In Großbritannien ist eine speziell auf humanoide Haushaltsroboter ausgerichtete Versicherung erhältlich. Der Versicherungskonzern Tokio Marine HCC International und der britische Spezialversicherungsmakler Adrian Flux haben am 29. Oktober 2026 ein neues Produkt vorgestellt, das sowohl den Roboter selbst als auch bestimmte Schäden absichern soll, die das Gerät im Haushalt verursacht.
Die Versicherung kann über Adrian Flux als Bestandteil einer Hausrat- beziehungsweise Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. Tokio Marine HCC International übernimmt die Rolle des Versicherers.
Nach Angaben der beiden Unternehmen handelt es sich um das erste Versicherungsangebot dieser Art in Großbritannien. Es soll unter anderem Beschädigung, Diebstahl, bestimmte Haftpflichtrisiken und die sichere Stilllegung eines Roboters bei einer unerwarteten Fehlfunktion abdecken.
Die Einführung ist bemerkenswert, weil Versicherer damit auf einen Markt reagieren, in dem die meisten humanoiden Haushaltsroboter noch nicht im breiten Alltagsbetrieb angekommen sind.
Welche Schäden deckt die neue Roboter-Versicherung ab?
Das Produkt wurde speziell für autonome oder teilautonome Maschinen entwickelt, die Aufgaben in privaten Haushalten übernehmen sollen.
Die offizielle Mitteilung von Tokio Marine HCC nennt mehrere abgedeckte Risikobereiche:
- Beschädigung oder Diebstahl: Schutz des versicherten Roboters gegen bestimmte Sachschäden und Diebstahl.
- Schäden am Haushalt: Plötzliche Schäden an Wohngebäude oder Hausrat, die unmittelbar durch den Roboter verursacht werden.
- Private Haftpflicht: Versicherte Haftpflichtrisiken, wenn der Roboter beispielsweise eine andere Person verletzt oder fremdes Eigentum beschädigt.
- Notfallmaßnahmen: Hilfe bei der Bergung oder sicheren Deaktivierung nach einer plötzlichen, unvorhergesehenen Fehlfunktion.
Anders als bei einer üblichen Versicherung hochwertiger Elektronik geht es damit nicht nur um den Verlust des Geräts. Das Produkt berücksichtigt auch, dass sich ein humanoider Roboter selbstständig bewegt und dabei Gegenstände beschädigen oder mit Menschen in Kontakt kommen kann.
Der Schutz gilt allerdings nur entsprechend den vereinbarten Vertragsbedingungen. Die öffentliche Produktbeschreibung ist kein Ersatz für die konkreten Versicherungsunterlagen mit Deckungssummen, Ausschlüssen und Selbstbeteiligungen.
Bis zu 5.000 Pfund bei bestimmten Schäden am Haushalt
Die Produktseite von Adrian Flux enthält bereits einige nähere Angaben zum Leistungsumfang.
Verursacht ein versicherter Roboter plötzlich Schäden an Wohngebäude oder versichertem Hausrat, kann nach Angaben des Maklers eine Entschädigung von bis zu 5.000 britischen Pfund vorgesehen sein.
Der Betrag betrifft diese spezifische Schadenskategorie. Er ist nicht automatisch die Obergrenze für sämtliche Leistungen, insbesondere nicht für jeden Haftpflicht- oder Diebstahlsfall.
Das Unternehmen beschreibt außerdem mögliche Leistungen bei einem Brand, den der Roboter verursacht, sowie eine Ersatzunterkunft, falls das Haus vorübergehend nicht bewohnbar ist.
Auch der Einsatz außerhalb des eigenen Hauses wird in der FAQ angesprochen. Adrian Flux nennt beispielsweise Einkäufe oder andere Besorgungen als mögliche versicherte Tätigkeiten.
Die offizielle Produktseite mit Fragen und Antworten enthält diese Beispiele. Vor einem Abschluss müssen Verbraucher prüfen, unter welchen Bedingungen der jeweilige Roboter tatsächlich versichert ist.
Was passiert, wenn ein Haushaltsroboter jemanden verletzt?
Ein autonom beweglicher Roboter schafft andere Risiken als ein klassisches Haushaltsgerät.
Eine Waschmaschine bleibt normalerweise an einem festen Ort. Ein humanoider Roboter kann dagegen mit Menschen zusammenarbeiten, Gegenstände transportieren, Türen öffnen oder sich durch mehrere Räume bewegen.
Entsteht dabei ein Schaden, sind verschiedene Fragen zu klären: War der Roboter fehlerhaft konstruiert? Hat der Nutzer ihn falsch eingesetzt? Lag ein Softwareproblem vor? Oder handelt es sich um einen gewöhnlichen Unfall während eines erlaubten Einsatzes?
Eine private Haftpflichtversicherung kann für bestimmte Ansprüche relevant sein. Davon zu unterscheiden sind mögliche Ansprüche gegen Hersteller wegen eines Produktfehlers.
Die neue britische Police erweitert den privaten Versicherungsschutz um bestimmte Roboter-Risiken. Sie legt jedoch nicht allgemein fest, wer in jedem Schadensfall rechtlich verantwortlich ist.
Auch Cyberangriffe, fehlerhafte Softwareupdates und die Verarbeitung privater Daten werfen zusätzliche Fragen auf. Aus der bisher veröffentlichten Produktinformation lässt sich nicht ableiten, dass sämtliche Cyber- und Datenschutzrisiken eingeschlossen sind.
Ob ein konkreter Vorfall versichert ist, hängt von den Bedingungen der jeweiligen Police und der rechtlichen Ursache des Schadens ab.
Haushaltsroboter für 15.000 bis 20.000 Pfund als neuer Versicherungsgegenstand
Adrian Flux nennt für bestimmte humanoide Systeme Anschaffungskosten in einer Größenordnung von 15.000 bis 20.000 Pfund.
Ein solcher Roboter kann damit zu den wertvollsten beweglichen Gegenständen eines Haushalts gehören. Bestehende Hausratversicherungen sind möglicherweise nicht automatisch auf diese Geräte und ihre besonderen Risiken ausgelegt.
Der Makler empfiehlt daher, den Roboter ausdrücklich in der Police anzugeben und seinen Wert berücksichtigen zu lassen.
Eine pauschale Versicherungsprämie nennt Adrian Flux nicht. Der konkrete Beitrag wird individuell anhand des zu versichernden Geräts und der persönlichen Umstände kalkuliert.
Auch Angaben über die Zahl bereits abgeschlossener Policen wurden nicht veröffentlicht.
Die Existenz des Produkts beweist deshalb noch nicht, dass bereits eine große Zahl von Haushaltsrobotern im Vereinigten Königreich genutzt wird.
Warum Versicherer vor dem breiten Markteintritt aktiv werden
Tokio Marine HCC und Adrian Flux rechnen damit, dass ab 2027 mehr humanoide Roboter in britischen Haushalten auftauchen könnten.
Die Erwartung beruht auf angekündigten Produkten und der zunehmenden Verfügbarkeit entsprechender Systeme. Sie ist keine bestätigte Absatzprognose für den britischen Markt.
Mehrere Unternehmen verfolgen langfristig das Ziel, humanoide Roboter für Haushaltstätigkeiten zu entwickeln. Die meisten veröffentlichten Demonstrationen zeigen jedoch weiterhin begrenzte Fähigkeiten unter kontrollierten Bedingungen.
LG Electronics hat beispielsweise eine Roadmap mit industriellen und logistischen Anwendungen vor einem breiteren Haushaltsmarkt ab etwa 2030 vorgestellt.
Die Unterschiede zwischen den Herstellern zeigen, dass der Markt für universelle Haushaltsroboter noch nicht ausgereift ist.
Für Versicherer kann es trotzdem sinnvoll sein, Risiken bereits vor der breiten Verbreitung neuer Produkte zu untersuchen. Vergleichbare Erfahrungen wurden zuvor mit speziell entwickelten Versicherungen für Elektrofahrzeuge, autonome Fahrfunktionen und andere technische Neuerungen gesammelt.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Das britische Versicherungsprodukt ist zunächst ein Angebot für den britischen Markt. Daraus folgt nicht, dass vergleichbare Policen in Deutschland bereits erhältlich sind oder dass britische Vertragsbedingungen unmittelbar auf deutsche Haushalte übertragbar wären.
Mit der zunehmenden Verbreitung autonomer Maschinen werden jedoch ähnliche Fragen auch für europäische Verbraucher relevant.
Bei einem humanoiden Roboter müssen neben dem eigenen Sachwert mögliche Schäden an Personen, Möbeln, Gebäuden und anderen Gegenständen berücksichtigt werden.
Dazu kommen Produktsicherheit, Haftungsregeln, Datenschutz und die Frage, wie ein defekter Roboter schnell und sicher stillgelegt werden kann.
Die neue britische Versicherung ist daher weniger ein Beleg für den Durchbruch kommerzieller Haushaltsroboter als ein frühes Zeichen dafür, dass sich Dienstleister auf deren mögliche Nutzung vorbereiten.
Langfristig wird ein funktionierender Haushaltsrobotermarkt nicht nur leistungsfähige Maschinen benötigen, sondern auch Reparaturservice, Ersatzteile, rechtliche Klarheit und geeigneten Versicherungsschutz.
