Unitree stellt G1+ vor: Humanoider Roboter kostet rund 12.300 Euro

Sensoren, Kameras und Mikrofone des Unitree G1+
Der G1+ kombiniert neue Kopfbewegungen, ein Dual-Kamerasystem, sechs Mikrofone und einen Anschluss für externe Stromversorgung. Bild: Unitree Robotics

Der chinesische Robotikhersteller Unitree hat am 14. September den G1+ vorgestellt. Die überarbeitete Version seines kompakten humanoiden Roboters kostet in China 95.000 Yuan inklusive Steuern – umgerechnet rund 12.300 Euro. Im Mittelpunkt stehen stärkere Gelenke, eine verbesserte Wärmeableitung, neue Kameras sowie zusätzliche Funktionen für die Interaktion mit Menschen.

Der G1+ bleibt dem Grundkonzept des bisherigen G1 treu. Mit einer Höhe von rund 1,34 Metern und einem Gewicht von etwa 35 Kilogramm gehört er weiterhin zu den kompakteren humanoiden Robotern auf dem Markt. Die Standardversion verfügt über 25 motorisierte Freiheitsgrade.

Der neue Unitree G1+ erhält stärkere Gelenke, zusätzliche Sensoren und neue Interaktionsfunktionen. Bild: Unitree Robotics
Der neue Unitree G1+ erhält stärkere Gelenke, zusätzliche Sensoren und neue Interaktionsfunktionen. Bild: Unitree Robotics

Neu ist vor allem, dass Unitree mehrere praktische Schwachstellen gleichzeitig überarbeitet hat.

Bis zu 110 Prozent mehr Drehmoment

Eine der sichtbarsten Änderungen ist der neue Hals. Der G1+ erhält zwei zusätzliche Freiheitsgrade für den Kopf. Er kann sich um bis zu 110 Grad nach links und rechts drehen und zusätzlich nach oben und unten bewegen.

Größer fallen die Veränderungen bei den Antrieben aus. Nach Angaben von Unitree steigt das maximale Drehmoment der Schulter- und Taillenmotoren um bis zu 110 Prozent. Gleichzeitig soll die Wärmeentwicklung bei gleichem Drehmoment um 72 Prozent sinken.

Bei den Armen erhöht sich das maximale Drehmoment um 43 Prozent, während die Wärmeentwicklung laut Hersteller um rund 30 Prozent reduziert wurde. Auch die Motoren in den Oberschenkeln sollen effizienter arbeiten.

Die Standardversion des G1+ kann pro Arm etwa drei Kilogramm tragen. Für die stärker auf Forschung und Entwicklung ausgerichtete EDU-Version nennt Unitree rund vier Kilogramm.

Neue Kameras und mehr Interaktion

Auch das Wahrnehmungssystem wurde überarbeitet. Der G1+ kombiniert nun eine Stereokamera mit einer zusätzlichen Weitwinkelkamera und einem 3D-LiDAR.

Die Stereokamera soll Tiefeninformationen liefern, während die zusätzliche Weitwinkelkamera das Sichtfeld erweitert. Damit soll der Roboter seine Umgebung sowohl räumlich als auch über einen größeren Bereich erfassen können.

Neu sind außerdem Berührungssensoren am Kopf. Eine Berührung kann beispielsweise einen Dialog oder bestimmte Aktionen auslösen.

Für die Sprachinteraktion integriert Unitree insgesamt sechs Mikrofone – vier an der Vorderseite und zwei an der Rückseite. Das System unterstützt die Lokalisierung von Schallquellen sowie Geräusch- und Echounterdrückung. Zwei 10-Watt-Lautsprecher sind im Bereich der Taille integriert.

Externe Stromversorgung für längeren Betrieb

Die Akkulaufzeit selbst verändert sich kaum. Der G1+ nutzt weiterhin einen herausnehmbaren 9.000-mAh-Akku und soll damit rund zwei Stunden arbeiten können.

Neu ist jedoch ein Anschluss für eine externe Stromversorgung. Damit kann der Roboter bei Forschung, Entwicklung oder Demonstrationen über längere Zeit betrieben werden, ohne regelmäßig den Akku wechseln zu müssen.

Die Standardversion kostet in China 95.000 Yuan inklusive Steuern, umgerechnet derzeit etwa 12.300 Euro. Der Eurobetrag dient dabei nur zur Orientierung – einen offiziellen Verkaufspreis für Deutschland oder Europa hat Unitree bislang nicht genannt.

Für den G1+ EDU veröffentlicht das Unternehmen keinen festen Preis. Diese Variante unterstützt unter anderem zusätzliche Rechenmodule, optionale Roboterhände und bis zu 45 Freiheitsgrade.

Vom Demo-Roboter zur belastbareren Plattform

Der ursprüngliche G1 sorgte bei seiner Vorstellung 2024 vor allem mit seinem vergleichsweise niedrigen Preis und spektakulären Bewegungsdemonstrationen für Aufmerksamkeit. Beim G1+ setzt Unitree nun weniger auf einen völlig neuen Roboter als auf Verbesserungen unter der Oberfläche.

Mehr Drehmoment, weniger Wärmeentwicklung, zusätzliche Sensoren und die Möglichkeit zum Dauerbetrieb wirken auf den ersten Blick weniger spektakulär als neue Lauf- oder Sprungrekorde. Für den praktischen Einsatz könnten genau diese Veränderungen jedoch wichtiger sein.

Je stärker humanoide Roboter den Schritt von kurzen Demonstrationen zu längeren realen Aufgaben machen, desto mehr verschiebt sich der Wettbewerb von reiner Beweglichkeit hin zu Zuverlässigkeit, Wahrnehmung und dauerhaft nutzbarer Hardware. Der G1+ ist damit weniger eine neue Generation als ein Hinweis darauf, worauf sich der Wettbewerb bei günstigeren Humanoiden als Nächstes konzentrieren dürfte.