Figure AI sichert sich deutlich mehr Rechenleistung für die Weiterentwicklung seiner humanoiden Roboter. Im Rahmen einer mehrjährigen Partnerschaft mit dem KI-Infrastrukturanbieter Nscale könnte Figure künftig auf bis zu 100.000 Nvidia-GPUs der neuen Vera-Rubin-Generation zugreifen.
Die ersten Systeme sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2027 in Barstow im US-Bundesstaat Texas bereitgestellt werden. Vereinbart ist zunächst Rechenkapazität im Wert von 3,5 Milliarden US-Dollar. Perspektivisch soll das Volumen auf mehr als sechs Milliarden Dollar steigen. Nscale investiert zugleich strategisch in Figure und wird bevorzugter Compute-Anbieter des Robotikunternehmens.
Helix braucht mehr Daten – und mehr Rechenleistung
Figure will die neue Infrastruktur vor allem für die nächste Generation seines KI-Modells Helix nutzen. Helix verbindet visuelle Wahrnehmung, Sprachverständnis und Bewegungssteuerung und bildet damit einen zentralen Bestandteil der Softwareplattform hinter den humanoiden Robotern des Unternehmens.
Figure selbst beschreibt Rechenleistung inzwischen als einen der wesentlichen Engpässe bei der Weiterentwicklung seiner Modelle. Erst Ende August hatte das Unternehmen mit Index ein neues Datenprojekt vorgestellt, das nach eigenen Angaben derzeit rund 35 Minuten humanoider Trainingsdaten pro Sekunde erzeugt.
Mehr Daten allein reichen nach Einschätzung des Unternehmens jedoch nicht aus: Größere Datensätze müssen auch verarbeitet werden, um neue Generationen von Physical-AI-Modellen zu trainieren. Genau dafür soll die zusätzliche GPU-Kapazität von Nscale eingesetzt werden.
Nvidia Vera Rubin soll ab 2027 zum Einsatz kommen
Technologische Grundlage der Kooperation ist Nvidias kommende Vera-Rubin-Plattform. Nscale plant bereits mehrere große Rechenzentrumsprojekte mit dieser Chipgeneration und gehört zu den Cloud-Anbietern, die Rubin ab 2027 in größerem Umfang einsetzen wollen.
Für Figure bedeutet die Partnerschaft damit nicht lediglich zusätzlichen Zugang zu heutigen KI-Chips. Das Unternehmen reserviert sich vielmehr frühzeitig Infrastruktur für eine GPU-Generation, die für besonders rechenintensive KI-Modelle ausgelegt ist.
Nvidia-CEO Jensen Huang bezeichnete die Verbindung aus Modelltraining, Simulation und Robotereinsatz als einen Kreislauf für Physical AI: Figure könne seine Modelle auf der Vera-Rubin-Infrastruktur trainieren, sie unter anderem in Nvidia Isaac Sim validieren und anschließend auf Nvidia-Hardware in realen Robotern einsetzen.
Nscale wird gleichzeitig Investor
Die Beziehung zwischen beiden Unternehmen geht über einen klassischen Cloud-Vertrag hinaus. Nscale beteiligt sich strategisch an Figure und wird damit auch Anteilseigner des Robotikunternehmens.
Außerdem wollen beide Seiten prüfen, ob humanoide Roboter künftig innerhalb der Liefer- und Betriebsstrukturen von Nscale eingesetzt werden können. Konkrete Stückzahlen oder Einsatzorte wurden dafür bislang allerdings nicht genannt.
Nscale selbst expandiert derzeit stark im Geschäft mit KI-Rechenzentren. Das Unternehmen betreibt beziehungsweise plant große GPU-Infrastrukturen unter anderem in den USA und Europa und arbeitet dabei mit Unternehmen wie Microsoft und Anthropic zusammen.
Einordnung: Auch Robotik wird zum Compute-Geschäft
Die Größenordnung der Vereinbarung zeigt, wie stark sich der Wettbewerb bei humanoiden Robotern inzwischen über die Hardware hinaus verschiebt. Wer leistungsfähigere Robotermodelle entwickeln will, benötigt nicht nur mehr reale Trainingsdaten, sondern zunehmend auch eine KI-Infrastruktur, die bislang vor allem mit großen Sprachmodellen verbunden wurde.
Ob sich eine Investition dieser Größenordnung wirtschaftlich auszahlt, hängt allerdings davon ab, wie schnell sich bessere Modelle in zuverlässige und skalierbare Anwendungen übersetzen lassen. Für die Branche ist die Partnerschaft dennoch ein deutliches Signal: Compute könnte neben Daten, Hardware und Produktion zu einem weiteren strategischen Faktor im Wettbewerb um humanoide Roboter werden.
