Meta entwickelt Humanoiden Max mit Chinas Fourier – zweite Generation in Arbeit

Fourier GR-3, ein humanoider Roboter des chinesischen Unternehmens Fourier, das laut Medienberichten mit Meta an Max arbeitet.
Der humanoide Fourier GR-3 wurde 2025 vorgestellt. Meta entwickelt nach einem Bericht von The Information gemeinsam mit Fourier einen eigenen Forschungsprototyp namens Max. Das Foto zeigt GR-3, nicht den Meta-Prototyp. Archivbild: Fourier.

Meta hat gemeinsam mit dem chinesischen Robotikhersteller Fourier einen humanoiden Roboterprototyp namens Max entwickelt. Nach einem Bericht von The Information vom 31. Oktober 2026 benötigten die beiden Unternehmen rund drei Monate für die erste Version. Bereits seit September arbeiten die Entwicklungsteams an einem Nachfolger namens Max 2.

Der rund 1,50 Meter große und 48 Kilogramm schwere Roboter verwendet nach Angaben des Berichts NVIDIAs Jetson-Thor-Rechenplattform, besitzt fünfgliedrige Fingerhände und einen Bildschirm, der Augen und Mund darstellen kann. Meta möchte damit die Grundlagen für zukünftige KI-Roboter im Haushalt untersuchen.

Ein kommerzieller Marktstart steht allerdings nicht fest. Meta bestätigte gegenüber The Information, dass die Zusammenarbeit mit Fourier auf interne Forschung und Experimente ausgerichtet ist. Die derzeit entwickelten Prototypen sollen nicht verkauft werden.

Meta lässt Roboterhardware in Shanghai entwickeln

Für den Aufbau von Max arbeiteten Meta-Ingenieure eng mit Fourier zusammen. Laut The Information reiste ein Team des amerikanischen Technologiekonzerns nach Shanghai, um gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmen an Hardware, Integration und Funktionsumfang zu arbeiten.

Li-Chen Miller, bei Meta für die Produktentwicklung im Robotikbereich verantwortlich, soll sich fast zwei Monate am Standort von Fourier aufgehalten haben.

Ende August wurde der erste Max-Prototyp bei einer internen Robotikveranstaltung von Meta vorgestellt. Die Entwicklung nutzte Hardware und Erfahrungen aus mehreren Generationen der humanoiden Systeme von Fourier.

Max ist dabei nicht einfach ein umbenannter Fourier GR-3. Die beteiligten Teams passten nach Medieninformationen unter anderem Körperproportionen, Kopf, Display, Kameras und Hände an Metas eigene Anforderungen an.

Der vollständige Entwicklungsumfang, die Aufgabenteilung zwischen den Unternehmen und mögliche langfristige Lieferverträge wurden bislang nicht öffentlich dokumentiert.

Jetson Thor und fünf Finger für die Interaktion im Haushalt

Technisch verbindet Max eine humanoide Körperplattform mit Hardware für KI-Verarbeitung und sozialer Interaktion.

Das System soll auf NVIDIAs Jetson Thor basieren. Hinzu kommen zwei Lautsprecher im Brustbereich, eine digital dargestellte Mimik und Hände, die kleine Gegenstände wie Flaschen und Spielzeug greifen können sollen.

Nach Informationen von The Information stellte Meta außerdem konkrete Entwicklungsanforderungen an die Wahrnehmung: Der Roboter soll Sprache aus einer Entfernung von bis zu fünf Metern erkennen und Handgesten aus rund drei Metern Entfernung interpretieren können.

Weitere Ziele betreffen Blickkontakt und die Darstellung verschiedener Kommunikationszustände, beispielsweise wenn der Roboter zuhört, nachdenkt oder eine Antwort formuliert.

Diese Entfernungsangaben sind bislang Entwicklungsanforderungen, keine unabhängig geprüften Leistungswerte. Öffentlich zugängliche Testprotokolle mit Fehlerraten oder Vergleichsmessungen fehlen.

Auch die Fähigkeit, kleinere Gegenstände zu greifen, belegt noch keine zuverlässige Haushaltsmanipulation. Ein Roboter müsste dafür mit unterschiedlichen Objektformen, wechselnden Positionen und unerwarteten Hindernissen umgehen können.

Max 2 soll bessere Hände und Treppennavigation erhalten

Die zweite Generation befindet sich nach Angaben des Berichts seit September in der Entwicklung.

Für Max 2 planen die Teams einen überarbeiteten Oberkörper und neue Hände, die präzisere Manipulationsaufgaben unterstützen sollen. Ein Projektor soll zusätzliche visuelle Informationen darstellen können.

Außerdem werden weitere Sensoren vorgesehen, um das Bewegen auf Treppen zu verbessern.

Bei humanoiden Robotern sind solche Fähigkeiten eng miteinander verbunden. Die Bewegungssteuerung muss das Gleichgewicht sichern, während die Wahrnehmung Hindernisse erkennt und die Hände Gegenstände sicher bewegen.

Ob Max 2 diese Funktionen bereits praktisch beherrscht, lässt sich aus den bisherigen Berichten nicht ableiten. Es gibt noch keine öffentlich überprüfbaren Demonstrationen oder technischen Benchmarks der neuen Version.

Warum Meta bei der Hardware auf China setzt

Die Zusammenarbeit ist auch aus industrieller Sicht bemerkenswert. Meta verfügt über umfangreiche Kompetenzen bei KI-Modellen, Software und Recheninfrastruktur, baut aber erst eine eigene Hardwareorganisation für humanoide Roboter auf.

Fourier bringt dagegen Erfahrung mit der Entwicklung mechanischer Robotersysteme, Antrieben und humanoiden Plattformen ein.

Im August 2025 präsentierte Fourier den GR-3, einen auf soziale Interaktion und menschennahe Umgebungen ausgelegten Humanoiden. Der offizielle GR-3-Produktbericht beschreibt unter anderem die Interaktionssensorik und die modulare Plattform.

Meta nutzt mit der Kooperation also vorhandene Robotikkompetenz, statt jede mechanische Baugruppe selbst entwickeln zu müssen.

Gleichzeitig entstehen Abhängigkeiten bei Bauteilen, Prototypenfertigung und möglichen späteren Produktionskapazitäten. Amerikanische Beschränkungen für bestimmte ausländische Robotermodelle könnten dabei zusätzliche Anforderungen verursachen.

Wie sich solche Marktzugangsregeln auf Hersteller und Lieferketten auswirken könnten, behandelt die IDC-Analyse zu amerikanischen Robotikbeschränkungen.

Die derzeitige Kooperation ist jedoch ausdrücklich auf interne Forschungsprototypen ausgerichtet. Sie sollte nicht mit einer bereits vereinbarten Serienproduktion verwechselt werden.

Vom KI-Agenten zum physischen Haushaltsassistenten

Meta untersucht humanoide Roboter als mögliche physische Erweiterung seiner KI-Systeme. Ein solcher Roboter könnte langfristig Sprache, visuelle Wahrnehmung und Handlungen in einer realen Umgebung verbinden.

Der Markt ist allerdings noch früh. Viele Haushaltsaufgaben sind für heutige Roboter schwieriger als standardisierte Prozesse in Fabriken und Logistikzentren.

Das erklärt auch, warum andere Unternehmen zunächst kommerzielle Anwendungen priorisieren. LG Electronics hat beispielsweise eine Roadmap mit einem stärkeren Fokus auf Industrie und Logistik vor dem späteren Haushaltsmarkt vorgestellt.

Für Meta ist Max vor allem eine Lernplattform. Es geht darum, welche Hardware und Sensorik benötigt werden, wie Menschen mit solchen Maschinen interagieren und welche Fähigkeiten ein zukünftiges KI-System übernehmen könnte.

Die Zusammenarbeit mit Fourier zeigt, dass Meta für diese Forschung auf bestehende chinesische Robotiktechnologie zurückgreift. Aus dem ersten Prototyp und der Entwicklung von Max 2 lässt sich jedoch noch kein marktreifer Haushaltsroboter ableiten.

Die nächsten aussagekräftigen Schritte wären öffentlich dokumentierte Fähigkeiten, unabhängige Tests und eine konkrete Entscheidung über mögliche Produktentwicklung und Fertigung.