Für den humanoiden Roboter XPENG IRON beginnt die nächste Phase der Industrialisierung. Der chinesische Elektroautohersteller hat eine eigene Produktionslinie für humanoide Roboter in Betrieb genommen.
Ein erster IRON hat die Produktion bereits vollständig durchlaufen und anschließend selbstständig die Fertigungslinie verlassen. Für XPENG ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur geplanten Serienproduktion, die noch bis Ende 2026 anlaufen soll.

Automobilproduktion als Vorbild
Beim Aufbau der neuen Fertigung greift XPENG nach eigenen Angaben auf Prozesse und Qualitätsstandards aus der Automobilindustrie zurück. Das Unternehmen produziert seit Jahren Elektrofahrzeuge und versucht nun, einen Teil dieser Erfahrung auf die Robotik zu übertragen.
Die Produktionslinie ist auf eine höhere Automatisierung und flexible Fertigung ausgelegt. Mehr als 80 Prozent der zentralen Produktionsschritte sollen automatisiert erfolgen. Damit will XPENG nicht nur eine gleichbleibende Fertigungsqualität erreichen, sondern auch die Voraussetzungen für eine spätere Erhöhung der Produktionskapazität schaffen.
Der Übergang von einzelnen Prototypen zu reproduzierbaren Produktionsprozessen gilt derzeit als eine der zentralen Herausforderungen der Humanoid-Robotik. Viele Hersteller haben funktionsfähige Systeme vorgestellt, doch nur ein kleiner Teil der Branche produziert humanoide Roboter bislang in größeren Stückzahlen.
XPENG IRON setzt auf hohe Rechenleistung und 76 Freiheitsgrade
IRON verfügt laut XPENG über insgesamt 76 Freiheitsgrade. Jede Hand besitzt 21 Freiheitsgrade und soll damit vergleichsweise komplexe Greif- und Manipulationsbewegungen ermöglichen.
Für die Verarbeitung von KI-Modellen setzt XPENG auf drei eigene Turing-AI-Chips. Zusammen sollen sie eine Rechenleistung von bis zu 2.250 TOPS bereitstellen. Dadurch sollen KI-Modelle direkt auf dem Roboter ausgeführt werden können, ohne für jede Entscheidung auf externe Rechenzentren angewiesen zu sein.
XPENG entwickelt IRON als universell einsetzbare humanoide Plattform. Welche Aufgaben der Roboter langfristig übernehmen kann, dürfte jedoch stark davon abhängen, wie zuverlässig sich die heute demonstrierten Fähigkeiten außerhalb kontrollierter Testumgebungen reproduzieren lassen.
Erste Einsätze in XPENG-Filialen und auf Unternehmensgeländen
Die Serienproduktion von IRON soll nach derzeitiger Planung bis Ende 2026 beginnen. Als erste Einsatzorte nennt XPENG eigene Verkaufsstellen und Unternehmensgelände.
Der offizielle Marktstart sowie erste Auslieferungen an Kunden in China und internationalen Märkten sind für 2027 vorgesehen.
Damit verfolgt XPENG einen ähnlichen Ansatz wie mehrere andere Unternehmen aus der Automobilindustrie: Technologien aus autonomem Fahren, Batterien, Sensorik, KI und industrieller Fertigung sollen zunehmend auch für humanoide Roboter genutzt werden.
Erst Ende August hatte XPENG zudem mehr als 900 Millionen US-Dollar für sein Robotikgeschäft eingesammelt. Die Finanzierungsrunde bewertete die Robotiksparte mit mehr als 6,3 Milliarden US-Dollar. Zu den Investoren gehören unter anderem IDG Capital sowie Tencent und Alibaba.
Einordnung: Produktion wird zum nächsten Wettbewerbsfeld
Dass XPENG nun eine eigene Fertigungslinie in Betrieb nimmt, ist vor allem deshalb relevant, weil sich der Wettbewerb bei humanoiden Robotern zunehmend von einzelnen Demonstrationen hin zur Industrialisierung verschiebt. Automobilhersteller könnten dabei einen Vorteil haben: Produktionsplanung, Lieferketten und Qualitätskontrolle gehören bereits zu ihrem Kerngeschäft.
Entscheidend wird allerdings weniger sein, wie viele Roboter eine Fabrik theoretisch produzieren kann, sondern ob sich für diese Stückzahlen auch wirtschaftlich sinnvolle Einsatzmöglichkeiten finden. Die kommenden ein bis zwei Jahre dürften deshalb zeigen, wie schnell aus heutigen Produktionsplänen tatsächlich ein größerer kommerzieller Markt entsteht.
