Der chinesische Antriebshersteller Leadshine Technology hat neue Zahlen zu seinem Robotikgeschäft veröffentlicht. Nach Unternehmensangaben liegen für 2026 Bestellungen über mehr als eine Million rahmenlose Drehmomentmotoren vor. Im laufenden Jahr sollen davon 800.000 bis 900.000 Einheiten ausgeliefert werden. Hinzu kommen Aufträge für mehr als 60.000 integrierte Robotergelenke.
Die Zahlen stammen aus einem Investorengespräch vom 15. Oktober 2026, dessen Protokoll am folgenden Tag veröffentlicht wurde. Leadshine ist an der Börse Shenzhen unter dem Kürzel 002979 notiert und gehört zu den chinesischen Herstellern, die vom Ausbau der Robotik-Lieferketten profitieren wollen.
Die neuen Angaben sind bemerkenswert, weil sie über reine Produktionspläne hinausgehen. Gleichzeitig gilt eine wichtige Einschränkung: Die gemeldeten Motorenbestellungen lassen sich nicht vollständig humanoiden Robotern zuordnen.
Eine Million Motoren bestellt, bis zu 900.000 Auslieferungen erwartet
Leadshine entwickelt rahmenlose Drehmomentmotoren, Servoantriebe, Getriebe- und Gelenkmodule sowie Komponenten für Roboterhände.
Rahmenlose Motoren sind für humanoide Roboter besonders interessant, weil sie sich platzsparend in Gelenkkonstruktionen integrieren lassen. Sie können beispielsweise in Schulter-, Arm- und Beinantrieben eingesetzt werden.
Nach Angaben des Unternehmens übersteigt der Auftragsbestand für rahmenlose Drehmomentmotoren im Jahr 2026 eine Million Einheiten. Leadshine erwartet, innerhalb des Jahres zwischen 800.000 und 900.000 Motoren auszuliefern.
Die aktuelle monatliche Produktionskapazität beziffert das Unternehmen auf 150.000 Motoren. Durch zusätzliche automatisierte Fertigungslinien soll die mögliche Jahreskapazität perspektivisch auf drei Millionen Einheiten steigen.
Bei integrierten Gelenkmodulen meldet Leadshine mehr als 60.000 offene Bestellungen. Diese verteilen sich auf Planetengetriebe-, Wellgetriebe- und Radmodule.
Ein Motor ist allerdings nicht mit einem vollständigen Gelenkmodul gleichzusetzen. Ebenso wenig kann aus der Zahl der Motorenbestellungen unmittelbar auf die Anzahl gebauter humanoider Roboter geschlossen werden.
Fast 300 Kunden – aber kein offengelegter Humanoid-Umsatz
Leadshine erklärte gegenüber Investoren, über unterschiedliche Geschäftsmodelle mit annähernd 300 in- und ausländischen Robotikunternehmen und Modulherstellern zusammenzuarbeiten.
Das Unternehmen gibt außerdem an, bereits zum Lieferantennetzwerk von mehr als 80 Prozent der Hersteller vollständiger humanoider Roboter zu gehören.
Für diese Marktanteilsangabe wurde jedoch keine überprüfbare Liste der berücksichtigten Unternehmen veröffentlicht. Ebenso fehlen Daten zu den tatsächlich bestellten Mengen je Kunde.
Leadshine bietet sowohl einzelne Komponenten als auch gemeinsam entwickelte Gelenkmodule und Auftragsfertigung an. Die Robotikprodukte werden zudem in unterschiedlichen Maschinen- und Automatisierungsanwendungen eingesetzt.
Für das gesamte Robotikgeschäft erwartet Leadshine 2026 einen Anteil von ungefähr zehn Prozent am Konzernumsatz. Das Management rechnet mit einem jährlichen Auftragsvolumen von rund 200 bis 300 Millionen Yuan, etwa 27 bis 40 Millionen Euro.
Diese Zahlen beziehen sich auf die breite Robotiksparte und sind weder als bereits realisierter Humanoid-Umsatz noch als bestätigter Jahresgewinn zu verstehen.
Gerade diese Trennung ist für die Bewertung börsennotierter Robotikzulieferer wesentlich: Eine starke Marktposition bei Komponenten kann wirtschaftlich attraktiv sein, ohne dass sämtliche Umsätze direkt aus humanoider Robotik stammen.
Die Fertigungskapazität wächst schneller als die verfügbaren Marktdaten
Leadshine erweitert sein Geschäft mit Antriebssystemen in einer Phase, in der zahlreiche chinesische Humanoidenhersteller größere Produktionsvolumen ankündigen.
Das Unternehmen setzt dabei auf bestehende industrielle Fertigungskompetenzen, darunter Motorwicklung, Präzisionssteuerung, Encoder und automatisierte Montage.
Für die Produktionskosten könnte das ein Vorteil sein. Standardisierte Komponenten lassen sich grundsätzlich leichter in größeren Stückzahlen fertigen als vollständig individuell entwickelte Gelenke.
Allerdings entstehen dadurch neue Anforderungen an Qualität und Zuverlässigkeit. Bei hohen Auslieferungszahlen müssen Drehmoment, thermische Eigenschaften, Fertigungstoleranzen und Lebensdauer möglichst konstant bleiben.
Wie Humanoid Insider in einer Analyse zur Serienproduktion humanoider Roboter erläutert, gehören Antriebe und Präzisionsgetriebe zu den wichtigen Kostenfaktoren moderner Robotergelenke.
Die angekündigte Jahreskapazität von drei Millionen Motoren ist dabei zunächst ein Ausbauziel. Wie stark diese Kapazität künftig ausgelastet sein wird, hängt von tatsächlichen Kundenabrufen, Produktionsqualität und Marktnachfrage ab.
Was die neuen Zahlen für börsennotierte Zulieferer bedeuten
Das Robotikgeschäft von Leadshine befindet sich bereits in einer anderen Phase als viele junge Hardware-Startups: Es existieren konkrete Bestellungen für Komponenten sowie eine etablierte industrielle Fertigung.
Dennoch bleibt offen, welcher Anteil der Motoren in humanoiden Robotern eingesetzt wird, welche Umsätze mit einzelnen Produktkategorien erzielt werden und wie profitabel diese Aufträge sind.
Auch die angekündigte Erweiterung der Kapazität bedeutet nicht automatisch, dass die Robotiknachfrage dauerhaft im gleichen Tempo wachsen wird.
Für Anleger ist deshalb die weitere Entwicklung des tatsächlichen Robotikumsatzes aussagekräftiger als die Zahl potenzieller Kunden allein. Eine ähnliche Unterscheidung gilt für börsennotierte Hersteller von Robotik-Aktuatoren und darauf ausgerichtete Investmentprodukte.
Leadshine erwartet für die ersten neun Monate 2026 insgesamt einen Konzernumsatz von rund 1,89 bis 1,95 Milliarden Yuan und ein Wachstum von 45 bis 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Diese Prognose umfasst allerdings auch das klassische Geschäft mit Industrieautomation, Halbleiteranlagen und Servoantrieben.
Die jetzt veröffentlichten Motorenbestellungen liefern einen konkreten Hinweis auf steigende Nachfrage in der Robotik-Lieferkette. Wie viel davon tatsächlich auf humanoide Roboter entfällt, müssen weitere Geschäftsberichte und Kundenangaben zeigen.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der journalistischen Information und stellt keine Anlageberatung dar.
Quellen: Leadshine: Investorengespräch vom 15. Oktober 2026, veröffentlicht am 16. Oktober; Leadshine: Börsenmitteilung; Leadshine: Rahmmenlose Motoren für Robotik.
