Die Robotikmesse RoboWorld 2026 hat am 4. November im südkoreanischen Goyang begonnen. Bis zum 7. November präsentieren 402 Unternehmen und Einrichtungen aus 17 Ländern ihre Technologien auf 1.198 Messeständen. Damit ist die Veranstaltung nach Angaben des Industrieministeriums so groß wie nie zuvor.
Die Ausstellung im KINTEX konzentriert sich auf humanoide Roboter, industrielle Automatisierung und Physical AI. Einen besonderen Schwerpunkt bilden in diesem Jahr öffentliche Beschaffungsprogramme und die Entwicklung heimischer Robotikkomponenten.
Für die südkoreanische Robotikindustrie ist die Messe mehr als eine Produktschau. Hersteller sollen ihre Maschinen möglichen Kunden und öffentlichen Einrichtungen vorstellen, während die Regierung den Aufbau eines breiteren lokalen Lieferantennetzwerks unterstützt.
Humanoide und industrielle Robotik auf einer Messe
Zu den teilnehmenden Unternehmen gehören Rainbow Robotics, Neuromeka und weitere südkoreanische Hersteller. Auch internationale Anbieter wie FANUC aus Japan und Unitree aus China sind vertreten.
Die Ausstellung deckt unterschiedliche Robotikarchitekturen ab. Neben zweibeinigen Humanoiden werden mobile Manipulatoren, Industrieroboter, vierbeinige Systeme und Serviceroboter gezeigt.
Diese Vielfalt ist für den Industriemarkt wichtig. Nicht jede Aufgabe in einer Fabrik oder einem Lager verlangt einen Roboter mit menschlicher Körperform.
Bei standardisierten Arbeitsabläufen können klassische Roboterarme oder mobile Transportsysteme einfacher und wirtschaftlicher sein. Humanoide werden vor allem für Aufgaben interessant, bei denen bestehende Arbeitsplätze nur schwer umgebaut werden können.
22 Unternehmen zeigen Robotik für öffentliche Einrichtungen
Neu ist ein sogenannter K-Robot Public Pre-Market. Dort führen 22 Unternehmen Robotersysteme vor, die künftig für öffentliche Einrichtungen infrage kommen könnten.
Die ausgestellten Kategorien umfassen Humanoide, vierbeinige und vierrädrige Roboter sowie Pflegesysteme. Unter den Teilnehmern befinden sich LG Electronics, Rainbow Robotics, Clobot und Lions Robotics.
Die südkoreanische Regierung plant ab 2027 erstmals ein entsprechendes öffentliches Verbreitungsprogramm.
Vor einer möglichen Beschaffung sollen interessierte Einrichtungen technische Eigenschaften prüfen und mit den Herstellern über konkrete Anforderungen sprechen.
Die offizielle Mitteilung des Industrieministeriums beschreibt die Ausstellung ausdrücklich als vorbereitenden Schritt.
Die Zahl von 22 teilnehmenden Unternehmen ist daher keine Zahl vergebener öffentlicher Aufträge. Auch Budgets, Mengen und endgültige Beschaffungskriterien wurden nicht vollständig bekannt gegeben.
Die Lieferkette rückt stärker in den Mittelpunkt
Parallel zu den Robotersystemen zeigt die Messe Komponenten für die industrielle Fertigung. Dazu gehören Antriebe, Getriebe, Sensoren und Steuerungstechnik.
Solche Teile bestimmen wesentlich, wie zuverlässig und wirtschaftlich eine Maschine später eingesetzt werden kann.
Für Südkorea ist der Aufbau einer eigenen Lieferkette auch deshalb interessant, weil zahlreiche Robotikkomponenten bislang von wenigen internationalen Anbietern stammen.
Der Wettbewerb betrifft nicht nur komplette Humanoide, sondern zunehmend spezialisierte Zulieferer, die Gelenkmodule, Präzisionsgetriebe oder Robotersensoren in höheren Stückzahlen herstellen können.
Die Messe bietet Unternehmen außerdem Exportgespräche, internationale Geschäftskontakte und Möglichkeiten zur Ansprache von Investoren.
Neue nationale Infrastruktur für Robot Learning
Der Messeauftakt folgt unmittelbar auf die Eröffnung einer staatlichen Trainingsdatenfabrik in Daejeon.
Das Korea Institute of Machinery and Materials und das Electronics and Telecommunications Research Institute betreiben dort zunächst zwölf humanoide Roboter, mit denen Bewegungs- und Interaktionsdaten gesammelt werden.
Beide Initiativen verfolgen unterschiedliche Ziele. Die Datenfabrik unterstützt die technische Entwicklung von Modellen. RoboWorld vernetzt Hersteller mit möglichen Anwendern und Beschaffern.
Gemeinsam zeigen sie den Versuch, Forschung, Hardware und spätere Nachfrage enger miteinander zu verbinden.
Die eigentliche Bewährungsprobe folgt nach der Messe
Auf RoboWorld werden neue Modelle, Demonstrationen und Partnerschaften vorgestellt. Für eine industrielle Bewertung ist jedoch entscheidend, welche Projekte anschließend tatsächlich umgesetzt werden.
Besonders interessant werden mögliche Beschaffungsverträge aus dem öffentlichen Programm sowie Anwendungen in Fertigungsbetrieben.
Weder die Zahl der Messestände noch spektakuläre Bewegungsdemonstrationen sagen aus, wie viele der ausgestellten Roboter bereits im Kundenbetrieb arbeiten.
Die nächsten aussagekräftigen Daten wären konkrete Bestellungen, Liefermengen, Betriebsstunden und wiederkehrende Anwendungen. Erst damit lässt sich beurteilen, wie weit Südkoreas Robotikindustrie bei der kommerziellen Umsetzung tatsächlich gekommen ist.
