Berg Insight erwartet 26 Millionen humanoide Roboter pro Jahr bis 2040

Berg-Insight-Prognose zum weltweiten Markt für humanoide Roboter bis 2040
Berg Insight erwartet bis 2040 weltweit rund 26 Millionen jährliche Auslieferungen humanoider Roboter. Grafik: humanoidinsider.de. Quelle: Bern Insight

Der weltweite Markt für humanoide Roboter könnte in den kommenden 15 Jahren von einer vergleichsweise kleinen Technologiebranche zu einem industriellen Massenmarkt wachsen. Das schwedische Marktforschungsunternehmen Berg Insight erwartet, dass die jährlichen Auslieferungen humanoider Roboter bis 2040 auf 26 Millionen Einheiten steigen könnten.

Für 2026 geht Berg Insight in seiner neuen Marktstudie The Future of Humanoid Robots noch von rund 16.000 ausgelieferten Systemen aus. Daraus ergibt sich bis 2040 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 63,7 Prozent. Gleichzeitig könnte der Marktwert von heute rund 890 Millionen US-Dollar auf 554 Milliarden US-Dollar steigen. Nach heutigem Wechselkurs entspräche das etwa 477 Milliarden Euro.

83 Millionen humanoide Roboter könnten 2040 im Einsatz sein

Noch größer fällt der Unterschied beim weltweiten Bestand aus.

Ende 2025 waren nach Schätzung von Berg Insight rund 21.000 humanoide Roboter aktiv im Einsatz. Bis 2040 könnte diese Zahl auf etwa 83 Millionen Systeme steigen. Das entspräche einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 73,7 Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen, wie früh sich der Markt derzeit noch befindet. Obwohl humanoide Roboter regelmäßig auf Messen, in Fabriktests und bei öffentlichen Demonstrationen zu sehen sind, bewegen sich die heutigen Stückzahlen weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.

Berg Insight zählt inzwischen mehr als 100 Unternehmen, die an vollformatigen humanoiden Robotern arbeiten. Der größte Teil befindet sich allerdings weiterhin in der Entwicklungs-, Prototypen- oder Pilotphase. Nur eine kleinere Gruppe hat begonnen, eigene Produktionskapazitäten aufzubauen und größere kommerzielle Stückzahlen vorzubereiten.

Bis 2030 könnte die Millionengrenze fallen

Berg Insight unterteilt die erwartete Marktentwicklung in mehrere Phasen.

Bis 2030 soll zunächst eine frühe Kommerzialisierungsphase dominieren. In diesem Zeitraum könnten die jährlichen Auslieferungen bereits auf rund 1,2 Millionen Roboter steigen. Pilotprojekte würden dann zunehmend durch erste größere kommerzielle Einsätze ersetzt.

Zwischen 2030 und 2035 erwartet das Analysehaus eine stärkere Skalierungsphase, in der Produktionsvolumen steigen und Stückkosten sinken. In den Jahren danach könnten humanoide Roboter schließlich in einer deutlich größeren Zahl von Anwendungsbereichen eingesetzt werden.

Damit würde der entscheidende Wachstumsschritt nicht unmittelbar stattfinden. Die nächsten Jahre dürften zunächst darüber entscheiden, welche Anwendungen wirtschaftlich funktionieren und welche Hersteller den Übergang von kleinen Produktionsserien zu industriellen Stückzahlen tatsächlich bewältigen können.

Industrie dürfte der erste große Markt werden

Als wichtigsten frühen Einsatzbereich sieht Berg Insight die industrielle Fertigung.

Dafür sprechen vergleichsweise strukturierte Arbeitsumgebungen, repetitive Aufgaben und ein leichter messbarer wirtschaftlicher Nutzen. Roboter können dort beispielsweise Material transportieren, Maschinen bedienen oder Beschäftigte bei körperlich belastenden Tätigkeiten unterstützen.

Mit zunehmender technischer Reife könnten sich die Einsatzmöglichkeiten anschließend auf Logistik, Handel und verschiedene Dienstleistungsbereiche erweitern. Anwendungen in Privathaushalten erwartet Berg Insight dagegen eher in einer späteren Marktphase.

Für eine solche Entwicklung müssen jedoch mehrere Technologien gleichzeitig Fortschritte machen. Dazu gehören insbesondere KI-Modelle und Wahrnehmungssysteme, Aktuatoren, Batterien, Bewegungssteuerung sowie kostengünstigere Produktionsverfahren.

Software und Produktion werden wichtiger

Der Wettbewerb verlagert sich dabei zunehmend über die reine Roboterhardware hinaus.

Berg Insight sieht vor allem die Kombination aus Embodied AI, Software und skalierbarer Fertigung als entscheidenden Faktor. Ein technisch beeindruckender Roboter allein reicht demnach nicht aus, wenn das System nicht zuverlässig produziert, aktualisiert und in größeren Flotten betrieben werden kann.

Auch Konnektivität könnte dadurch an Bedeutung gewinnen. Berg Insight erwartet, dass die Zahl der Mobilfunkverbindungen für humanoide Roboter von etwa 5.000 im Jahr 2025 auf 50,6 Millionen bis 2040 steigen könnte.

Solche Verbindungen könnten unter anderem für Ferndiagnose, Software-Updates, Flottenmanagement und cloudbasierte Dienste genutzt werden.

2040 ist weit entfernt – 2030 ist der wichtigere Test

Eine Prognose von 26 Millionen Robotern pro Jahr sollte nicht als feststehendes Marktergebnis verstanden werden. Über einen Zeitraum von fast 15 Jahren können sich Technologie, Regulierung, Kosten und Nachfrage erheblich verändern.

Interessanter ist deshalb zunächst die mittelfristige Marke: rund 1,2 Millionen jährliche Auslieferungen bis 2030. Um dieses Niveau zu erreichen, müsste sich die Branche bereits in den kommenden vier Jahren von heutigen Pilotprojekten deutlich in Richtung Serienproduktion bewegen.

Ob Berg Insights langfristige Prognose Realität wird, dürfte deshalb weniger davon abhängen, wie viele Unternehmen neue humanoide Roboter vorstellen. Entscheidend wird sein, wie viele Systeme tatsächlich dauerhaft produktive Aufgaben übernehmen – und ob sich ihr Einsatz für Kunden wirtschaftlich rechnet.

Sollte dieser Übergang gelingen, würde die Humanoid-Robotik allerdings erstmals von einer spezialisierten Robotikkategorie zu einem echten globalen Massenmarkt werden.