Agility Robotics erhält Zustimmung für Nasdaq-Fusion mit Churchill XI

Agility Robotics Digit bewegt Transportbehälter in einem GXO-Logistikzentrum.
Der humanoide Roboter Digit im Logistikeinsatz bei GXO. Die Aktionäre von Churchill Capital Corp XI haben der Fusion mit Agility Robotics zugestimmt. Der Nasdaq-Handel soll am 5. November 2026 beginnen. Archivbild: Agility Robotics / GXO.

Die Aktionäre von Churchill Capital Corp XI haben der geplanten Fusion mit Agility Robotics zugestimmt. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 2. November 2026 entfielen mehr als 84 Prozent der abgegebenen Stimmen auf die Transaktion. Damit hat der amerikanische Hersteller des humanoiden Roboters Digit eine weitere Voraussetzung für seine geplante Nasdaq-Notierung erfüllt.

Der Abschluss der Fusion ist für den 4. November vorgesehen. Ab dem 5. November sollen die Aktien des kombinierten Unternehmens unter dem Kürzel AGLT an der Nasdaq gehandelt werden. Beide Termine stehen noch unter dem Vorbehalt der verbleibenden Abschlussbedingungen.

Agility erwartet durch den Zusammenschluss und die damit verbundenen Finanzierungen einen Bruttokapitalzufluss von rund 465 Millionen US-Dollar. Das sind zum Wechselkurs vom 30. Oktober ungefähr 415 Millionen Euro. Gleichzeitig zeigen die nun veröffentlichten SEC-Unterlagen, dass zahlreiche bisherige Churchill-Aktionäre ihr Kapital zurückverlangt haben.

Mehr als 84 Prozent stimmen der Fusion zu

Die Abstimmung fand am 2. November statt. Nach Angaben von Churchill wurden sämtliche zur Entscheidung stehenden Vorschläge angenommen, darunter der Zusammenschluss mit Agility, die Ausgabe neuer Aktien und die geplante Unternehmensstruktur.

Für die eigentliche Fusionsvorlage wurden 21.069.042 Ja-Stimmen, 1.334.087 Nein-Stimmen und 2.623.822 Enthaltungen registriert.

Die Unternehmen bewerten das Ergebnis als breite Zustimmung zum Börsenplan. Die Abstimmung beseitigt eine wesentliche rechtliche Hürde. Sie bedeutet allerdings noch nicht, dass die Fusion bereits vollständig abgeschlossen wurde.

Am selben Tag vollzog Churchill die Sitzverlegung von den Cayman Islands nach Delaware. Die fortbestehende Gesellschaft wurde dabei bereits in Agility Robotics, Inc. umbenannt. Der eigentliche Unternehmenszusammenschluss und der geplante Nasdaq-Handel bleiben gesonderte Transaktionsschritte.

Die Ergebnisse sind in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC dokumentiert.

61,5 Prozent der SPAC-Aktien wurden zurückgegeben

Neben dem positiven Abstimmungsergebnis enthalten die Unterlagen eine wichtige Finanzinformation.

Inhaber von 25.451.804 Churchill-Class-A-Aktien haben ihre Rückgaberechte ausgeübt. Das entspricht ungefähr 61,5 Prozent der betreffenden Aktien, die zum Ablauf der Rückgabefrist ausstanden.

Für diese Aktien werden insgesamt rund 261,8 Millionen Dollar aus dem Treuhandkonto der Zweckgesellschaft ausgezahlt. Der Rücknahmepreis liegt bei ungefähr 10,29 Dollar je Aktie.

Solche Rückgaben sind bei SPAC-Transaktionen vorgesehen. Aktionäre können ihr Kapital unter bestimmten Bedingungen zurückfordern, statt es in die fusionierte Gesellschaft einzubringen.

Für Agility verringert sich dadurch der Betrag, der aus dem Treuhandvermögen verfügbar bleibt. Das Unternehmen kann jedoch weiterhin auf zusätzliche Finanzierungsquellen zurückgreifen.

Die Rückgabequote ist nicht mit dem Abstimmungsergebnis gleichzusetzen. Aktionäre können einer Transaktion zustimmen und dennoch ihre Aktien zur Rückzahlung einreichen.

465 Millionen Dollar Bruttokapital bleiben erwartet

Nach dem Ablauf der Rückgabefrist setzt sich die erwartete Finanzierung aus drei Bestandteilen zusammen.

  • Rund 164,1 Millionen Dollar sollen aus dem verbleibenden Churchill-Treuhandkonto kommen.
  • 201 Millionen Dollar stammen aus einer vereinbarten privaten Aktienplatzierung zu zehn Dollar je Aktie, die von Foxconn angeführt wird.
  • Weitere 100 Millionen Dollar an Eigenkapital hat Agility nach eigenen Angaben bereits im Zusammenhang mit der angekündigten Fusion erhalten.

Zusammen ergibt das rund 465,1 Millionen Dollar vor Transaktionskosten.

Der ursprünglich in Aussicht gestellte Betrag von mehr als 620 Millionen Dollar war höher. Die nun erwartete Summe berücksichtigt die tatsächlichen Rückgabeverlangen der bisherigen SPAC-Aktionäre.

Die offizielle Agility-Mitteilung vom 2. November bestätigt sowohl das Abstimmungsergebnis als auch die aktualisierte Finanzierung.

Die 465 Millionen Dollar sind weder der Börsenwert von Agility noch der erwartete Umsatz. Es handelt sich um den geplanten Bruttokapitalzufluss aus der Transaktion und den damit verbundenen Finanzierungen. Die verfügbaren Nettoerlöse werden erst nach dem Abschluss und Abzug der Kosten feststehen.

Digit hat bereits Kunden in Logistik und Industrie

Agility unterscheidet sich von vielen jungen Humanoidenherstellern durch bestehende kommerzielle Anwendungen seines Roboters Digit.

Beim Logistikdienstleister GXO übernimmt Digit wiederkehrende Materialtransportaufgaben. Im US-Bundesstaat Georgia haben die Roboter nach Angaben der Partner bereits mehr als 100.000 Transportbehälter bewegt.

Ende Oktober kündigten GXO und Agility an, den Einsatz Anfang 2027 auf zwei weitere amerikanische Logistikstandorte auszuweiten.

Agility berichtet außerdem von insgesamt mehr als 65.000 Stunden realer Roboterarbeit über unterschiedliche kommerzielle Einsätze und Kundenprogramme hinweg.

Diese Zahl beschreibt die kumulierte Betriebserfahrung mehrerer Roboter. Sie ist keine Aussage über die Lebensdauer einer einzelnen Maschine oder deren durchschnittliche Verfügbarkeit.

Für Digit 5 nennt Agility mehrjährige Auftragszusagen mit einem potenziellen Vertragswert von über 300 Millionen Dollar. Die Verträge hängen unter anderem von technischen Spezifikationen und vereinbarten Meilensteinen ab. Der Betrag entspricht deshalb nicht bereits realisiertem Umsatz.

Mit Digit 5 will das Unternehmen seine industrielle Plattform weiterentwickeln. Erste Kundenlieferungen sind für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Der Börsengang muss sich wirtschaftlich bewähren

Agility kann das zusätzliche Kapital für die Weiterentwicklung von Digit, den Ausbau der Fertigung und die Betreuung weiterer Kunden nutzen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die RoboFab-Fabrik in Oregon. Die Anlage wurde für eine mögliche Jahreskapazität von bis zu 10.000 Robotern konzipiert. Die tatsächliche Produktion liegt damit nicht automatisch bereits auf diesem Niveau.

Für Investoren werden nach dem Börsenzugang andere Kennzahlen stärker in den Mittelpunkt rücken: realisierte Umsätze, tatsächlich ausgelieferte Roboter, wiederkehrende Serviceerlöse und der Kapitalbedarf für den Produktionshochlauf.

Die bisherigen Einsatzdaten zeigen, dass Digit bereits konkrete Aufgaben bei Industriekunden übernimmt. Ob sich diese Anwendungen in größerem Maßstab profitabel anbieten lassen, ist weiterhin offen.

Mit dem positiven Votum ist der geplante Börsengang einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Die nächsten überprüfbaren Ereignisse sind der tatsächliche Abschluss der Fusion am 4. November und der vorgesehene Handelsbeginn am 5. November.

Stand: 3. November 2026. Dieser Beitrag dient der journalistischen Information und stellt keine Anlageberatung dar.