln“ eines Roboters. Zu einem typischen Gelenk gehören Motor, Getriebe, Encoder und Steuerung.

Ein Full-Size-Humanoid benötigt davon mehrere Dutzend. In komplexen Roboterhänden kommen weitere kleine Aktuatoren hinzu.

Nach einer von Defiance zitierten McKinsey-Analyse können Aktuatoren rund 40 bis 60 Prozent der Materialkosten eines humanoiden Roboters ausmachen. Gleichzeitig gehören hochpräzise Komponenten wie Harmonic Drives, Kugelgewindetriebe oder spezielle Servomotoren zu den Bereichen, deren Produktionskapazitäten sich nicht beliebig schnell ausbauen lassen.

Genau auf diese Schicht der Lieferkette setzt der neue ETF.

Mindestens 50 Prozent Umsatz mit Robotik-Bewegungstechnik

AT bildet den MarketVector Humanoid Actuator Index ab.

Für eine Aufnahme in den Index müssen Unternehmen mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit Aktuatoren, Motion-Control-Komponenten oder verwandten Technologien erzielen, die Bewegungen in humanoiden Robotern, Cobots und modernen Automatisierungssystemen ermöglichen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Servo- und Elektromotoren
  • Harmonic Drives und andere Präzisionsgetriebe
  • Kugelgewindetriebe und Linearantriebe
  • Encoder und Motion Controller
  • Präzisionslager
  • integrierte Aktuatormodule
  • weitere Komponenten für mehrachsige Roboterbewegungen

Der Index ist dabei nicht ausschließlich auf reine Humanoid-Zulieferer beschränkt. Auch Unternehmen aus kollaborativer Robotik und moderner Automatisierung können aufgenommen werden, sofern sie die entsprechenden Umsatzkriterien erfüllen.

Vom Roboterhersteller zur Lieferkette

Der neue Fonds zeigt, wie sich das Thema humanoide Robotik zunehmend auch als eigenständige Investmentkategorie entwickelt.

Bisher konzentrierte sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Unternehmen wie Tesla, Unitree oder andere Hersteller kompletter Robotersysteme. Gleichzeitig profitieren von steigenden Produktionszahlen aber auch deutlich weniger sichtbare Unternehmen in der Lieferkette.

Das Prinzip ähnelt dem klassischen „Pick-and-Shovel“-Ansatz: Statt darauf zu wetten, welcher Goldgräber gewinnt, investiert man in die Unternehmen, die Schaufeln verkaufen.

Bei Humanoiden sind Aktuatoren dafür besonders interessant. Unabhängig davon, welches Betriebssystem, welches KI-Modell oder welche Marke sich durchsetzt, benötigt jeder physische Roboter Motoren, Getriebe und Bewegungstechnik.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jeder Zulieferer vom Humanoid-Boom profitieren wird. Der Fonds ist stark auf einen einzelnen Teil der Robotik-Wertschöpfungskette konzentriert, und viele der enthaltenen Unternehmen bedienen neben Humanoiden weiterhin klassische Automatisierungs- und Industriemärkte.

Trotzdem ist die Einführung von AT ein interessantes Signal: Der Kapitalmarkt beginnt humanoide Robotik nicht mehr nur als Wettbewerb zwischen einzelnen Roboterherstellern zu betrachten. Langsam entsteht eine zweite Investmentthese rund um diejenigen Unternehmen, die die entscheidenden Komponenten für eine mögliche Massenproduktion liefern.